Im Süden von Fuerteventura, genauer gesagt in La Lajita wird am 5. Januar erneut die wohl traditionellste „Cabalgata“ gefeiert. Ohne viel Bling Bling und ganz im Zeichen einer besonderen Form der Feier der Nacht der Heiligen Drei Könige. Die sogenannte „authentische königliche Prozession“ ist ein traditionsorientierter Dreikönigsumzug, der bewusst auf Gemeinschaft, Beteiligung und erzählerische Tiefe setzt. Anders als klassische Umzüge versteht diese Veranstaltung die Noche de Reyes nicht als kurzen Programmpunkt, sondern als gemeinsamen Weg, der von der Bevölkerung getragen und aktiv mitgestaltet wird. In diesem Jahr gibt es einige Neuerungen beim Ablauf.
Ein Dorf als Gastgeber und Mitwirkender
Organisiert wird die Veranstaltung von der Fundación Chekipa, der Gemeindeverwaltung von Pájara sowie der soziokulturellen Vereinigung und Dorfgemeinschaft von La Lajita. Unterstützt wird das Projekt durch zahlreiche Einrichtungen und Initiativen, darunter Oasis Wildlife, das Reitzentrum Crines del Viento, die Vereinigung zur Erhaltung des Majorero Esels, die Vereinigung der landwirtschaftlichen Erzeuger des Campo Majorero sowie die Nachbarschaft der Gemeinde Pájara. Die Umsetzung ist nur durch das Engagement vieler freiwilliger Helfer möglich, sowohl aus dem Umfeld von Oasis Wildlife als auch aus der lokalen Bevölkerung, deren Mitwirkung alle Phasen der Feier prägt.
Drei Etappen auf dem symbolischen Weg nach Bethlehem
Der Ablauf der Feier ist klar strukturiert und folgt einem symbolischen Weg nach Bethlehem, der sich in drei aufeinander aufbauende Etappen gliedert. Den Auftakt bildet ab 20 Uhr die Ausgabe des Offiziellen Passes des Weges der Heiligen Drei Könige. Dieser Pass ist weit mehr als ein Begleitdokument, er fungiert als verbindendes Element des gesamten Abends und macht die Teilnehmenden von Beginn an zu aktiven Mitwirkenden. Er erklärt den Ablauf, gibt Orientierung und ermöglicht es, den Weg in seiner inhaltlichen Bedeutung nachzuvollziehen.
Im Anschluss öffnen im Ortskern von La Lajita die sogenannten Stationen von Bethlehem. Diese zweite Etappe besteht aus mehreren thematisch gestalteten Haltepunkten, die als Orte der Begegnung, des Austauschs und des gemeinsamen Erlebens konzipiert sind. Mit spielerischen, kreativen und pädagogischen Angeboten richten sich die Stationen an Menschen jeden Alters und vertiefen Schritt für Schritt das erzählerische Verständnis des Weges. Ergänzt werden sie durch den „Königlichen Markt“, der mit handgefertigten Produkten und regionalen Erzeugnissen den Bezug zur lokalen Kultur und zu verantwortungsbewusstem Konsum herstellen will.
Die einzelnen Stationen sind symbolisch gestaltet und Teil einer zusammenhängenden Erzählung, etwa durch Wunschbotschaften an die Könige, kreative Rituale oder gemeinschaftliche Aktionen rund um das kanarische Kamel.
Die eigentliche Prozession als lebendige Erzählung
Um 22 Uhr beginnt die dritte Phase, die eigentliche königliche Prozession. Der Umzug startet am Gelände von Oasis Wildlife und führt durch den Ort bis ins Zentrum von La Lajita. Den Höhepunkt bildet die Ankunft der Heiligen Drei Könige auf kanarischen Kamelen, begleitet von Majorero Eseln auf dem Dorfplatz von La Lajita. Der Umzug ist als lebendige Geschichte angelegt, in der Dorfbewohner, traditionelle Berufe und symbolische Figuren das Alltagsleben des biblischen Bethlehem darstellen. Die Teilnehmenden sind eingeladen, eine aktive Rolle einzunehmen und Teil dieser Erzählung zu werden.
Neuerungen und bewusster Umgang mit Tradition
Die fünfte Ausgabe der authentischen königlichen Prozession bringt also mehrere Neuerungen mit sich. Zum Abschluss des gemeinsamen Weges ist eine traditionelle Schokoladenrunde vorgesehen, die über offenem Holzfeuer zubereitet wird und kanarische Kamelmilch enthält. Dieser Moment soll das gemeinschaftliche Ankommen abrunden. Zudem tragen die Kamele erstmals handgefertigte Gewänder aus Strick und Häkelarbeit, die von kanarischen Kunsthandwerkerinnen über Monate hinweg gefertigt wurden und das lokale Handwerk würdigen.
Die Beteiligung der Fundación Chekipa und von Oasis Wildlife basiert auf einer langjährigen Auseinandersetzung mit der Rolle des kanarischen Kamels bei den Feierlichkeiten zum Dreikönigstag. Ziel ist ein respektvoller, verantwortungsbewusster Umgang mit dieser vom Aussterben bedrohten einheimischen Rasse. Die Veranstaltung in La Lajita versteht sich damit nicht nur als lokales Fest, sondern als Beispiel dafür, wie kulturelle Tradition, gemeinschaftliches Engagement und ein bewusster Umgang mit Natur und Tieren miteinander verbunden werden können.
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