
Die Sicherstellung von insgesamt 41 Tonnen Kokain bei zwei Einsätzen der Guardia Civil innerhalb von nur 15 Tagen bestätigt die Warnung der europäischen Polizeibehörde Europol zu Beginn des Jahres 2026. Die Behörde hatte auf eine bislang beispiellosen Anstieg des Drogenschmuggels über die Atlantikroute hingewiesen. Besonders betroffen sei Spanien, und hier vor allem die Kanarischen Inseln und der Guadalquivir in Andalusien, als zentrales Einfallstor für Kokain aus Lateinamerika.
Den größten Schlag gegen den Drogenschmuggel verzeichneten die Ermittler Anfang Mai 2026 südlich der Kanarischen Inseln im Rahmen der „Operación Abisal“. Die Spezialeinheit Unidad Central Operativa, UCO, stoppte das Schiff „Arconian“, auf dem sich 30.215 Kilogramm Kokain befanden. Die Drogen waren in 1.279 Paketen verstaut. Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um die größte Beschlagnahmung in der Geschichte des Kampfes gegen den Drogenhandel in Spanien.
23 Besatzungsmitglieder an Bord des Schiffes wurden festgenommen. Sie sollen Verbindungen zur sogenannten „Mocro-Mafia“ haben. An Bord fanden die Beamten zudem Sturmgewehre sowie mehr als 20.000 Liter Benzin in 2.108 Kanistern. Der Treibstoff war offenbar für sogenannte „Narcolanchas“, schnelle Drogenschmuggelboote, bestimmt, die die Kokainladung später im Mittelmeer übernehmen sollten.
Internationale Einsätze gegen Schmugglernetzwerke
Bereits zwischen dem 13. und 26. April 2026 beteiligte sich die Guardia Civil an einem internationalen Einsatz, bei dem 54 Personen festgenommen wurden. Dabei beschlagnahmten die Behörden fast elf Tonnen Kokain, 8,5 Tonnen Haschisch und mehr als 30.000 Liter Treibstoff.
In ihrem Bericht „Diversificación del tráfico marítimo de cocaína“, auf Deutsch etwa „Diversifizierung des maritimen Kokainschmuggels“, beschreibt Europol die Atlantikroute als zunehmend bedeutend für internationale Drogenkartelle. Die Organisationen setzen laut Europol auf Mutterschiffe vor der afrikanischen Küste, Halbtauchboote, Hochgeschwindigkeitsboote sowie verschlüsselte Kommunikationssysteme, Drohnen und autonome Wasserfahrzeuge.
Operation „Sombra Negra“ als Beispiel
Besonders hervorgehoben wird im Europol-Bericht die „Operación Sombra Negra“, durchgeführt von der Drogenfahndung Udyco der spanischen Nationalpolizei. Die Ermittlungen richteten sich gegen ein Netzwerk, das im Atlantik operierte und als bedeutendes Zentrum für Drogenverteilung und Geldwäsche in der Comarca „Campo de Gibraltar“ in der Provinz Cádiz galt.
In zwei Phasen der Operation wurden insgesamt 105 Personen festgenommen, mehr als zehn Tonnen Kokain sichergestellt und 30 Boote beschlagnahmt. Laut Europol zeigt die Operation, wie stark kriminelle Organisationen inzwischen auf moderne maritime Infrastruktur setzen, um Kokain aus Südamerika nach Spanien und anschließend weiter nach Europa zu transportieren.
Kanaren als strategischer Umschlagplatz
Nach Angaben von Europol wird ein Teil der Drogen zunächst in Westafrika angelandet und anschließend entweder auf das europäische Festland oder über die Kanarischen Inseln weitergeschleust. Die Organisationen versuchen dabei zunehmend, den Kontrolldruck in großen Handelshäfen zu umgehen. Stattdessen setzen sie auf kleinere Boote, Umladungen auf hoher See und ausgeklügelte Versteckmethoden.
Die Ermittler warnen zudem vor der steigenden Gewaltbereitschaft der Schmugglergruppen. Immer häufiger würden Waffen eingesetzt, um große Kokainlieferungen zu schützen.
Der bislang größte Kokainfund in Spanien vor dem Einsatz gegen die „Arconian“ datierte aus dem Oktober 2024. Damals entdeckten Polizei und Zollfahndung mehr als 13 Tonnen Kokain zwischen Bananen aus Ecuador im Hafen von Algeciras. Anfang des Jahres 2026 folgte dann die „Operación Marea Blanca“, bei der fast zehn Tonnen Kokain auf einem Schiff rund 500 Kilometer von den Kanarischen Inseln entfernt sichergestellt wurden.
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