Kommentar: Größerer Kreuzfahrtkai. Größenwahn oder notwendige Investition?

Das Fremdenverkehrsamt rechnet für die Kreuzfahrtsaison 2011/2012 mit rund 75.000 Kreuzfahrttouristen. Rund 40 Mal werden in der Zeit von November bis April Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Puerto del Rosario einlaufen und jeweils von morgens bis abends dort liegen.

Kaum trifft der seltene Fall ein, dass drei Schiffe am selben Tag kommen, fordern die Politiker eine Erweiterung des Kreuzfahrtkais. Begründet wird dies vor allem damit, dass es bei den Kreuzfahrttouristen einen „schlechten Eindruck macht, wenn sie zwischen LKWs und Containern an der Anlegestelle der Transportschiffe an Land gehen müssen.“ Der Kai für die Kreuzfahrtschiffe bietet nur Platz für ein Schiff.

Betrachtet man die Zahlen nüchtern, so ergibt sich, dass in den 6 Monaten, die die Kreuzfahrtsaison dauert, im Schnitt ca. 1,6 Schiffe pro Woche den Hafen von Puerto del Rosario anlaufen.

Rechtfertigt dies eine kostspielige Erweiterung des Hafens?

Könnte man nicht stattdessen versuchen, mit den Veranstaltern der Kreuzfahrten eine bessere Koordinierung der Anlegetage abzustimmen, um zu vermeiden, dass mehrer Schiffe am selben Tag kommen?

Aus dem Zusammentreffen mehrerer Schiffe ergeben sich nämlich noch ganz andere Probleme, wobei das Anlandgehen am Industriekai sicher das kleinste ist.

Ein wesentlicher Bestandteil einer Kreuzfahrt sind sicher die Landausflüge. Genau diese sind es auch, die das Anlegen eines Kreuzfahrtschiffes für das Zielgebiet interessant machen, da die Urlauber nur beim Landgang „Geld im Land“ lassen können.

Treffen nun mehrere Schiffe gleichzeitig im Hafen ein, bedeutet dies auch Probleme für die Anbieter von Ausflügen, die die große punktuelle Nachfrage möglicherweise gar nicht befriedigen können. Die Teilnehmer von Landausflügen müssen mit Reisebussen über die Insel gekarrt werden, die nur in begrenzter Zahl zur Verfügung stehen, und die Ausflugsveranstalter auf Fuerteventura haben nur eine begrenzte Kapazität auf Ausflugsbooten, bei Jeep- oder Buggytouren etc. Wenn die Kreuzfahrttouristen nun nicht den gewünschten Landausflug machen können, weil die Kapazitäten nicht ausreichen, ist dies sicherlich schädlicher, als der Anblick von LKWs und Containern beim Aus- und Einsteigen.

75.000 Kreuzfahrttouristen klingen nach einer großen Zahl. Bei insgesamt 1,9 Mio. Urlaubern pro Jahr sind dies aber gerade einmal 4% der gesamten Urlauber auf Fuerteventura. Ein durchschnittlicher Urlauber übernachtet rund 9 Mal auf Fuerteventura, ein Kreuzfahrturlauber gar nicht. Der größte Teil des Geldes, das ein Kreuzfahrturlauber für seinen Urlaub ausgibt, verbleibt also auf dem Schiff, nicht im jeweiligen Zielgebiet.

Da Kreuzfahrturlauber in der Regel auf den Schiffen mehr als ausreichend gefüttert werden, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie auf Fuerteventura viel Geld in Cafés und Restaurants lassen. Die Shopping-Möglichkeiten auf Fuerteventura dürften die meisten Kreuzfahrturlauber wohl auch als eher dürftig empfinden, sodass auch der Einzelhandel nicht wirklich einen nennenswerten Umsatzanstieg an den Kreuzfahrttagen spüren dürfte.

Vielleicht sollten die Politiker noch einmal gründlicher über die Angelegenheit nachdenken und vor allem nachrechnen, bevor sie Steuergelder für große Errungenschaften ausgeben, die kaum jemand wirklich braucht.

Natürlich ist jeder zusätzliche Besucher auf Fuerteventura herzlich willkommen und verdient den bestmöglichen Empfang. Doch eine Verlängerung des Kreuzfahrtkais dürfte kaum das dringlichste Problem für Fuerteventuras Tourismus sein.

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