Rückkehr der Schildkröten

2016 könnte das Jahr der Rückkehr der Schildkröten werden. Zumindest hoffen dies die Wissenschaftler, die an dem Experiment zur Wiederansiedlung der Unechten Karettschildkröte „caretta caretta“ beteiligt sind. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Schildkrötenart, die auch heute noch in den Gewässern von Fuerteventura gelegentlich beobachtet werden kann, früher an den Stränden von Fuerteventura genistet hat. Die Unechte Karettschildkröte kehrt zur Eiablage an die Stelle zurück, wo sie selbst aus dem Ei geschlüpft ist.

Im Jahr 2006 begann das ambitionierte Projekt zur Wiederansiedlung.

Die Idee klingt einfach: man nimmt Eier aus Nestern auf den Kapverdischen Inseln, vergräbt diese Eier in von Menschen gegrabenen Nestern am Strand von Cofete. Dann bewacht man diese solange, bis die Babys schlüpfen, sammelt sie ein und päppelt sie im Schildkrötenkindergarten auf dem Hafengelände von Morro Jable so lange auf, bis sie eine Größe erreichen, die eine hinreichend große Überlebenswahrscheinlichkeit erwarten lässt. Dann lässt man sie medienwirksam frei und wartet ab.

Mindestens 10 Jahre dauert es, bis die Unechte Karettschildkröte geschlechtsreif wird. Also kann sich frühestens in den nächsten Jahren herausstellen, ob die Wiederansiedlung funktionieren könnte.

Die Natur setzt auf große Zahlen. Denn nur die wenigsten Tiere überleben die ersten 10 Jahre. Deshalb müssen möglichst viele Eier gelegt werden, damit wenigstens ein paar wenige Tiere sich eines Tages fortpflanzen können. Nicht nur Räuber stellen ihnen nach. Auch Zivilisationsmüll wie Plastik, umhertreibende Fischernetze und vieles mehr bedroht den Schildkrötennachwuchs. Ob von den rund 1.500 Schildkröten, die in den Jahren 2006 bis 2010 aus 4.000 Eiern geschlüpft sind und freigelassen worden sind, eine ausreichend große Anzahl von Tieren überlebt hat, wissen selbst die Wissenschaftler nicht. Doch selbst wenn die Schildkröten eines Tages wirklich an die Strände von Fuerteventura zurückkehren und Eier legen, werden die ersten Generationen sicher weiter auf die Hilfe des Menschen angewiesen sein, die die Nester bewachen und den Nachwuchs in der ersten ein bis zwei Jahren aufziehen, um seine Überlebenschancen zu verbessern.

Das Projekt musste in 2011 unterbrochen werden, weil die Regierung der Kapverden keine weiteren Eier mehr herausrückte. Der Grund war wohl, dass die Kanarische Regierung ihrerseits ihre Versprechungen nicht eingehalten hatte, auf den Kapverden eine Station zur Beobachtung der Schildkröten zu errichten. Zurzeit verhandelt die Inselverwaltung Fuerteventuras mit den Kapverden über eine Wiederaufnahme des Projekts.

Währenddessen arbeitet man an einem anderen Experiment, nämlich der Nachzucht in Gefangenschaft. Die will man mit rund 20 Tieren versuchen, die aus den ersten Eiern im Jahr 2006 geschlüpft sind und die noch immer im Schildkrötenkindergarten in Morro Jable leben. Die erste Kandidatin für die Reproduktion könnte das Weibchen „Chofe“ sein, die mittlerweile ein stattliches Gewicht von 60kg erreicht hat und bald geschlechtsreif werden dürfte.

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