
Die kanarische Regierung hat am Montag, dem 07.04.2026, ein Gesetzesdekret mit steuerlichen Maßnahmen und direkten Hilfen beschlossen, um die wirtschaftlichen Folgen der internationalen Krise infolge des Krieges im Nahen Osten abzumildern.
Die Regelung tritt nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Kanaren (Boletín Oficial de Canarias/ BOC) in Kraft und muss anschließend vom kanarischen Parlament ratifiziert werden.
Mit dem Maßnahmenpaket reagiert die kanarische Regierung auf die Maßnahmen des spanischen Staates, die in erster Linie die Reduzierung der spanischen Mehrwertsteuer (IVA) umfassen.
Die Maßnahmen des spanischen Staates sind für die Einwohner der Kanarischen Inseln wirkungslos, da auf den Kanaren wegen unseres besonderen Steuersystems nicht die spanische Mehrwertsteuer (IVA), sondern die kanarische Mehrwertsteuer (IGIC) erhoben wird.
Deshalb musste die kanarische Regierung eigene Maßnahmen verabschieden, um einen „sozioökonomischen Schutzschirm“ für den Archipel zu bilden.
Insgesamt wird das Maßnahmenpaket nach aktuellen Schätzungen rund 29,8 Millionen Euro kosten. Sollte die Krise länger anhalten, könnten die jährlichen Kosten nach Angaben der kanarischen Regierung bis zu 60 Millionen Euro erreichen.
Null Prozent IGIC auf Kraftstoffe
Ein zentraler Bestandteil des Dekrets ist die vorübergehende Anwendung eines Nullsatzes bei der kanarischen Mehrwertsteuer IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) auf Energieprodukte. Dazu zählen unter anderem Kraftstoffe aus Erdöl, Gas, Biomasse und Brennholz. Dieser war gerade erst zum Beginn des Jahres 2026 von Null auf 1 Prozent angehoben worden.
Mit dieser Maßnahme sollen steigende Preise abgefedert und die Kosten für Haushalte sowie Unternehmen gesenkt werden. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 14,1 Millionen Euro pro Jahr. Für den zunächst vorgesehenen Zeitraum von 100 Tagen, der sich am staatlichen Hilfspaket orientiert, werden etwa 3,9 Millionen Euro veranschlagt. Angesichts des mit 1% ohnehin schon sehr geringen Mehrwertsteuersatzes dürften die Bürger von dieser Maßnahme nicht allzu viel merken. Schließlich wird die kanarische Treibstoffsteuer, je nach Kraftstoff mindestens 22 Cent pro Liter, weiterhin unverändert erhoben.
Allerdings wird die Rückerstattung dieser kanarischen Treibstoffsteuer für Landwirte und Transportunternehmen auf 99 Prozent erhöht. Diese Maßnahme verursacht nach Schätzungen Kosten von rund 19,4 Millionen Euro pro Jahr beziehungsweise etwa 5,3 Millionen Euro für den Zeitraum von 100 Tagen. Dadurch könnten Verbraucher zumindest indirekt profitieren, da die Transportkosten bei praktisch allen Produkten einen recht hohen Anteil ausmachen.
Zusätzliche Grundnahrungsmittel mit IGIC von Null
Auch für Verbraucher sind Änderungen vorgesehen. Das Gesetzesdekret erweitert die Liste der Grundnahrungsmittel, für die ein IGIC-Satz von 0 Prozent gilt.
Neu aufgenommen wurden Salz, Butter und Kaffee. Die kanarische Regierung rechnet mit einem wirtschaftlichen Effekt von rund 3,2 Millionen Euro jährlich. Für die ersten 100 Tage wird der Effekt auf etwa 900.000 Euro geschätzt.
Unterstützung für Selbständige
Eine weitere Maßnahme betrifft Selbständige. Das Dekret erhöht die Umsatzgrenze für den besonderen Kleinunternehmerstatus im kanarischen Mehrwertsteuer-Regime auf 50.000 Euro pro Jahr. Wer unter dieser Grenze bleibt, kann von der sogenannten Befreiung von der Steuererklärung profitieren, wodurch sich steuerliche und bürokratische Belastungen verringern.
Die Regelung richtet sich an natürliche Personen, also Selbständige, und ist freiwillig. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann sich für dieses System entscheiden. Zudem wird eine Übergangsregelung eingeführt, die den Einstieg ab dem 01.07.2026 erleichtern soll.
Die geschätzten Kosten dieser Maßnahme belaufen sich für das Jahr 2026 auf etwa 12,5 Millionen Euro.
Zusätzliche Mittel für Industrie und Landwirtschaft
Das Gesetzesdekret sieht außerdem eine zusätzliche Haushaltslinie zur Unterstützung der kanarischen Industrie und des Primärsektors vor. Ziel ist es, die steigenden Energie- und Produktionskosten teilweise auszugleichen.
Für diesen Bereich stellt die kanarische Regierung zusätzliche 7,2 Millionen Euro bereit.
Maßnahmen auch für Fuerteventura wichtig
Nach Angaben der kanarischen Regierung soll das Dekret eine schnelle und an die besonderen Bedingungen des Archipels angepasste Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen des internationalen Konflikts ermöglichen.
Gerade Regionen in äußerster Randlage der Europäischen Union, wie die Kanaren und damit auch Fuerteventura, gelten als besonders anfällig für Preissteigerungen bei Energie, Transport und Grundgütern.
Die Regierung betont deshalb erneut die Notwendigkeit einer sogenannten „Kanarischen Klausel“, cláusula canaria, in künftigen staatlichen Maßnahmen. Diese soll sicherstellen, dass nationale Hilfsprogramme an die besonderen wirtschaftlichen und steuerlichen Bedingungen der Inseln angepasst werden können.
Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link:







