Fuerteventura als Testgelände für Mondfahrzeuge der Europäischen Weltraumorganisation ESA

Mond-Rover-Lajares

Viele Besucher von Fuerteventura vergleichen die schroffen, kargen Landschaften der Insel mit der Oberfläche des Mondes oder des Mars. Diese Ähnlichkeit hat offenbar auch ein Unternehmen aus der Raumfahrtbranche erkannt. Das spanische Technologieunternehmen GMV hat auf Fuerteventura eine neue Software der Europäischen Weltraumorganisation ESA getestet, die Mondfahrzeuge schneller, sicherer und selbstständiger machen soll.

Während einer elftägigen Testkampagne wurden verschiedene Fähigkeiten der sogenannten Rover unter Bedingungen erprobt, die sich an den Anforderungen künftiger Mondmissionen orientieren. Im Mittelpunkt standen die Navigation, die Wahrnehmung der Umgebung und das selbstständige Erkennen und Umfahren von Hindernissen.

Fuerteventura als Testgelände für Weltraumtechnik

Die Tests auf Fuerteventura sollten zeigen, wie sich die neue Software außerhalb einer kontrollierten Laborumgebung verhält. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie zuverlässig sich ein Rover in einer unübersichtlichen Landschaft bewegen kann.

Auf dem Mond müssen solche Fahrzeuge mit besonderen Herausforderungen zurechtkommen. Unebenes Gelände, Steine, Krater und andere Hindernisse erschweren die Fortbewegung. Gleichzeitig ist die direkte Steuerung von der Erde wegen der Entfernung und der damit verbundenen Verzögerung bei der Signalübertragung nur eingeschränkt möglich.

Deshalb ist es wichtig, dass Rover ihre Umgebung selbstständig erfassen, mögliche Gefahren erkennen und geeignete Fahrwege bestimmen können.

Künstliche Intelligenz soll Mondfahrzeuge schneller machen

Wie GMV am 08.10.2026 mitteilte, fand die Testkampagne in Lajares in der Gemeinde La Oliva statt. Dabei wurde das autonome Navigationssystem NOMAD erprobt. Es kombiniert verschiedene Technologien, darunter das bereits weiterentwickelte Navigationssystem FASTNAV und das neue, mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Wahrnehmungssystem HAWKEYE.

HAWKEYE soll gefährliche Hindernisse und schwieriges Gelände erkennen. Gemeinsam mit dem Softwaremodul ANIME bilden diese Komponenten ein System, das Informationen verschiedener Sensoren verarbeitet und die Fortbewegung des Fahrzeugs selbstständig steuert.

Ein wesentliches Ziel besteht darin, dass Mondfahrzeuge nicht mehr anhalten müssen, um Hindernisse zu analysieren und eine neue Route zu berechnen. Stattdessen sollen sie während der Fahrt auf Veränderungen reagieren und ihren Weg in Echtzeit anpassen können.

Tests unter schwierigen Bedingungen

Während der elftägigen Kampagne simulierten die Entwickler verschiedene Szenarien künftiger Mondmissionen. Dazu gehörten die Erkundung von Kratern und Fahrten bei stark eingeschränkter Sicht, wie sie in dauerhaft verschatteten Regionen des Mondes vorkommen.

Besonders interessant für die Forschung sind sind die Polarregionen des Mondes. Dort vermuten Wissenschaftler unter anderem Wasservorkommen. In dauerhaft verschatteten Gebieten können Temperaturen von etwa minus 243 Grad Celsius auftreten. Gleichzeitig erschwert die fehlende Sonneneinstrahlung die Orientierung.

Europäische Weltraumorganisation unterstützt Entwicklung

Das Projekt wird über das Allgemeine Technologieunterstützungsprogramm der ESA (General Support Technology Programme, GSTP) mitfinanziert und von der britischen Weltraumagentur (UK Space Agency, UKSA) unterstützt.

Nach Angaben von GMV sollen die entwickelten Technologien dazu beitragen, künftige Mondmissionen effizienter zu gestalten. Autonome Fahrzeuge könnten größere Gebiete erkunden und wissenschaftliche Daten sammeln, ohne ständig auf Steuerbefehle von der Erde angewiesen zu sein.

Steven Kay, technischer Leiter für fortgeschrittene Robotikkonzepte bei GMV, bezeichnete die Testkampagne als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer neuen Generation schneller und leistungsfähiger autonomer Systeme für die dauerhafte Erforschung des Mondes und darüber hinaus.

Mit dem Abschluss der Tests am 08.10.2026 hat Fuerteventura einen Beitrag zur Weiterentwicklung europäischer Raumfahrttechnik geleistet.

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