Drei von vier Palmen auf Fuerteventura sind von Palmenbohrrüsselkäfer „Diocalandra frumenti“ befallen. Das geht aus einem Gutachten zur Diagnose und Bekämpfung des Palmenschädlings Diocalandra frumenti auf Fuerteventura“ hervor, das die Inselregierung von Fuerteventura (Cabildo) bei dem öffentlichen Unternehmen „Gestión del Medio Rural“ GMR Canarias in Auftrag gegeben hat.
Die Studie soll die aktuelle Situation der Kanarischen Palme zu erfassen, um auf dieser Grundlage eine konkrete Strategie für zukünftige Maßnahmen festzulegen.
Zwischen April 2025 und Juli 2025 wurden insgesamt 1.186 Palmen in natürlichen, ländlichen und städtischen Bereichen aller Gemeinden der Insel untersucht. Das Ergebnis ist alarmierend. 887 Exemplare, das entspricht 74,7%, wiesen einen Befall durch Diocalandra frumenti auf. Bei rund 416 Palmen wurde der Zustand als sehr schwer eingestuft. Weitere 199 Palmen zeigten eine leichte Beeinträchtigung, 272 befanden sich in einem moderaten bis schweren Zustand. Insgesamt gelten damit rund 47% aller untersuchten Palmen als in einer sehr besorgniserregenden Situation.
Sehr gefährliche Lage für Gesundheit und Überleben der Kanarischen Palme
Der Bericht warnt ausdrücklich vor einer sehr gefährlichen Lage für den Gesundheitszustand und das zukünftige Überleben der Kanarischen Palme, Phoenix canariensis, auf Fuerteventura. Nach Einschätzung der Fachleute sind dringend Maßnahmen notwendig, um eine weitere Ausbreitung dieser Plage zu verhindern.
Im Rahmen der Untersuchung wurden nicht nur der Gesundheitszustand der Palmen analysiert, sondern auch betroffene Schwerpunktzonen abgegrenzt, Karten zur Verbreitung der Plage erstellt und ein Aktionsplan mit wirtschaftlicher Bewertung ausgearbeitet. Ziel ist es, die Entwicklung des Problems nachvollziehen zu können und wirksame Kontrollmaßnahmen einzuleiten.
Besonders deutlich wird die dramatische Entwicklung im Vergleich mit dem Jahr 2011. Damals führte GMR Canarias eine ähnliche Untersuchung durch, bei der auf Fuerteventura 729 Palmen kontrolliert wurden. Lediglich 53 Exemplare, das entsprach 7,27%, waren zu diesem Zeitpunkt von Diocalandra frumenti befallen. Seitdem hat sich die Plage auf der Insel verzehnfacht.

Die Autoren des Berichts sprechen von einem ernsthaften Problem, insbesondere auf Inseln mit bedeutenden natürlichen Palmenbeständen und wichtigen Samenquellen der Art. Neben Gran Canaria und La Gomera betrifft dies in unterschiedlichem Ausmaß auch alle übrigen Inseln des Archipels.
Palmenalleen und unsachgemäßer Transport von Pflanzenresten begünstigen die Ausbreitung
Als Hauptursachen für die schnelle Ausbreitung nennen die Experten kurze Flugbewegungen des Insekts zwischen den Palmen, begünstigt durch künstliche Palmenkorridore entlang der großen Verkehrsachsen, sowie den unsachgemäßen Umgang mit infizierten Pflanzenresten. Gerade der Transport und die Lagerung von Schnittabfällen aus Pflegemaßnahmen fördern die Verbreitung der Plage erheblich.
Der Bericht schlägt umfangreiche Maßnahmen vor. Dazu gehören eine vollständige Erfassung und Geolokalisierung aller Palmen auf Fuerteventura, regelmäßige Kontrollen potenziell gefährdeter Exemplare, die Abgrenzung befallener und unbefallener Zonen sowie gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen.
Vorgesehen sind unter anderem Behandlungen durch Infiltration und Sprühverfahren sowie Schutzmaßnahmen für wertvolle Palmenhabitate. Ergänzend wird der Aufbau eines Netzes von Insektenfallen empfohlen, um die Wirksamkeit der Behandlungen zu überprüfen. Außerdem sollten künstliche angepflanzte Reihen von Palmen entlang von Straßen entfernt werden.
Der Plan mit Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen umfasst Feldarbeiten, Aufklärungskampagnen und Pilotstudien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Palmen gegenüber Krankheiten, Schädlingen und den Folgen des Klimawandels.
Die Kosten werden auf rund 1,8 Millionen Euro veranschlagt, verteilt auf drei Jahre. Nach Angaben aus Regierungskreisen soll im Jahr 2025 ein Kontrollplan auf Fuerteventura starten, angelehnt an das Modell auf Lanzarote, wo im letzten Jahr fast 9.000 Pflanzenschutz-Behandlungen durchgeführt wurden.
Die Kanarische Palme, ein pflanzliches Symbol der Inseln, steht damit vor einer ihrer größten Herausforderungen. Seit dem ersten Nachweis des Schädlings im März 1998 in Maspalomas auf Gran Canaria und der offiziellen Einstufung als Plage im Jahr 2007 hat sich Diocalandra frumenti zu einer ernsten Bedrohung entwickelt. Experten erklären, dass vor allem die Larven des Insekts schwere Schäden verursachen, da sie im Inneren der Blätter leben und dort eine vorzeitige Austrocknung der Palme auslösen.
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