Was hat Staub aus Uruguay mit Nachtisch auf Fuerteventura zu tun?

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Die kanarische Küche hält einige sprachliche Überraschungen für Genießer bereit. Von „alter Wäsche“ bis zu „Staub aus Uruguay“ finden sich Gerichte, die aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt eher weniger appetitlich klingen. Aber weit gefehlt, wer bei den zugegebenermaßen etwas unappetitlichen Bezeichnungen lieber nicht probiert, dem entgeht einiges!

Polvito uruguayo – Stäubchen aus Uruguay

Auch wenn der Name es anders vermuten lässt, „Stäubchen aus Uruguay“ ist ein typisch kanarischer Nachtisch. Es ist selten, dass sich ein Nachtisch direkt einer Person zuordnen lässt, aber in diesem Fall kann man davon ausgehen, daß das Rezept von einer nach Gran Canaria ausgewanderten Frau aus Uruguay mit dem Namen Susana Elisa Lanús Berrutti stammt. Sie war in den 1980er Jahren nach Gran Canaria gekommen, wo die Familie ein Restaurant betrieb. Die Kinder der Familie sollen die Mutter um einen Nachtisch „wie in Uruguay“ gebeten haben. Dort bereitet man einen Nachtisch mit dem Namen „Principe Humberto“ zu, der fast exakt dem Polvito Uruguayo entspricht. Susana nutzte die kanarische Variante Baiservariante „Suspiros de Moya“ und statt Sahne die pflanzliche Variante Nata Ermol. So gab sie dem Rezept den kanarischen Touch.

Sicher ist, dass das Rezept für die süße Sünde sich schnell auf den Kanaren herumsprach und sich heute als typischer Nachtisch auf vielen kanarischen Tischen und Speisekarten wieder findet.

Schnell einfach – und eine Sünde wert

Daß sich der Nachtisch schnell verbreitet hat, liegt mit Sicherheit auch an seiner einfachen und schnellen Zubereitung. Vier Zutaten, wenig Aufwand, flotter geht Nachtisch kaum. Aber Achtung, Polvito ist keine Diätspeise und ist tatsächlich oft heftig süß.

Heute gibt es viele unterschiedliche Rezepte für Polvito Uruguayo, wie man es auch von der Mojo oder anderen traditionellen Rezepten her kennt.

Die vier Zutaten des traditionell kanarischen Rezepts, das auf Susana Elisa zurück geht, besteht aus Suspiros de Moya, Nata Ermol, Galletas Maria und Dulce de leche.

Suspiros de Moya

Es handelt sich hierbei um kleine, im Ofen getrocknete Baiserstücken, die aus aus der Gemeinde Moya auf Gran Canaria stammen. Eiweiß wird mit Zucker sehr steif geschlagen und in kleinen „Häufchen“ mittels einer Sterntülle auf ein Backblech aufgespritzt. Klassischer Baiser? Ja, einer der Ursprünge für die Suspiros de Moya soll schließlich auch in Deutschland (oder Italien…) liegen

Nata Ermol

Bei der Nata para Montar Ermol (Schlagsahne Ermol) handelt es sich um ein kanarisches Produkt. Es wird in Dosen verkauft und wie Sahne steif geschlagen. Es handelt sich aber nicht um ein Milchprodukt tierischen Ursprungs, sondern ist pflanzlich. Die Nata Ermol hat einen ganz leichten Geschmack nach Vanille. Wer keine Nata Ermol kaufen kann, kann sich auch mit „normaler“ Schlagsahne behelfen.

Galletas Maria

Butterkekse, die in runder Form ausgestochen werden, heißen in Spanien Galletas Maria.

Dulce de Leche

Wie der Name es schon vermuten lässt: Dulce de Leche (übersetzt „Süße der Milch“) ist eine toffeefarbene Creme aus Milch, Zucker und Vanille. Die Milch wird für diese Creme mit Zucker eingekocht, der während dieses Prozesses karamellisiert und der Creme so die Farbe und den typischen Geschmack verleiht. In spanischen Supermärkten ist Dulce de Leche weit verbreitet und wird daher oft nicht mehr selbst hergestellt.

Rezept Polvito Urugayo

Selbstverständlich wollen wir Euch auch hier ein Rezept für Polvito Urugayo vorstellen. Dazu braucht Ihr:

  • 1 Stange, 200g Galletas Maria (Butterkekse)
  • 5-6 Suspiros de Moya (oder weißes, trockenes Baiser)
  • 1 Büchse Ermol (250g) oder Schlagsahne
  • 250g Dulce de Leche

Die Kekse zerkleinern. Das geht entweder mit einer Küchenmaschine oder man zerbricht die Kekse von Hand in kleinere Stücken, gibt diese dann in eine Gefriertüte oder in ein sauberes Küchenhandtuch und zerkleinert die Kekse mit Hilfe eines Nudelholzes in feine Krümel.

Sahne oder Ermol steif schlagen Nicht süßen, die anderen Zutaten bringen ausreichend Süße mit.

Dulce de Leche gut durchrühren. Wenn sie aus dem Kühlschrank kommen sollte, ggf. mit etwas Milch glatt rühren oder im der Mikrowelle leicht anwärmen.

Baiserstücken mit den Händen etwas zerkleinern (nicht zu fein) auch wenn der Name Polvito (Stäubchen, Polvo – Staub) wahrscheinlich von diesem Bestandteil stammt.

In 5 Nachtischgläser oder Schüsselchen zunächst eine Schicht Kekskrümel geben. Eine dünne Schicht Baiser einfüllen. Darauf eine dünne Schicht Dulce de Leche und anschließen Sahne schichten. So weiter verfahren, bis die Zutaten aufgebraucht sind. Etwas zerkleinertes Baiser sollte als Deko übrig bleiben und auf der letzten Sahneschicht verteilt werden.
Abgedeckt im Kühlschrank mindestens 4 Stunden durchziehen lassen.

Tipp: Am Einfachsten lassen sich Sahne und Dulce de Leche mit einem Spritzbeutel verteilen. Also jeweils einen Spitzbeutel mit Sahne und einen mit Dulce de Leche vorbereiten.

Varianten: Wer die Kekse weicher mag, kann etwas Milch unter die Kekskrümel geben. Wer eher eine festere Keksschicht bevorzugt, gibt etwas zerlassene Butter unter die Kekskrümel. Auch sonst kann man die Menge der Zutaten natürlich dem eigenen Geschmack anpassen.

Der kanarische Nachtisch wird häufig mit Kaffee serviert, der die Süße etwas abmildert. Einen Barraquito hingegen, würden wir dazu nicht bestellen.

Guten Appetit!

Wer wissen möchte, was es mit der oben genannten „alten Wäsche“ auf sich hat, findet die Erklärung dazu hier: Ropa vieja – warum man auf Fuerteventura „alte Wäsche“ zum Essen kocht

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