Fuerteventuras Hauptstadtgemeinde Puerto del Rosario hat ihre Ausrüstung für Rettungseinsätze im Meer um eine sogenannte Wasserrettungsdrohne erweitert. Das Gerät mit der Bezeichnung „Dolphin“ soll Menschen in Seenot schneller erreichen und damit die Reaktionszeiten bei Rettungseinsätzen verkürzen. Doch in den sozialen Medien wird Kritik an der Wirksamkeit der neuen Technik laut.
Bei dem Dolphin handelt es sich um ein motorisiertes, unbemanntes Oberflächenfahrzeug, das per Fernsteuerung oder manuell von einem Rettungsschwimmer gesteuert werden kann. Eine integrierte Kamera ermöglicht die Beobachtung des Einsatzes vom Land aus. Die Rettungsdrohne soll Menschen in Seenot erreichen und ihnen eine Möglichkeit bieten, sich über Wasser zu halten.
Erfahrener Rettungsschwimmer äußert Zweifel
In einem Kommentar zur Veröffentlichung der Gemeinde kritisiert ein Mann, der nach eigenen Angaben seit mehr als 13 Jahren als Rettungsschwimmer tätig ist, die Anschaffung.
Sein Hauptargument: Menschen, die akut zu ertrinken drohen, seien häufig gar nicht mehr in der Lage, ein solches Gerät bewusst wahrzunehmen oder sich daran festzuhalten. Außerdem könne die Rettungsdrohne kentern, wenn sich die betroffene Person nicht richtig daran festhalte. Schließlich blieben bei einem Ertrinkungsunfall unter Umständen nur wenige Sekunden, bevor die Person untergehe.
Doch wie berechtigt ist diese Kritik?
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Vorteile
Tatsächlich ist der erste Einwand fachlich begründet. Menschen in akuter Ertrinkungsnot können häufig keine gezielten Bewegungen mehr ausführen. Eine Rettungsdrohne, an der sich die betroffene Person selbst festhalten muss, kann deshalb bei bewusstlosen oder bereits stark geschwächten Menschen keine vollständige Rettung gewährleisten.
Allerdings zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass der Einsatz von Rettungsdrohnen durchaus Vorteile haben kann.
Bei einer 2017 in Schweden durchgeführten Studie benötigte eine fliegende Drohne durchschnittlich nur etwa 30 Sekunden, um eine Auftriebshilfe zu einer simulierten Person in Seenot zu bringen. Ein schwimmender Rettungsschwimmer benötigte dafür etwa 65 Sekunden.
Auch andere Untersuchungen bestätigen, dass Drohnen die Zeit bis zur Bereitstellung einer Auftriebshilfe deutlich verkürzen können. Allerdings untersuchten diese Studien überwiegend fliegende Drohnen und nicht motorisierte Wasserrettungsdrohnen wie den Dolphin.
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass Drohnen Rettungsschwimmer bei der Wasserrettung sinnvoll unterstützen können. Gleichzeitig betonten die Forscher, dass die wissenschaftliche Datenlage noch begrenzt ist.
Kann die Rettungsdrohne kentern?
Auch der Einwand, dass sich das Gerät bei falscher Benutzung umdrehen könnte, lässt sich nicht pauschal zurückweisen.
Allerdings verfügen bestimmte Modelle des Dolphin über eine automatische Aufrichtfunktion, mit der sie sich nach einem Kentern wieder in die richtige Position bringen können.
Ob die von Puerto del Rosario angeschaffte Rettungsdrohne über diese Funktion verfügt, gab die Gemeinde nicht bekannt.
Auch die Behauptung, dass Ertrinkende grundsätzlich innerhalb von 20 bis 60 Sekunden untergehen, lässt sich nicht verallgemeinern. Wie schnell eine Person untergeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unstrittig ist allerdings, dass bei einem Ertrinkungsunfall jede Sekunde zählt.
Sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für Rettungsschwimmer
Die Kritik des erfahrenen Rettungsschwimmers ist somit teilweise berechtigt. Insbesondere bei bewusstlosen Personen oder Menschen, die sich nicht mehr selbstständig festhalten können, stößt eine Wasserrettungsdrohne an ihre Grenzen.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Anschaffung sinnlos wäre. Bei Menschen, die noch handlungsfähig sind, kann eine solche Rettungsdrohne wertvolle Zeit gewinnen. Gerade bei starken Strömungen oder größeren Entfernungen zum Ufer könnte sie außerdem das Risiko für Rettungsschwimmer reduzieren.
Entscheidend ist, dass die Bediener entsprechend geschult sind und die Bedienung des Geräts regelmäßig unter realistischen Bedingungen trainiert wird.
Die Gemeinde Puerto del Rosario hat bislang keine näheren Angaben zur technischen Ausstattung, zur Leistungsfähigkeit bei starkem Wellengang oder zur Ausbildung der Bediener veröffentlicht.
Die neue Rettungsdrohne kann deshalb durchaus eine sinnvolle Ergänzung der vorhandenen Rettungsmittel sein. Sie ersetzt aber weder gut ausgebildete Rettungsschwimmer noch geeignete Rettungsfahrzeuge, mit denen auch bewusstlose Menschen aus dem Wasser geborgen werden können.
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