Fuerteventura will rund 30 Bauruinen zu Wohnraum entwickeln

Bauruine-Costa-Calma

Auf Fuerteventura stehen viele Menschen täglich vor der schwierigen Aufgabe, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Gleichzeitig gibt es laut einer Bestandsaufnahme der Inselregierung (Cabildo) auf Fuerteventura rund 30 Bauruinen, also leerstehende oder halbfertige Wohnbauten, die über die gesamte Insel verteilt sind. Nach den Vorstellungen des Cabildo sollen diese Gebäude künftig eine „zweite Chance“ erhalten und zu nutzbarem Wohnraum entwickelt werden.

Die Bestandsaufnahme basiert auf Informationen aller sechs Gemeinden der Insel. Ziel ist es, leerstehende oder nie fertiggestellte Gebäude zu identifizieren und deren Potenzial für die Schaffung von Wohnungen zu prüfen.

Wohnungsmarkt unter starkem Druck

Als Lola García Mitte des Jahres 2023 das Amt der Präsidentin des Cabildo de Fuerteventura übernahm, bezeichnete sie die Wasserversorgung und die Wohnungsfrage als die größten Herausforderungen der Insel. Während immer wieder Versorgungsunterbrechungen beim Wasser auftraten, stiegen gleichzeitig die Immobilienpreise stark an.

Nach Angaben des Immobilienportals Idealista kostete ein Quadratmeter Wohnfläche zum Verkauf in La Oliva nach den Kommunalwahlen des Jahres 2019 durchschnittlich 2.069 Euro. Inzwischen liegt der Preis bei 3.531 Euro pro Quadratmeter. Auch in Puerto del Rosario stieg der Quadratmeterpreis im gleichen Zeitraum von 1.254 Euro auf 2.112 Euro.

Drei Säulen der Wohnungsstrategie

Lola García erklärt, dass das Cabildo während der laufenden Legislaturperiode eine Wohnungsstrategie entwickelt habe, die auf drei Handlungsfeldern basiert. Unterstützung erhielt diese Strategie durch das Dekret 1/2024, mit dem das kanarische Wohnraumgesetz geändert wurde. Dieses Gesetz, das den Wohnungsnotstand lindern soll, räumt den Cabildos unter anderem die Befugnis ein, selbst den Bau und die Verwaltung von Sozialwohnungen auf den Kanarischen Inseln zu fördern.

Eine dieser drei Maßnahmen sieht vor, unvollendeten Gebäuden, die infolge früherer Wirtschaftskrisen aufgegeben wurden, neues Leben einzuhauchen. Deshalb forderte das Cabildo im Jahr 2025 von allen Gemeinden detaillierte Berichte über die rechtliche Situation dieser Immobilien an.

Rund 30 Gebäude auf der gesamten Insel erfasst

Die Berichte liegen inzwischen vor. Dadurch konnte ein Inventar mit etwa 30 Gebäuden erstellt werden. Wie viele Wohnungen daraus entstehen könnten, ist derzeit noch unklar, da zahlreiche Gebäude bislang nicht in einzelne Wohneinheiten aufgeteilt wurden. Nach Einschätzung des Cabildo könnte es sich jedoch mehrere hundert Wohnungen umfassen.

Erfasst wurden unter anderem drei Wohnhäuser der Sareb, der spanischen Gesellschaft zur Verwaltung von Vermögenswerten aus der Bankenrestrukturierung, in Valles de Santa Inés in der Gemeinde Betancuria. Hinzu kommen vier unvollendete Gebäude in der Gemeinde Antigua, acht Bauwerke in der Gemeinde La Oliva, darunter die Ruinenanlage Las Agujas, die als La Miranda bekannte Struktur, Santa Clara, das Gebäude nahe dem Kreisverkehr von Parque Holandés sowie mehrere Häuser im Ort La Oliva. In Puerto del Rosario wurden sieben Gebäude registriert, darunter mehrere Wohnanlagen in Rosa Vila und Alcaldes Mayores. Außerdem gibt es vier Objekte in der Gemeinde Tuineje sowie ein Gebäude in Costa Calma in der Gemeinde Pájara.
Die Bauruinen in La Lajita wurden in der Pressemitteilung des Cabildo nicht erwähnt.

Weniger Flächenverbrauch durch Sanierung statt Neubau

Nach Angaben von Lola García soll zunächst die rechtliche Situation jedes einzelnen Gebäudes geprüft werden. Anschließend soll untersucht werden, ob diese Immobilien erworben und zu Wohnzwecken genutzt werden können. Dadurch könnten bestehende Gebäude wieder genutzt und gleichzeitig zusätzlicher Bodenverbrauch durch Neubauten vermieden werden.

Zugleich soll das Erscheinungsbild vieler Orte verbessert werden. Noch immer prägen zahlreiche halbfertige Gebäude das Bild der Insel. Viele dieser Immobilien befinden sich inzwischen im Eigentum von Banken, privaten Unternehmen oder der spanischen „Badbank“ Sareb.

Mit den vorliegenden Informationen möchte das Cabildo Gespräche mit der kanarischen Regierung aufnehmen. Nach Abschluss der rechtlichen Prüfung soll geprüft werden, ob die Regionalregierung die Gebäude erwerben kann. Lola García verweist darauf, dass ein solches Vorgehen bereits auf anderen Kanarischen Inseln umgesetzt worden sei. Falls die Nutzung von Haushaltsüberschüssen erlaubt werde, sei das Cabildo zudem bereit, Mittel für die Sanierung bereitzustellen.

Nach Angaben der Präsidentin verfügt das Cabildo derzeit über Haushaltsüberschüsse von rund 150 Millionen Euro. Davon könnten zwischen 40 und 50 Millionen Euro in die Sanierung der Gebäude investiert werden. Dies ermögliche zusätzlichen Wohnraum, ohne weitere Flächen bebauen zu müssen.

Neubau und Sanierung ergänzen die Strategie

Neben der Reaktivierung unvollendeter Gebäude umfasst die Wohnungsstrategie des Cabildo de Fuerteventura zwei weitere Schwerpunkte, den Neubau von Wohnungen sowie die Sanierung bestehender Wohnanlagen.

Im Bereich Neubau sollen insgesamt 224 Wohnungen mit einer Gesamtfinanzierung von 26.695.759 Euro entstehen. Die Mittel kommen vom spanischen Wohnungsbauministerium, der kanarischen Regierung und dem Cabildo de Fuerteventura. Vorgesehen sind 77 Wohnungen in La Oliva, 99 Wohnungen in Puerto del Rosario, verteilt auf die Straßen Bernegal, Don Quijote und Rosa Vila, sowie 48 Wohnungen im Ort Pájara. In mehreren Gemeinden haben die Bauarbeiten bereits begonnen.

Zusätzlich werden derzeit insgesamt 768 Wohnungen saniert oder für eine Sanierung vorbereitet. Dafür stehen 19.024.177,22 Euro aus Mitteln des spanischen Staates, der kanarischen Regierung, des Cabildo und der Gemeinden zur Verfügung. Geplant sind 507 Wohnungen in La Oliva, darunter die Bauabschnitte I bis III im Casco Viejo Corralejo sowie Wohnungen in El Cotillo, weitere 181 Wohnungen in Puerto del Rosario sowie 80 Wohnungen in der Gemeinde Tuineje.

Nach derzeitigem Stand sollen in den kommenden Jahren insgesamt 992 neue oder sanierte Wohnungen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 45.719.877 Euro entstehen.

Kritik am früheren Wohnungsbauprogramm

Lola García äußerte sich außerdem kritisch über den Wohnungsbauplan 2020 bis 2025. Nach ihrer Darstellung sei während der vergangenen Legislaturperiode auf Fuerteventura kein einziges Wohngebäude aus diesem Programm errichtet worden. Der damalige Plan sah 298 Wohnungen für Fuerteventura vor, die jedoch nie gebaut wurden.

Nach Aussage der Präsidentin wurden die letzten öffentlichen Wohnungen auf Fuerteventura im Zeitraum von 2011 bis 2015 mit dem Bau von 40 Wohnungen in Gran Tarajal errichtet.

Für den Wohnungsbauplan 2026 bis 2030 setzt García darauf, dass dieser den tatsächlichen Bedarf der Insel berücksichtigt. Ende des Jahres 2025 waren 1.126 Personen als Bewerber für eine Sozialwohnung registriert.

Sie fordert, dass alle von den Gemeinden vorgesehenen Bauflächen in den neuen Wohnungsbauplan aufgenommen werden und die Finanzierung gesichert ist. Gleichzeitig sollen auch die unvollendeten Gebäude als zusätzliche Möglichkeit zur Schaffung von Wohnraum berücksichtigt werden.

Darüber hinaus spricht sich die Präsidentin für eine Reform der staatlichen Mietgesetzgebung aus. Vermieter müssten die rechtliche Sicherheit haben, ihre Wohnungen langfristig zu vermieten, ohne befürchten zu müssen, ihre Immobilie zu verlieren. Gleichzeitig fordert García steuerliche Anreize für Eigentümer, damit mehr Wohnungen dauerhaft auf den Mietmarkt kommen und sich die Wohnsituation auf Fuerteventura langfristig entspannt.

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