Parkplatzkrieg in Morro Jable: Gemeinde und Cabildo bewegen sich auf Druck der betroffenen Ladenbesitzer

Den Ladenbesitzern im alten Kern von Morro Jable werden seit vielen Monaten untragbare Zustände zugemutet. Die Arbeiten zur Umwandlung der beiden Hauptstraßen des kleinen Dorfes im Süden Fuerteventuras in eine Fußgängerzone verzögern sich bereits um mehr als ein halbes Jahr und so müssen sich die Einzelhändler in der Zone seit über einem Jahr mit Staub, Lärm, aufgerissenen Straßen und dem Mangel an Parkplätzen arrangieren.

Diese Situation wurde für die Ladenbesitzer von Woche zu Woche unerträglicher, denn dass die Bauarbeiten nicht gerade dazu beitragen, die ohnehin gedämpfte Kauflust zu fördern, liegt auf der Hand. Vielen Unternehmern steht mittlerweile infolge der Situation das Wasser bis zum Hals, weil seit Monaten die Kunden ausbleiben.

Obwohl die Arbeiten nun langsam dem Ende zugehen, schien es den betroffenen Ladenbesitzern, als würden Gemeinde und Inselverwaltung eines der dringendsten Probleme weiterhin verdrängen: Durch die Umwandlung in eine Fußgängerzone sind im alten Ortskern von Morro Jable viele Parkplätze weggefallen. An der Stelle, an der eigentlich ein Parkhaus gebaut werden sollte, klafft ein riesiges Loch mitten im Zentrum von Morro Jable. Für den Bau des Parkhauses fehlt schlicht das Geld.

Die Geschäftsleute der betroffenen Straßen sahen sich jetzt gezwungen zu handeln. Sie haben einen Verein gegründet, um gegenüber den zuständigen Behörden als Einheit auftreten zu können, Gehör zu finden und Druck auf die Politiker auszuüben, weil sie es satt waren, immer weiter vertröstet und mit Ausreden abgespeist zu werden. Um auf die prekäre Situation seiner Mitglieder aufmerksam zu machen, hat der Verein beim Innenministerium für den 15.06.2012 die Genehmigung für eine Demonstration beantragt und diese auch erhalten. Im Rahmen dieser Demonstration wollten die Geschäftsleute einen Sarg durch die Straßen tragen und symbolisch beerdigen, um auf die Gefahr des Sterbens vieler kleiner Läden aufmerksam zu machen, die die zuständigen Politiker mit ihrer Lethargie leichtfertig in Kauf nehmen.

Um die Bereitschaft zum Dialog und die Hoffnung auf eine Lösung unter Beweis zu stellen, hatte der Verein angekündigt, die Demonstration abzusagen, wenn die Gemeinde und die Inselverwaltung noch rechtzeitig vorher mit Maschinen und Arbeitern anrücken, um das große Loch im Zentrum von Morro Jable aufzufüllen und zu befestigen und somit ausreichend Parkplätze zur Verfügung stellen, damit die Kunden wieder die Möglichkeit haben, die neu geschaffenen Fußgängerzonen zu nutzen und in den Geschäften Geld auszugeben.

Und siehe da: Angesichts der schlechten Presse, die für Fuerteventura etwas so Ungewöhnliches wie eine Demonstration unzweifelhaft nach sich gezogen hätte, ging plötzlich alles ganz schnell. Die Politiker rückten an, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen und tags darauf kamen Bagger, LKWs und Arbeiter und begannen mit dem Zuschütten des „Lochs“. In 45 Tagen sollen nun die Parkplätze fertig sein.

Es bleibt zu hoffen, dass die Lösung für die betroffenen Ladenbesitzer nicht zu spät kommt. Auch ohne zusätzliche äußere Störungen ist die Lage der Einzelhändler auf Fuerteventura wegen der hohen Arbeitslosigkeit und des allseits fehlenden Geldes schon schwierig genug. Wenn sich dann Bauarbeiten, die eigentlich zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen sollen, über unerträglich lange Zeiträume hinziehen, gleicht dies tatsächlich einem Todesstoss für die betroffenen Händler.

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