Schlappe für Spaniens Gewerkschaften: Generalstreik war ein Flop

Es ist Streik und keiner geht hin! Diesen Eindruck konnte man zumindest in den Touristenorten auf Fuerteventura bekommen, in denen am 29.09.2010, dem Tag des „großen“ Generalstreiks, alles seinen gewohnten Gang ging.

Die Müllabfuhr war im Einsatz, Taxis und Busse waren unterwegs, die Hotelgäste bekamen ihr Frühstück serviert. Viele Urlauber, die nicht gerade am 29.09.2010 an- oder abreisten, haben von dem Streik schlicht nichts mitbekommen.

Ganz Spanien wollten die Gewerkschaften mit ihrem Aufruf zum Streik lahmlegen, um gegen die von der Regierung längst verabschiedeten Reform des Arbeitsmarktes zu protestieren. Offenbar hat in Spanien jedoch eine breite Mehrheit verstanden, dass die spanische Wirtschaft diese Reformen dringend nötig hat. Außerdem empfanden viele das Aufbäumen der Gewerkschaften als zu spät, denn zum Zeitpunkt des Streiks hatte die umstrittene Gesetzesreform bereits alle gesetzgebenden Instanzen durchlaufen.

Die Statistiken bezüglich der Streikbeteiligung gehen je nach Quelle weit auseinander. In der zentralen Verwaltung sollen laut Gewerkschaften rund 44% der Beschäftigten dem Aufruf zum Streik gefolgt sein. Die Regierung gibt für diesen Bereich eine Beteiligung von 7,4% an. Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo dazwischen liegen.

An vielen Schulen fiel der Unterricht aus, aber nicht zwangsläufig wegen streikender Lehrer, sondern wegen fehlender Schüler. Viele Eltern hatten aus Sorge um fehlende Aufsichtspersonen ihre Kinder nicht in die Schulen geschickt.

In jedem Fall war die Streikbeteiligung 2010 weitaus geringer, als beim letzten Generalstreik im Jahr 2002.

Nach Daten des Stromnetzbetreibers „Red Eléctrica“ war am 29.09. der Stromverbrauch um 13.00h ca. 15,5% niedriger, als an einen „normalen“ Tag. Während des Streiks in 2002 sank der Stromverbrauch zur selben Zeit um 23,2%.

Im Bildungs- und Gesundheitswesen folgte in 2010 rund die Hälfte der Beschäftigten dem Streikaufruf. In 2002 legten 82% des Gesundheitspersonals und 62% der Lehrkräfte die Arbeit nieder. In der spanischen Post streikten 2002 noch 95% der Mitarbeiter, in 2010 waren es nur 77%. (laut Gewerkschaften).

Keiner der 60 Abgeordneten des Kanarischen Parlaments nahm an dem Streik teil, sondern an einer Plenarsitzung, die bereits lange vor dem Streikaufruf angesetzt worden war. Zwar musste die Kanarische Polizei verhindern, dass Streikende sich Zugang zum Parlamentsgebäude verschafften, doch die Sitzung konnte ganz normal stattfinden.

Zehn Tage nach dem Streik redet auf Fuerteventura niemand mehr davon. Alles scheint so, als hätte der Streik nie stattgefunden.

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