Erste Hilfe für Meeresschildkröten

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Die Umweltabteilung der Inselregierung (Cabildo de Fuerteventura) weist darauf hin, dass im Winter die Wahrscheinlichkeit ansteigt, in Not geratene Schildkröten uns sonstige Meeresbewohner an den Küsten Fuerteventuras zu entdecken. Grund für die vermehrte Sichtung von Hilfe bedürfenden Tieren im Winter sind die Seewetterbedingungen. Höhere Wellen und stärkere Strömungen erschweren auch den Meeresbewohnern das Schwimmen. Die ist für die Tiere besonders kritisch, wenn sie verletzt, geschwächt oder krank sind.

Wer ein an Land gespültes oder ein hilflos im Meer treibendes Tier findet, sollte als erstes die Umweltbehörde der Inselverwaltung kontaktieren [Tagsüber: 928 53 34 27 oder 928 86 11 15 oder über die Cabildo-Zentrale: 928 86 23 00); Außerhalb der Dienstzeiten: Bereitschaftstelefon der Umwelt-Beamten: 626 982 371]. Wenn unter keiner dieser Nummern jemand erreichbar ist, kann man auch problemlos die allgemeine Notrufnummer 112 wählen.

Die Verantwortliche der Umweltbehörde des Cabildos, Natalia Évora, bittet die Bevölkerung ausdrücklich um Mithilfe, denn die Umweltbeamten achteten im Winter besonders intensiv auf möglicherweise verletzte Tiere, doch sie könnten naturgemäß nicht überall präsent sein.

Nachdem die Behörde verständigt ist, können hilfsbereite Bürger unter Umständen erste Hilfe leisten.

Wenn man eine Schildkröte im Meer treiben sieht, sollte man zuerst prüfen, ob sie sich nicht nur ausruht. Eine Schildkröte in Schwierigkeiten kann man z.B. an einer angetrockneten Oberfläche des Panzers, verkrusteten Algen oder z.B. Wunden erkennen.

Wenn man die Schildkröte anfassen muss, sollte man sie nicht am Panzer anheben, sondern unter den Bauch fassen und sie niemals rückwärts, sondern nur vorwärts durchs Wasser schieben. Außerdem sollte man sich vor dem scharfen Schnabel, den Krallen und den Flossen in acht nehmen. Wen die Schildkröte zuschnappt, darf man die Hand nicht wegziehen, sondern muss warten, bis das Reptil das Maul wieder öffnet. Muss man ein verletztes Tier aufbewahren, bis die professionellen Retter eintreffen, muss sie möglichst kühl, am besten im Schatten, und möglichst feucht gehalten werden. Dabei helfen z.B. nasse Handtücher. Wenn eine Schildkröte transportiert werden muss, geschieht dies idealerweise in einer ausreichend großen Plastikkiste.

Auf keinen Fall darf man einem verletzten Tier etwas zu essen oder trinken geben.

In gewissen Fällen kann man erste Hilfe leisten.

Wenn ein Tier mit Öl oder Teer verschmutzt ist, kann man Augen, Maul und Nasenöffnungen vorsichtig mit einem weichen Tuch und Speiseöl reinigen und möglichst verhindern, dass das Tier Reste davon schlucken kann.

Reste von Netzen oder Angelschnüren können sich um den Hals oder Extremitäten des Tieres wickeln und diese Abschnüren. Wenn das Tier frei atmen kann und keine Erstickungsgefahr besteht, muss man das Entfernen den professionellen Rettern überlassen. Bei abgeschnürten Extremitäten kann es bei fehlender Durchblutung zu absterbendem Gewebe kommen. Die Abschnürung stellt eine Barriere gegen Keime dar. Wird diese aufgehoben, kann dass Tier sehr schnell an einer Blutvergiftung sterben. Ein Tierarzt muss entscheiden, ob die Gliedmaßen zu erhalten sind, oder ob eventuell amputiert werden muss, um das Leben des Tieres zu retten.

Wenn eine Schildkröte einen Angelhaken verschluckt hat, darf sie auf keinen Fall ohne Behandlung freigelassen werden. Sie würde qualvoll verenden. Auf keinen Fall versuchen, den Angelhaken zu entfernen, dies geht meist nur in einer Operation. Wenn die Angelschnur aus dem Maul hängt, darf dies nicht abgeschnitten werden, es sei denn, es besteht die Gefahr, dass das Tier sich darin verheddert. (Siehe auch vorherigen Absatz über Abschnürungen). Wenn abgeschnitten werden muss, sollte man mindestens 20cm dran lassen, damit das Tier den Rest nicht verschlucken kann.

Wenn das Tier Schäden am Panzer oder Wunden hat, die z.B. vom Zusammenstoß mit Booten oder Schiffsschrauben herrühren können, kann man Jodlösung (z.B. Betadine) auf die Wunden aufbringen und das Tier mit feuchten Tüchern abdecken, bis die Retter kommen.

Auch wenn man ein verendetes Tier findet, sollte man die Behörden verständigen. (Siehe oben).

Auf keinen Fall sollte man eine verunglückte Schildkröte wieder freilassen, bevor sie von einem Experten untersucht wurde. Schließlich könnte das Tier auch ohne äußere Anzeichen geschwächt sein, weil es von Parasiten befallen ist oder Plastik verschluckt hat.

Die Inselverwaltung betreibt auf dem Hafengelände von Morro Jable einen „Schildkrötenkindergarten“. Dieser dient nicht nur zur Aufzucht der Baby-Schildkröten, die im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes am Strand von Cofete geschlüpft sind, sondern bietet auch verletzten Tieren die Möglichkeit zu einer von einer Tierärztin kontrollierten Genesung.

Die größte Gefahr für Meeresschildkröten geht von Plastikabfällen aller Art aus. Plastiktüten, Verpackungsnetze oder auch die Plastikverbinder von Dosen-Sixpacks sind oft tödliche Fallen für Schildkröten. Auch Fischernetze, Knäule von Angelschnüren und Angelhaken sind lebensgefährlich. Auch kleinere Plastikteile werden mit Nahrung verwechselt und verschluckt.

Der Schutz der Meeresbewohner fängt also schon an Land bei einer verantwortungsbewussten Müllentsorgung an.

Allein in 2012 wurden 29 Schildkröten aufgefunden, 8 davon waren bereits tot. Die anderen 21 konnten behandelt und wieder freigelassen werden oder wurden zur weiteren Pflege in die Pflegestation von Morro Jable eingewiesen.

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