Polizei entdeckt bei Ermittlungen gegen Fischdiebe auf Gran Canari Ciguatoxine in Restaurant

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Erst vor wenigen Tagen hat die Fuerteventura-Zeitung in einem ausführlichen Hintergrundartikel erklärt, warum bestimmte auf den Kanaren gefangene Fische vor dem Verkauf auf das gefährliche Nervengift Ciguatoxin untersucht werden müssen.

Nun zeigt ein konkreter Fall auf Gran Canaria, wie wichtig diese Kontrollen sind: Bei Ermittlungen gegen eine Bande mutmaßlicher Fischdiebe entdeckte die Guardia Civil in einem Restaurant auch Fische ungeklärter Herkunft, bei denen anschließend tatsächlich Ciguatoxine nachgewiesen wurden. Insgesamt wird gegen fünf Personen ermittelt.

In unserem Artikel „Warum Fisch auf Fuerteventura nicht immer frisch auf den Tisch kommt“ vom 25. Oktober 2026 haben wir unter anderem erläutert, dass der Pejerrey (Pomatomus saltatrix, deutsch: Blaubarsch) auf den Kanarischen Inseln ab einem Gewicht von fünf Kilogramm vor dem Inverkehrbringen zwingend auf Ciguatoxine untersucht werden muss.

Ausgerechnet bei dieser Fischart wurde nun im Rahmen einer Polizeiaktion auf Gran Canaria das gefährliche Nervengift nachgewiesen. Die betroffenen Fische waren in einem Restaurant in der Gemeinde Mogán entdeckt worden. Ihre Herkunft konnte nicht nachgewiesen werden.

Die Entdeckung war allerdings ein Nebenprodukt der Ermittlungen. Eigentlich ging es der Guardia Civil um die Aufklärung systematischer Diebstähle aus einer Fischzuchtanlage vor Castillo del Romeral im Süden Gran Canarias. Der betroffenen Firma war dadurch ein Schaden von mehr als 172.000 Euro entstanden.

Taucher stahlen große Wolfsbarsche aus Fischzuchtanlage

Die Guardia Civil hat im Rahmen der sogenannten „Operación Seabass“ eine mutmaßlich organisierte Diebesgruppe aufgedeckt, die seit Mai 2026 regelmäßig Wolfsbarsche (spanisch: Lubinas) aus einer Fischzuchtanlage vor Castillo del Romeral in der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana gestohlen haben soll.

Die Ermittlungen begannen im August, nachdem das betroffene Unternehmen wegen wiederholter Diebstähle und Beschädigungen der Netze seiner Fischkäfige Anzeige erstattet hatte. Für die Aufklärung war auch eine umfangreiche Dokumentation hilfreich, die das Unternehmen zuvor selbst hatte erstellen lassen.

Nach den Erkenntnissen des auf Diebstähle im ländlichen Raum spezialisierten Equipo ROCA der Guardia Civil bestand die mutmaßliche Diebesgruppe aus drei Personen.

Die Verdächtigen sollen zwei Schlauchboote eingesetzt haben, um sich den schwimmenden Fischkäfigen zu nähern. Während eine Person an der Wasseroberfläche Wache hielt, tauchten die beiden anderen mit Harpunen zu den Netzkäfigen hinab.

In einer Tiefe von knapp zwei Metern sollen sie die Netze beschädigt und gezielt besonders große Wolfsbarsche erbeutet haben.

Anschließend wurden die gestohlenen Fische nach Erkenntnissen der Guardia Civil auf dem Landweg transportiert und illegal an Restaurants in den Küstenorten im Süden Gran Canarias verkauft.

Der durch die gestohlenen Fische und die Beschädigungen der Zuchtanlagen entstandene wirtschaftliche Schaden beläuft sich nach Angaben der Guardia Civil auf insgesamt 172.188,69 Euro.

Mehr als 40 Kilogramm gestohlener Fisch beschlagnahmt

Am 22. September 2026 begann die Guardia Civil gemeinsam mit der Fischereiinspektion und den Gesundheitsbehörden der Kanarischen Regierung mit gezielten Kontrollen der verdächtigen Restaurants.

Dabei wurden insgesamt 40,2 Kilogramm gestohlener Wolfsbarsche aus dem Verkehr gezogen. Für die Fische lagen weder Herkunftsnachweise noch Rechnungen oder die vorgeschriebenen Angaben zur Rückverfolgbarkeit vor.

Bei einer dieser Kontrollen machten die Ermittler allerdings eine weitere Entdeckung, die über den ursprünglichen Fischdiebstahl hinausging.

Gefährliche Ciguatoxine in Pejerrey nachgewiesen

In einem Restaurant in der Gemeinde Mogán fanden die Beamten neben den gestohlenen Wolfsbarschen auch mehrere Exemplare der Fischart Pejerrey (Blaubarsch), deren Herkunft ebenfalls nicht nachgewiesen werden konnte.

Der Pejerrey gehört zu den Fischarten, die auf den Kanarischen Inseln aufgrund des Risikos einer Belastung mit Ciguatoxinen einer besonderen amtlichen Kontrolle unterliegen.

Die Behörden ließen deshalb sofort Proben beim Institut für Tiergesundheit der Universität Las Palmas de Gran Canaria (IUSA) untersuchen.

