Traditionelle kanarische Sportarten auf dem Lehrplan von Fuerteventuras Schülern

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Nach den Weihnachtsferien auf Fuerteventura stehen auch kanarische Sport- und Spielarten wie Palo Canario, Bola Canaria, Salto del Pastor, Pelotamano, Billarda, Pina und Tángana auf den Lehrplänen der Schüler der Sekundarstufe. Das vom Cabildo Fuerteventura (Inselregierung) geförderte Programm „No Olvides Lo Nuestro“ (Vergiss das Unsere nicht) soll den Schülern das sportliche Brauchtum, das oft einen ernsten geschichtlichen Hintergrund hat, näher bringen. Neben der Rettung und Erhaltung dieser kanarischen Traditionen stehen die Vermittlung sozialer, erzieherischer und gesundheitlicher Werte sowie die soziale Integration im Vordergrund.

In diesem Jahr nehmen insgesamt rund 1.200 Schüler auf Fuerteventura an dem Projekt teil. Mit dabei sind I.E.S. Vigán, C.E.O. Antigua, I.E.S. Jandía, I.E.S. Puerto del Rosario, I.E.S. Santo Tomás de Aquino, I.E.S. Puerto Cabras Rafael Báez, I.E.S. San Diego de Alcalá, I.E.S. Corralejo, I.E.S. Gran Tarajal, I.E.S. La Oliva und C.P.E.I.P.S. Sagrado Corazón.

Hier findet Ihr eine kurze Erklärung der einzelnen Sportarten:

Palo Canario

Palo Canario (kanarischer Stock) oder kurz das Palo-Spiel, ist ein Fechtsport mit 120 – 180cm langen Stöcken. Ein Stock war die einzige Waffe der kanarischen Hirten und Inselbewohner, mit dem sie sich immer wieder gegen Piraten und später die Spanier verteidigten. Unter der Diktatur Francos war der traditionelle Stockkampf verboten, wurde aber heimlich ausgeübt.

Die ursprüngliche Kampfkunst verlangt den Kämpfern große Geschicklichkeit und Körperbeherrschung ab. Zwei gegnerische Spieler, die keinerlei Körperschutz tragen, dürfen die Schläge mit dem Stock nur simulieren, sich also nicht berühren. Treten zwei Meister an, wirkt der schnelle Wettkampf leicht und tänzerisch.

Bola Canaria

Die Bola Canaria (kanarische Kugel) ähnelt dem Boulespiel, jedoch sind die Kugeln schwerer und das Spielfeld ist größer. Das Spiel hielt wahrscheinlich mit der Eroberung durch die Spanier Einzug auf dem Archipel, da man es nahezu gleich in Ländern wie Venezuela oder Uruguay spielt. Bola Canaria erfreut sich heute gerade unter den älteren Einheimischen großer Beliebtheit.

Von einem festgelegten Punkt aus wird eine Kugel geworfen, wobei die Spieler versuchen, damit so nahe wie möglich an einen farbigen Ball heranzukommen und gleichzeitig die Kugeln der Gegner wegzustoßen. Es treten zwei Mannschaften mit jeweils gleicher Anzahl Spielern gegeneinander an, von denen jeder drei Kugeln zur Verfügung hat. Eine Partie endet, wenn eine Seite zwölf Punkte erreicht.

Salto de Pastor

Der Salto de Pastor (Hirtensprung) hat auf den Kanarischen Inseln eine lange Tradition. Er entwickelte sich aus den geschickten Sprüngen der kanarischen Hirten über Gräben und Schluchten, die ihren kletterbegabten Ziegen durch das zerklüftete Gelände folgen mussten.

Der Holzstab, der beim heutigen Hirtensprung benutzt wird, ist normalerweise zwei bis vier Meter lang, besteht aus Kanarischer Kiefer (Pinus canariensis) und trägt am unteren, breiteren Ende eine Metallspitze, die in den Boden gerammt wird. Auf Gran Canaria nennt man den Stock Garrote, auf Fuerteventura und Lanzarote Lata und auf Teneriffa Lanza oder Astia.

Für den Sprung gibt es verschiedene Methoden, wobei die Position der Hände besonders wichtig ist. Bei der gebräuchlichsten Technik setzt der Springer die Stange an einem bestimmt Punkt auf, die Hände auf dem Stangenende, springt ab und gleitet an der Stange hinunter zum Boden. Er kann sich sowohl hinter der Stange aufstellen „pies juntos“ / „a plomo“ (Füße zusammen / lotrecht), oder „de banda“ (seitlich) und wenn er landet, müssen die Beine gut angewinkelt sein. Der Clou beim Sprung ist, dass dabei der untere Teil der Stange nicht gebogen werden darf, der obere Teil jedoch gebogen werden muss.

Pelotamano

Pelotamano [wörtlich übersetzt „Handball“, hat aber nichts mit dem aktuellen Handballsport gemein, Anmerkung der Redaktion] kam wahrscheinlich im 15. Jahrhundert mit den Normannen und Spaniern auf das Archipel, denn es hat Ähnlichkeit mit dem valenzianischen Pelota-Spiel. Das Spielfeld ist etwa 60-70 Schritte lang, 8-9 Schritte breit und durch eine senkrecht zu den Seiten verlaufende „raya de faltas“ (Foullinie) in zwei gleiche Teile geteilt.

