Bald kein frischer Fisch mehr auf Fuerteventura? Fischer wollen gegen neue Bürokratie streiken

Fischerboote-Hafen-Morro-Jable

Die Fischergenossenschaften der Kanaren, die sogenannten „Cofradías de Pescadores“, haben für Montag, 19. Januar 2026, eine vollständige Schließung aller Einrichtungen auf de Kanarischen Inseln angekündigt. Hintergrund ist nach Angaben der Organisation der „Unmut über die jüngste Änderung der Verordnung zur Fischereikontrolle“ (Reglamento de Control Pesquero).

Mit der Maßnahme wolle man Solidarität mit dem Fischereisektor in ganz Spanien zeigen, der nach Einschätzung der Zünfte stark von einer Regelung betroffen ist, die sie als „völlig unlogisch und ungerecht“ bezeichnen.

Die Entscheidung für den Streik wurde nach mehreren Treffen des Nationalen Verbandes der Fischerzünfte (Federación Nacional de Cofradías de Pescadores – FNCP), getroffen.

In einer Mitteilung erklärten die kanarischen Zünfte, dass die EU Verordnung Reglamento (UE) 2023/2842 aus ihrer Sicht „absurde, gefährliche und nicht umsetzbare Pflichten“ auferlege. Diese würden die Existenz der Küsten- und Nahbereichsflotte in Frage stellen, ebenso die Sicherheit auf See und „den gesunden Menschenverstand“.

Zu den besonders umstrittenen Vorgaben zählt ein verpflichtender Vorlauf von vier Stunden für die Anmeldung der Ankunft im Hafen, auch für Boote, die nur wenige Minuten von der Küste entfernt fischen. Außerdem kritisiert der Sektor die Pflicht, Fänge bereits ab „Kilogramm null“ zu registrieren. Nach Darstellung der Fischerzünfte führt dies zu Rechtsunsicherheit, erhöht das Risiko von Unfällen und willkürlichen Sanktionen, und zeige eine vollständige Entkopplung der Bürokratie von der Realität der Fischer auf See.

Arbeitsniederlegung und Proteste

Für Montag, 19.01.2026, um 15:00 Uhr kündigen alle Fischerzünfte der Kanaren eine gleichzeitige Kundgebung an. Diese soll zeitgleich mit einem technischen Treffen stattfinden, das im Staatsekretariat für Fischerei (Secretaría General de Pesca), in Madrid einberufen wurde.

An der Sitzung sollen Vertreter des Fischereisektors aus ganz Spanien teilnehmen, einschließlich Delegierter von den Kanaren. Ziel der Kundgebung sei es, „die einhellige Ablehnung des Sektors gegenüber einer Regelung sichtbar zu machen, die das Überleben der handwerklichen und küstennahen Fischerei bedroht“, heißt es.

Je nach Ergebnis der Sitzung schließen die Fischerzünfte weitere Schritte nicht aus. Sollte kein zufriedenstellendes Abkommen zustande kommen, das die Forderungen des Sektors berücksichtigt, könnten die Einrichtungen auch auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Zudem sei eine große Demonstration vor der Regierungsdelegation (Delegación del Gobierno) denkbar.
Die Fischerzünfte fordern das spanische Landwirtschafts-, Fischerei- und Ernährungsministerium auf, verantwortungsvoll zu handeln und gegenüber der Europäischen Kommission die Ermessensspielräume zu verteidigen, die das EU Recht selbst vorsehe. Andernfalls drohten nach Ansicht des Sektors irreparable Schäden für tausende Familien sowie Auswirkungen auf die Versorgung mit frischem, lokalem Fisch.

Abschließend appellieren die Fischerzünfte an die Bevölkerung der Kanaren, dem handwerklichen Fischereisektor gerade jetzt Solidarität zu zeigen. Zudem verlangen sie die einhellige Unterstützung politischer Vertreter, unabhängig von deren Ideologien, um zu demonstrieren, dass die Verantwortung gegenüber dem kanarischen Primärsektor über Parteiinteressen und Einzelinteressen stehe.

Worum geht es genau?

Die neuen Regeln sind am 10. Januar 2026 in Kraft getreten.

Die FNCP hat formell gegen die Umsetzung der neuen Verpflichtungen protestiert, die sich aus der EU Verordnung Reglamento (UE) 2023/2842 ergeben.

Die derzeitige Auslegung stelle, so die FNCP, „einen direkten Angriff auf die Lebensfähigkeit der Küsten und Nahbereichsflotte, auf die maritime Sicherheit und auf den gesunden Menschenverstand“ dar.

Als „inakzeptabel“ bezeichnet die FNCP insbesondere die Pflicht, die Ankunft im Hafen vier Stunden im Voraus anzukündigen, auch für Boote, die nur wenige Minuten von der Küste entfernt fischen und Fahrten von weniger als 24 Stunden absolvieren.

