In Spanien, und somit auch auf Fuerteventura, gelten verhältnismäßig strenge Vorschriften für die Ladenöffnungszeiten. Ausnahmen sind nur für „stark touristisch frequentierte Zonen“ zulässig, die von der Regierung der jeweiligen Autonomen Region als solche deklariert werden müssen.
Das Gewerbegebiet Costa Antigua auf Fuerteventura, in dem unter anderem IKEA, LIDL, Mercadona, Burger King, zwei riesige China-Läden, zwei Tankstellen, ein Restaurant und eine Bar angesiedelt sind, ist nun offiziell eine solche „Zona de Gran Afluencia Turística“ (ZGAT). Das bedeutet unter anderem, dass die Geschäfte dort auch an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen.
Diese Entscheidung der kanarischen Regierung wurde am 26. Januar 2026 im kanarischen Gesetzblatt (Boletín Oficial de Canarias/ BOC) veröffentlicht.
Begründung der Gemeinde Antigua
Die Gemeinde Antigua, die diesen Antrag gestellt hatte, führte in der Gemeinderatssitzung aus, dass das Gebiet trotz seiner formalen Ausweisung als Industriegebiet faktisch zu einem zentralen Handelsstandort geworden sei. In dem Areal konzentriere sich der überwiegende Teil der Einzelhandelsbetriebe der Gemeinde, darunter großflächige Märkte und bekannte Ketten wie LIDL, Mercadona, Domitorum, Burger King und IKEA, daneben Möbelhäuser, Fachgeschäfte wie Spielwarenläden, eine Tankstelle sowie weitere Einzelhandelsbetriebe. Diese Struktur ziehe täglich eine hohe Zahl von Kunden an, wobei der Einkaufstourismus den hauptsächlichen Anziehungspunkt darstelle. Damit seien nach Auffassung der Gemeinde die gesetzlichen Voraussetzungen des kanarischen Gesetzes über den Einzelhandel erfüllt.
Entscheidung der kanarischen Regierung
Die kanarische Regierung bestätigte, dass auf Grundlage der vorgelegten Argumente eine ausreichende und angemessene Begründung für die Erklärung des Gebiets mit der Bezeichnung „Polígono Industrial Sector 7 del PGOU Antigua“ als „stark touristisch frequentierte Zone“ vorliege.
Maßgeblich ist dabei der Artikel 12.4 des Gesetzesdekrets 1/2012 vom 21.04.2012, mit dem der konsolidierte Text der Gesetze zur Ordnung der kommerziellen Tätigkeit auf den Kanaren und zur Regelung der Handelslizenz verabschiedet wurde.
Ziel dieser Regelung ist es, den wirtschaftlichen Nutzen des touristischen Besucheraufkommens zu optimieren, die Entwicklung des lokalen Handels zu fördern und die Dienstleistungen an die tatsächlichen Bedürfnisse der Verbraucher im Rahmen eines nachhaltigen Modells zur Belebung des Handels anzupassen, von dem Unternehmen, Einwohner und Besucher profitieren sollen.
Einwände von Unternehmen und Verbänden
Gegen die Einstufung des Industriegebiets Costa de Antigua als ZGAT wurden drei Einsprüche eingelegt: vom Unternehmen José Padilla Francés, das auf Fuerteventura unter der Marke Spar tätig ist, der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) sowie der Confederación Canaria de Empresarios (Kanarischer Unternehmerverband). Alle drei kritisierten eine ihrer Ansicht nach unzureichende rechtliche Begründung und warnten vor sozialen und arbeitsrechtlichen Auswirkungen.
Comisiones Obreras machte geltend, dass das Interesse der Beschäftigten nicht ausreichend belegt sei und eine Liberalisierung der Öffnungszeiten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beeinträchtigen könne. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Umwandlung eines Industriegebiets in eine touristische Zone vor allem wirtschaftlichen Einzelinteressen diene. Die Gewerkschaft warnte außerdem vor möglichen indirekten Folgen für den Wohnungsmarkt, etwa steigenden Mieten und einer unkontrollierten Ausweitung von Ferienwohnungen.
Auch die Confederación Canaria de Empresarios sah die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt. Nach ihrer Auffassung fehle es an einer ausreichenden Konzentration touristischer Unterkünfte und an dem gesetzlich geforderten besonderen kommerziellen Anziehungspunkt. Zudem sei die industrielle Nutzung des Gebiets mit der geplanten Einstufung nur schwer vereinbar.
Das Unternehmen José Padilla Francés verwies unter anderem darauf, dass nach eigenen Angaben rund 56 Prozent der Flächen industriell genutzt würden, während der Anteil der Einzelhandelsnutzung lediglich 2,4 Prozent betrage. Zudem seien die von der Gemeinde vorgelegten Daten auf die gesamte Gemeinde bezogen und nicht auf das konkret beantragte Gebiet.
Stellungnahme der Gemeinde
Die Gemeinde Antigua entgegnete, dass die Sonntags und Feiertagsöffnung keine zusätzlichen Touristen anziehe, sondern den bereits anwesenden Besuchern und Einwohnern das Einkaufen erleichtere. Auch sah sie keine Verletzung arbeitsrechtlicher Grundsätze und verwies auf vergleichbare Regelungen in anderen Orten auf Fuerteventura.
Trotz der Einwände endete das Verfahren mit der Genehmigung durch die kanarische Regierung.
Welchen Nutzen haben Touristen?
Für die meisten Pauschalurlauber dürfte das Gewerbegebiet Costa Antigua wohl völlig irrelevant sein. Welcher Urlauber bestellt sich ein Billy-Regal, kauft sich einen Eimer Wandfarbe oder bringt sein Auto zum ITV (spanischer Tüv)?
Für Selbstversorger-Urlauber relevant dürften allenfalls die beiden großen Lebensmitteldiscounter sein, bei denen man auf der Fahrt vom Flughafen in den Süden nun gleich noch einkaufen gehen kann. Dass dies dem Herrn Padilla nicht gut gefällt, ist nachvollziehbar, denn bisher konnten Urlauber sonntags nur im Spar-Padilla im CC Atlántico oder in Costa Calma einkaufen.
Auch die beiden China-Läden könnten den einen oder anderen Urlauber glücklich machen, wenn z.B. das Ladegerät für´s Handy zuhause liegen geblieben ist. Schließlich sind diese Läden aufgrund ihres breiten Sortiments schon fast vergleichbar mit Kaufhäusern.
Öffnen dürfen heißt nicht öffnen müssen
Es bleibt abzuwarten, ob die Handelsgeschäfte in Costa Antigua nun tatsächlich auch an Sonn- und Feiertagen öffnen werden, denn dürfen heißt ja nicht müssen.
Die Unternehmen werden wohl abwägen, ob sich die zusätzlichen Kosten auch in zusätzliche Einnahmen ummünzen lassen.
Das Manöver der Gemeinde Antigua wirft eine grundsätzliche Frage auf: sind Vorschriften bezüglich der Ladenöffnungszeiten überhaupt noch zeitgemäß? Könnte man nicht völlig darauf verzichten? Schließlich wären es die Verbraucher, die mit ihrem Kaufverhalten darüber abstimmen, zu welchen Zeiten und an welchen Tagen Läden geöffnet sein sollten.
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