Die Kanarischen Inseln gelten nicht länger als frei von Leishmaniose. Eine aktuelle Studie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) bestätigt, dass die Krankheit inzwischen auch auf den Kanaren lokal übertragen wird.
Studie untersucht rund 800 Hunde auf allen Inseln
Zu den vorläufigen Ergebnissen einer Untersuchung, die von der Fakultät für Veterinärmedizin der ULPGC) geleitet wird, gehört die Feststellung, dass es bereits Ansteckungen von Hunden gibt, die die Kanarischen Inseln niemals verlassen haben. Die Leishmaniose wird von Sandmücken (Phlebotominae) übertragen. Sandmücken wurden bereits vor über 40 Jahren auf den Kanaren nachgewiesen.
Für die Studie wurden bislang nahezu 800 Hunde von allen Kanarischen Inseln untersucht. Alberto Montoya, Professor für Tiermedizin an der Veterinärmedizinischen Fakultät der ULPGC und einer der Verantwortlichen des Projekts, erklärt, dass man zunächst davon ausgegangen sei, die auf den Kanaren festgestellten Fälle seien auf Hunde zurückzuführen, die sich auf dem spanischen Festland angesteckt hätten und die Krankheit erst nach ihrer Rückkehr auf die Inseln entwickelt hätten.
Die zunehmende Zahl der Fälle habe jedoch Zweifel geweckt. Deshalb sei die Untersuchung gestartet worden. Im Verlauf der Studie konnten nach Angaben der Forscher zahlreiche Fälle von Leishmaniose bei Hunden nachgewiesen werden, die die Kanarischen Inseln niemals verlassen hatten.
Zehn Prozent der untersuchten Tiere positiv
Nach Angaben der Wissenschaftler ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Dennoch zeigen die bisherigen Ergebnisse bereits eine deutliche Entwicklung. Mindestens zehn Prozent der bislang analysierten Tiere waren positiv auf Leishmaniose getestet worden.
Montoya betont jedoch, dass dieser Wert nicht repräsentativ für die gesamte Hundepopulation sei. Die untersuchte Gruppe bestehe überwiegend aus Tieren, bei denen bereits zuvor ein Verdacht auf die Erkrankung bestanden habe.
Bedeutung für die öffentliche Gesundheit
Die Entdeckung hat weitreichende Folgen für die öffentliche Gesundheit auf den Kanarischen Inseln. Der Nachweis lokal infizierter Hunde bedeutet zugleich, dass die übertragenden Sandmücken auf den Inseln vorkommen und aktiv sind. Diese Insekten können nicht nur Hunde infizieren, sondern auch Katzen, Pferde und andere Tierarten.
Darüber hinaus handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Krankheit, die auch auf den Menschen übertragen werden kann. Nach Angaben der Forscher stellt Leishmaniose im Mittelmeerraum bereits seit Jahren ein relevantes Gesundheitsproblem dar, insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Nach Daten des Nationalen Epidemiologischen Überwachungsnetzes Spaniens (RENAVE) wurden im Jahr 2024 landesweit 473 Fälle von Leishmaniose beim Menschen registriert. Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen steigt seit Jahren an. Im Jahr 2022 wurden 291 Fälle gemeldet, im Jahr 2023 waren es bereits 387. Bis zum 26.06.2026 wurden in Spanien zudem schon 140 neue Fälle registriert.
Veterinärmediziner fordern rasche Präventionsmaßnahmen
Nach Ansicht der Forscher könnte auf den Kanaren eine Entwicklung wie in Teilen des Mittelmeerraums noch verhindert werden. Voraussetzung sei jedoch ein schnelles Handeln, um die Infektionskette zu unterbrechen.
Für September 2026 kündigten die Verantwortlichen Fachveranstaltungen an, bei denen Gesundheitsbehörden informiert und Tierärzte für die neue Situation sensibilisiert werden sollen. Gleichzeitig soll die Bevölkerung besser über die Risiken und Schutzmöglichkeiten aufgeklärt werden.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Prävention. Nach Angaben von Montoya stehen Impfstoffe zur Verfügung, die zwar keinen vollständigen Schutz bieten, das Risiko einer Infektion jedoch deutlich verringern können. Tierärzte müssten die Krankheit künftig als auf den Kanaren vorkommende Erkrankung betrachten und entsprechende Vorsorgemaßnahmen aktiv empfehlen.
Zusätzlich gelten Antiparasiten-Halsbänder, die Stiche der Sandmücken verhindern sollen, sowie Präparate zur Stärkung des Immunsystems als wirksame Schutzmaßnahmen. Weniger wirksam seien dagegen bestimmte verschreibungspflichtige Antiparasitentabletten, die gegen den Stich der Sandmücke keinen ausreichenden Schutz böten.
Potenziell tödliche Krankheit für Hunde
Leishmaniose zählt zu den schwerwiegendsten parasitären Erkrankungen bei Hunden. Ohne Behandlung schreitet die Krankheit kontinuierlich fort. Erste Symptome treten oft erst Monate nach dem Stich einer infizierten Sandmücke auf.
Zu den frühen Anzeichen gehören Hautveränderungen, Geschwüre, Krustenbildung, Nasenbluten und Bindehautentzündungen. Auch übermäßiges Krallenwachstum oder eine trockene Nase können Hinweise auf die Erkrankung sein.
Im weiteren Verlauf kann der Erreger in Blut und Knochenmark gelangen und lebenswichtige Organe schädigen. Mögliche Folgen sind schwere Niereninsuffizienz, starke Blutarmut sowie Augenschäden. Nach Angaben der Veterinärmediziner ist die Krankheit häufig nicht vollständig heilbar. Die Behandlung kann den Verlauf meist kontrollieren und verlangsamen, der Parasit verbleibt jedoch oft dauerhaft im Organismus.
Montoya weist deshalb darauf hin, dass Vorbeugung und regelmäßige Gesundheitskontrollen bei Haustieren die wirksamsten Mittel gegen die Ausbreitung der Krankheit seien.
Auch Menschen können erkranken
Beim Menschen äußert sich die Erkrankung ebenfalls als Zoonose. Bekannt ist insbesondere die sogenannte „Orientbeule“, die sich durch Hautgeschwüre bemerkbar macht. Spanien zählt gegenwärtig zu den europäischen Ländern, in denen sowohl die kutane als auch die viszerale Form der Leishmaniose übertragen werden.
Die Ergebnisse der laufenden Studie zeigen nun erstmals deutlich, dass die Krankheit nicht mehr ausschließlich durch infizierte Tiere vom Festland auf die Kanarischen Inseln gelangt, sondern offenbar bereits innerhalb des Archipels übertragen wird. Damit stehen Tierhalter, Tierärzte und Gesundheitsbehörden vor der Herausforderung, die weitere Ausbreitung der Leishmaniose auf den Inseln möglichst frühzeitig einzudämmen.
Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link: