Ein ungewöhnlicher Fall von Ladendiebstahl hat sich am 28. und 29. Oktober 2026 in Morro Jable auf Fuerteventura abgespielt. Nachdem Mitarbeiter einer Boutique im Cosmo Shopping Center ein mutmaßliches Diebespaar vom Vortag wiedererkannt hatten, nahmen sie die Verfolgung auf. Der Ladeninhaber empfing den Standort der Verfolger in Echtzeit per WhatsApp und telefonierte gleichzeitig mit der Polizei. Obwohl zunächst keine Streifenwagen verfügbar sein sollten, tauchten schließlich gleich vier Polizeifahrzeuge auf, deren Besatzungen die Verdächtigen stellen konnten.
Am Mittwochnachmittag, 28. Oktober 2026, gegen 17:30 Uhr, hatten ein Mann und eine Frau das Modegeschäft im Einkaufszentrum Cosmo in Jandía betreten. Nach Angaben des Ladeninhabers entwendeten sie fünf Kleidungsstücke, ohne diese zu bezahlen. Der Diebstahl wurde von der Videoüberwachung aufgezeichnet.
Auf den Aufnahmen waren die beiden Personen gut zu erkennen. Besonders auffällig waren ihre zahlreichen Tätowierungen, insbesondere an Armen und Nacken des Mannes. Der Ladeninhaber erstattete Anzeige bei der Guardia Civil.
Am nächsten Morgen tauchten die Verdächtigen erneut im Shopping Center auf
Am Donnerstagvormittag, 29. Oktober, wurden die beiden Personen erneut im Einkaufszentrum gesehen. Eine Mitarbeiterin des Geschäfts erkannte sie anhand ihrer auffälligen körperlichen Merkmale sofort wieder.
Eine Mitarbeiterin sprach den Mann persönlich auf den mutmaßlichen Diebstahl an und konfrontierte ihn mit den Videoaufnahmen. Nach Darstellung des Ladeninhabers bestritt der Mann die Vorwürfe und machte sich aus zügig dem Staub in Richtung des donnerstags stark frequentierten Afrikamarktes.
Doch diesmal sollten die beiden Verdächtigen nicht einfach davonkommen.
Eine Mitarbeiterin nahm die Verfolgung auf. Ihr Ehemann beteiligte sich ebenfalls daran. Während die Frau zeitweise mit dem Auto unterwegs war, folgte der Mann den Verdächtigen zu Fuß.
Die Verfolgung führte entlang der Avenida del Saladar, vorbei am Hotel Altamarena in Richtung des Verkehrskreisels beim Hotel Buganvilla.
Ladeninhaber wird zur Koordinationszentrale
Während die Mitarbeiter das Paar aus sicherer Entfernung verfolgten, übernahm der Ladeninhaber eine ungewöhnliche Rolle: Er wurde zur improvisierten Koordinationszentrale zwischen den Verfolgern und der Polizei.
Über WhatsApp erhielt er laufend Standortmeldungen und Informationen über die Bewegungen der Verdächtigen. Gleichzeitig versuchte er, die Guardia Civil und die Policía Local zum Eingreifen zu bewegen.
Doch zunächst schien die Unterstützung durch die Polizei auf sich warten zu lassen.
Nach Darstellung des Ladeninhabers teilte ihm die Guardia Civil am Telefon mit, dass momentan keine Einsatzkräfte verfügbar seien. Er erkundigte sich daraufhin nach einer Kontaktmöglichkeit zur Gemeindepolizei.
Auch dort erhielt er zunächst keine besonders ermutigende Auskunft: Die Streifenwagen seien gerade in Costa Calma unterwegs und könnten nicht sofort nach Morro Jable kommen.
Währenddessen ging die Verfolgung weiter. Die Mitarbeiter hielten den Ladeninhaber über WhatsApp auf dem Laufenden, der seinerseits versuchte, die Polizei über den aktuellen Aufenthaltsort der Verdächtigen zu informieren.
Überraschende Wendung: Gleich drei Polizeiautos erscheinen
Dann kam es zu einer überraschenden Wendung.
Während die Verfolger noch hinter dem Paar her waren, meldete einer von ihnen plötzlich, dass die Polizei eingetroffen sei. Und nicht nur ein einzelner Streifenwagen: Nach Schilderung des Ladeninhabers waren auf einmal drei Polizeifahrzeuge vor Ort, darunter 2 Fahrzeuge der Guardia Civil und eines der Policía Local.
Am Verkehrskreisel beim Buganvilla wurden die beiden Verdächtigen von den Beamten angehalten und identifiziert.
Dabei gab es eine besonders bemerkenswerte Entdeckung: Sowohl der Mann als auch die Frau trugen nach Angaben des Ladeninhabers Kleidungsstücke, die sie am Vortag in seinem Geschäft gestohlen haben sollen.
Die Beamten nahmen die Personalien der beiden auf.
Mutmaßlicher Ladendieb bringt gestohlene Kleidung zurück
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende.
Später erschien der Mann erneut in dem Modegeschäft. Er entschuldigte sich mehrfach und gab die fünf zuvor entwendeten Kleidungsstücke zurück.
Nach Angaben des Ladeninhabers waren drei Artikel noch mit ihren Etiketten versehen. Eine Hose war allerdings bereits verschmutzt. Ob sie noch verkauft werden kann, ist unklar.
Der unmittelbare Schaden dürfte damit vergleichsweise gering ausfallen. Der Ladeninhaber betont jedoch, dass der Vorfall für ihn und seine Mitarbeiter mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen sei.
Flehentliche Bitte, die Anzeige zurückzuziehen
Bei der Rückgabe der Kleidungsstücke soll der Mann den Ladeninhaber angefleht haben, auf eine Strafanzeige zu verzichten.
Er habe erklärt, dass er erst vor Kurzem auf Gran Canaria im Gefängnis gewesen sei und deshalb weitere strafrechtliche Konsequenzen fürchte.
Ob diese Angaben zutreffen, lässt sich derzeit nicht überprüfen.
Nach Informationen des Ladeninhabers handelt es sich um ein spanisches Paar, das sich offenbar vorübergehend in einem Hotel in Morro Jable aufhielt. Die beiden sollen mit einem Kind von Gran Canaria nach Fuerteventura gereist sein. Das Kind war nach den vorliegenden Angaben weder an dem mutmaßlichen Diebstahl noch an der späteren Verfolgung beteiligt.
Der Ladeninhaber will die bereits erstattete Anzeige voraussichtlich aufrechterhalten. Er hat sich nach eigenen Angaben nochmals schriftlich an die Guardia Civil gewandt und um eine Einschätzung zum weiteren Vorgehen gebeten.
„Für alle ein aufregender Morgen“
Für den Ladeninhaber war der Einsatz seiner Mitarbeiter entscheidend dafür, dass die mutmaßlichen Täter von der Polizei identifiziert werden konnten.
Die Beteiligten hätten die Verdächtigen nicht selbst festhalten wollen, sondern deren Aufenthaltsort beobachtet und die Informationen an die Polizei weitergegeben.
Der Fall zeigt, wie Aufmerksamkeit, Zusammenarbeit und moderne Kommunikationsmittel dazu beitragen können, mutmaßliche Ladendiebe zu identifizieren.
Allerdings sollten Zeugen niemals versuchen, mutmaßliche Straftäter auf eigene Faust zu stellen oder sich durch eine Verfolgung in Gefahr bringen. Wer eine Straftat beobachtet, sollte die Polizei verständigen und ihr die weiteren Maßnahmen überlassen.
Die Ereignisse zeigen auch, wie wichtig eine gute Videoüberwachung für Ladenbesitzer ist, um dich gegen Ladendiebstahl zu schützen bzw. um Diebstähle aufzuklären.
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