Bei dem Spiel wird ein kleiner massiver Lederball mit einem Durchmesser von 45 bis 57 Millimetern und einem Gewicht von etwa 50 Gramm mit der Handfläche auf die Spielfeldseite der gegnerischen Mannschaft geschlagen, bevor er zweimal den Boden berührt hat.

Typisch für das Spiels ist der „bote“, eine Art abgeschrägter Holzsockel ähnlich einem niedrigen Rednerpult, auf den der Ball beim Abschlag zunächst geworfen wird – der Spieler schlägt ihn dann aus der Bewegung des Rückpralls mit der Hand zur gegnerischen Mannschaft.

Die Punkte werden ähnlich wie beim Tennis gezählt: 15, 30, 40 und 50. 50 Punkte sind ein „Chico“ der durch das Ziehen einer Linie neben einem Markierungsstein vermerkt wird.

Billarda

Billarda ist ein Mannschaftsspiel bei dem ein etwa 15cm langer Stock, der traditionell an beiden Seiten in einer Spitze endet (Billarda) mit einem 70-100cm langen Schläger (Palán, ursprünglich ein Palmblattstock) in ein Tor geschlagen wird. Wahrscheinlich kam das Spiel mit den Spaniern auf den Archipel, denn auf der iberischen Halbinsel und in Portugal gibt es heute zahlreiche Varianten.

Das Spielfeld besteht aus zwei hufeisenförmigen Toren mit einem Durchmesser von etwa 80 Zentimetern auf dem Boden in einem Abstand von etwa 10 Schritten. Zwei gegnerische Spieler stehen bei einem Tor, ein Verteidiger mit Schläger, ein Angreifer mit dem Billarda. Die jeweiligen Mannschaftskollegen stehen in umgekehrter Position bei dem anderen Tor. Der Mannschaftskollegen des Angreifers mit der Billarda hat nichts in den Händen, der Mannschaftskollege des Verteidigers hat ebenfalls einen Schläger.

Die Angreifer versuchen, die Billarda ins Tor zu werfen. Die Verteidiger versuchen, die Billarda aus der Luft zu schlagen und so das Tor zu verteidigen. Um als Verteidiger zu punkten, können die Verteidiger simultan die Plätze im jeweiligen Tor wechseln und gleichzeitig mit den Schlägern den Boden der Tore berühren. So oft sie dieses schaffen, während die Angreifer die Billarda zurückholen und in ein unverteidigtes Tor (kein Verteidiger hat den Schläger auf dem Boden des Tors) tragen oder werfen, erhält die verteidigende Mannschaft einen Punkt. Dann wechseln die Teams in Angriff und Verteidigung. Die Partie endet, wenn eine Mannschaft 12 oder eine andere, vorab vereinbarte Punktzahl erreicht hat.

La Pina

Die Pina hat Ähnlichkeit mit Rasenhockey, seine Ursprünge liegen im Kastilien des Mittelalters.

2 bis 15 Spieler zweier gegnerischer Mannschaften versuchen durch Pässe, Abfangjagden und Drives mit etwa 60cm langen Stöcken einen rund 10cm großen Ball, die Pina, über die Mittellinie ins gegnerische Tor am anderen Ende des Spielfelds zu befördern. Gewonnen hat die Mannschaft, die diese Linie während der Spielzeit am häufigsten überquert hat.

La Tángana

Die Tángana oder das Tanga-Spiel ist ein jahrhundertealtes kanarisches Geschicklichkeitsspiel für zwei oder mehr Personen.

Das Spielfeld muss mindestens 25 bis 30 Meter lang und drei bis fünf Meter breit sein. An einem Ende wird die Tanga oder Tángana, ein zylindrisches 10-15cm großes und ca. 2cm breites Holzstück aufgestellt, auf der die Spieler ihren Einsatz, in der Regel Münzen, stapeln.

Die Spieler stellen sich hinter einer auf dem Boden markierten Linie auf, die in der Regel etwa vier bis fünf Meter entfernt ist. Sie versuchen nacheinander mit 10cm großen und 0,5 Zentimetern dicken Eisenscheiben, den „tostones“ die „tángana“ umzuwerfen. Gelingt es, gehören diesem Spieler die Münzen, die näher an seinem tostón als an der tángana liegen.

Wer beginnt, entscheidet das Los und sobald der erste tostón geworfen wird, beginnen die Wetten (normalerweise um Geld oder Wein) auf den Sieger des Spiels.

Lucha Canaria

Die wohl am Weitesten auch im täglichen Leben auf Fuerteventura verbreitete traditionelle kanarische Sportart ist die Lucha Canaria. Dabei handelt es sich um eine Art Ringkampf in einer mit Sandboden ausgestatteten, runden Kampffläche mit dem Ziel, den Gegner so auf dem Gleichgewicht zu bringen, dass er mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen den Boden berührt, oder aus dem Ring tritt. Bei einer Partie treten mehrere Kämpfer einer Mannschaft jeweils einzeln gegen ihre Gegner an. Es gewinnt die Mannschaft mit den meisten Einzelsiegen. In dieser Sportart gibt es mindestens eine Mannschaft auf jedem (größeren) Ort, die dann in einer Inselliga gegeneinander antreten. Auch inselübergreifende Turniere werden ausgetragen. Ort der Austragung sind die sogenannten “terreros” die in der Mitte die runde Ringfläche und darum treppenförmig angeordnete Zuschauerplätze, ähnlich einer Arena haben. Lucha Canaria ist so beliebt, dass die größeren Ligaspiel im kanarischen Fernsehen oder den jeweiligen Inselsendern übertragen wird.

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