Das Labor bestätigte das Vorhandensein von Ciguatoxinen in den entnommenen Proben.

Gemäßt Wortlaut der Polizeimitteilung bezieht sich der positive Befund auf die zusätzlich gefundenen Pejerreys und nicht auf die gestohlenen Wolfsbarsche aus der Fischzucht. Die Guardia Civil berichtet nicht von einer Ciguatoxinbelastung der Zuchtfische.

Wegen der möglichen Gesundheitsgefährdung leiteten die Ermittler gegen die verantwortliche Person des betroffenen Restaurants ein gesondertes Verfahren wegen des Verdachts einer Straftat gegen die öffentliche Gesundheit ein.

Warum Ciguatoxine so gefährlich sind

Ciguatoxine sind natürliche Nervengifte, die von bestimmten einzelligen Meeresorganismen produziert werden und sich über die Nahrungskette in Fischen anreichern können.

Der Verzehr belasteter Fische kann die sogenannte Ciguatera-Fischvergiftung auslösen. Zu den möglichen Symptomen gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie neurologische Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühle und eine gestörte Wahrnehmung von Wärme und Kälte.

In schweren Fällen können auch Herz-Kreislauf-Störungen auftreten. Einzelne neurologische Beschwerden können über Wochen oder sogar Monate anhalten.

Besonders problematisch ist, dass Ciguatoxine weder durch Kochen oder Braten noch durch Einfrieren zerstört werden. Auch Aussehen, Geruch und Geschmack eines belasteten Fisches lassen normalerweise keine Rückschlüsse auf die Giftbelastung zu.

Auf den Kanarischen Inseln sind Ciguatera-Fälle seit Jahren bekannt. Deshalb gelten für bestimmte Fischarten ab festgelegten Mindestgewichten besondere Untersuchungs- und Kontrollvorschriften.

Wie wir in unserem Hintergrundartikel erläutert haben, muss beispielsweise ein Pejerrey ab fünf Kilogramm vor der Vermarktung auf Ciguatoxine untersucht werden. Erst wenn das Labor einen negativen Befund bestätigt hat, darf der Fisch in den Verkauf gelangen. Bei einem positiven Befund muss er fachgerecht vernichtet werden.

Der Europäische Wolfsbarsch (Dicentrarchus labrax), wie er in der betroffenen Fischzucht gehalten wird, gehört dagegen nicht zu den typischen Ciguatera-Risikofischen. Bei Fischen aus kontrollierter Aquakultur ist das Risiko grundsätzlich geringer, da sie normalerweise mit speziell hergestelltem Futter versorgt werden und nicht wie wild lebende Raubfische ihre Nahrung über die natürliche marine Nahrungskette aufnehmen.

Ermittlungen gegen fünf Personen

Die Polizeiaktion wurde Mitte Oktober 2026 abgeschlossen. Insgesamt wird gegen fünf Personen ermittelt, die jedoch nicht festgenommen wurden.

Drei von ihnen stehen im Verdacht, die Diebstähle aus den Fischkäfigen unmittelbar begangen zu haben.

Gegen zwei weitere Personen, die für Restaurants in Puerto Rico und Playa de Mogán verantwortlich sind, wird wegen des Verdachts der Hehlerei ermittelt. Sie sollen die gestohlenen Fische erworben haben, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Der verantwortlichen Person des Restaurants in Mogán wird zusätzlich eine mutmaßliche Straftat gegen die öffentliche Gesundheit im Zusammenhang mit dem Ciguatoxin-Nachweis vorgeworfen.

Darüber hinaus wurden Erkenntnisse über ein drittes Restaurant in San Agustín an die Justiz übermittelt. Dort besteht der Verdacht, dass ebenfalls Fisch ohne die erforderlichen Herkunftsnachweise gekauft wurde.

Behörden warnen vor Fisch unbekannter Herkunft

Die Guardia Civil und die Kanarische Regierung nehmen den Fall zum Anlass, vor dem Kauf und Verzehr von Fisch außerhalb der legalen Vertriebswege zu warnen.

Fisch, dessen Herkunft nicht dokumentiert ist, wir wohl in der Regel auch nicht den vorgeschriebenen Kontrollen unterzogen. Dadurch steigt das Risiko, dass gesundheitsschädliche Produkte in Restaurants oder beim Verbraucher landen.

Die Behörden erinnern daran, dass Fischereiprodukte für den menschlichen Verzehr über eine ordnungsgemäße Kennzeichnung und lückenlose Rückverfolgbarkeit verfügen müssen.

Der aktuelle Fall auf Gran Canaria verdeutlicht damit genau das Risiko, auf das wir bereits in unserem Hintergrundartikel hingewiesen haben: Die amtlichen Untersuchungen auf Ciguatoxine sind keine überflüssige bürokratische Vorschrift, sondern dienen dem Schutz der Verbraucher vor einer ernst zu nehmenden Gesundheitsgefahr.

Wer Fisch aus nicht kontrollierten Quellen kauft oder in den Verkehr bringt, umgeht möglicherweise genau die Sicherheitsmaßnahmen, die verhindern sollen, dass mit Ciguatoxinen belastete Fische auf dem Teller landen.

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