Der Präsident der FNCP, Basilio Otero, erklärt dazu wörtlich: „Man zwingt die Boote anzuhalten, zu warten und auf dem Meer Geld zu verlieren, nur um eine bürokratische Formalität zu erfüllen. Das ist eine nutzlose, ineffiziente und zutiefst schädliche Maßnahme.“

Nach Darstellung der Föderation führt diese Regelung dazu, dass die Fischereiaktivität künstlich ausgebremst wird, Einnahmen sinken und Kosten steigen.

Zudem könne die Qualität von frischem Fisch leiden, was zu geringeren Erlöse bei den Fischauktionen führe.

Auch die Logistikkette aus Häfen und Versteigerungen werde unterbrochen.

Besonders kritisch sieht die FNCP das Sicherheitsrisiko, weil Besatzungen gezwungen würden, länger auf See zu bleiben, obwohl sie bereits sicher im Hafen sein könnten. In diesem Zusammenhang betont die Föderation, „keine Verwaltungsvorschrift“ dürfe über der Sicherheit menschlichen Lebens auf See stehen. Außerdem wird der Verwaltung vorgeworfen, in das professionelle Urteil des Kapitäns einzugreifen, was nach Angaben des Sektors durch die Seeschifffahrtsgesetzgebung ausdrücklich untersagt sei.

Auch die Pflicht, Fänge ab „Kilogramm null“ zu melden wird von der FNCP als „absurd, technisch nicht umsetzbar und juristisch nicht zu verteidigen“ bezeichnet.

Basilio Otero kritisiert: „Von einem Fischer zu verlangen, Gramm an Deck zu wiegen, mit einem sich bewegenden Boot und mitten in der Arbeit, das ist keine Kontrolle, das ist völlige Unkenntnis darüber, wie auf See gearbeitet wird.“

Als Folgen nennt die Föderation eine dauerhafte Rechtsunsicherheit für die Skipper, ein erhöhtes Risiko willkürlicher Sanktionen sowie die Pflicht, elektronische Geräte unter gefährlichen Bedingungen zu bedienen. Dies steigere die Gefahr von Arbeitsunfällen in „einem der härtesten und gefährlichsten Sektoren der Wirtschaft“. Die FNCP erklärt zudem, dass aus einer bisherigen Verpflichtung zur „Schätzung“ faktisch eine Verpflichtung zum „Wiegen“ gemacht werde, was die europäische Regelung nach Auffassung des Sektors weder verlange noch erlaube.

Lösungsvorschläge

„Man kann die Fischerei nicht vom Schreibtisch aus regieren, mit Regeln, die für Statistiken gedacht sind und nicht für echte Boote“, sagt Basilio Otero. Angesichts der Probleme fordert die FNCP eine sofortige Ausnahme von der Pflicht zur Vorabmeldung für Schiffe mit Fahrten unter 24 Stunden. Als Übergangslösung schlägt sie eine maximale Frist von 30 Minuten vor, angepasst an die reale Fahrzeit. Außerdem verlangt die Föderation „klare und verbindliche“ Anweisungen, damit keine Bagatellfänge sanktioniert werden und die unmögliche Registrierung ab „Kilogramm null“ nicht verlangt wird. Auch solle bei minimalen Fangmengen die Zählung einzelner Exemplare erlaubt werden, um „fiktive Schätzungen und ungerechte Strafen“ zu vermeiden.

Die Position der FNCP sei eindeutig, „der Fischereisektor verweigert sich der Kontrolle nicht, aber er wird nicht akzeptieren, der Sündenbock einer falsch angewendeten Regelung zu sein, die an der Realität des Meeres vorbeigeht und ohne die Menschen entworfen wurde, die jeden Tag fischen“.

Otero warnt vor einem Kollaps der handwerklichen und küstennahen Fischerei, falls die Entwicklung nicht korrigiert werde. Zur Veranschaulichung zieht er einen Vergleich: Einen Skipper eines Küstenbootes zu zwingen, auf´s Gramm exakt zu wiegen und stundenlang auf See zu warten, sei wie einen Krankenwagenfahrer in einem Notfall anzuhalten, um ein Formular in dreifacher Ausfertigung auszufüllen und dabei den Treibstoff Gramm für Gramm zu wiegen, bevor er das Krankenhaus erreichen dürfe. „Das ist keine Kontrolle, das ist administrative Fahrlässigkeit“, so Otero.
Abschließend drängt die FNCP das MAPA, verantwortungsvoll zu handeln und gegenüber der Europäischen Kommission die im EU Recht vorgesehenen Flexibilitäten zu verteidigen. Andernfalls drohe ein „irreparabler Schaden für tausende Familien“ sowie Probleme bei der Versorgung mit frischem, lokalem Fisch.

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