Erdölfirmen auf marokkanischer Seite erwarten fette Beute

Während die kanarischen Behörden sich mit allen Mitteln gegen die von der Madrider Zentralregierung Erteilten Genehmigungen zur Erdölsuche in den Gewässern zwischen Lanzarote, Fuerteventura und Marokko zu wehren versuchen, stehen die Firmen auf der marokkanischen Seite bereits in den Startlöchern.

Nach ersten seismografischen Studien erwarten die Ölfirmen im marokkanischen Explorationsgebiet ein förderbares Volumen von 750 bis 867 Mio. Barrel.

So hat z.B. Tangiers Petroleum in einer Pressemitteilung erklärt, dass man „Strukturen gefunden habe, die Erdöl enthalten könnten“ und dass man im ersten Halbjahr 2014 mit den Bohrungen anfangen werde. Tangiers Petroleum hat eine Konzession des marokkanischen Staates für Bohrungen in der Nähe von Tarfaya, einer kleinen Hafenstadt. In diesem als „Tarfaya Offshore“ bezeichneten Gebiet plant Tangiers Petroleum bis zu vier Probebohrungen.

Cairn Energy, die ebenfalls eine Konzession auf marokkanischer Seite besitzt, wird sogar noch im 4. Quartal 2013 mit den Suchbohrungen beginnen, ebenso wie Kosmos Energy, die ebenfalls die Lizenz zur Ölsuche in drei Zonen in der Nähe der Kanaren hat.

Damit ist sicher, dass in der der Nachbarschaft der Kanarischen Inseln noch in diesem Jahr mit der Erdölsuche begonnen wird. Mit anderen Worten: die Kanarischen Behörden können die Erdölsuche nicht grundsätzlich verhindern, selbst wenn sie sich vor Gericht gegen die Erteilung der Prospektionsgenehmigung durchsetzen könnten. Allerdings gibt es bereits mindestens drei Urteile, das letzte vom Spanischen Verfassungsgericht, in denen die Kanarische Regierung mit ihren Einwänden abgewiesen wurde.

Kritiker er Erdölbohrungen in der Nähe der Kanarischen Inseln warnen vor den Umweltrisiken, die unter Umständen den wichtigsten Wirtschaftszweig der Kanaren, den Tourismus, unwiederbringlich schädigen könnten.

Die Befürworter der Erdölsuche erwarten einen erheblichen Wachstumsimpuls für die Kanarische Industrie, die ihren Anteil am Kanarischen BIP nach Schätzungen verdoppeln könnte. Damit könnten Arbeitsplätze auf den Kanaren und somit Wohlstand geschaffen werden. Immerhin könnten auf der spanischen Seite bis zu 1.000 Mio. Barrel lagern. Mit der daraus möglichen jährlichen Fördermenge könnte Spanien für sehr lange Zeit bis zu 10% seines Energiebedarfs decken.

In Bezug auf die Risiken weisen die Befürworter darauf hin, dass diese durch die Bohrungen auf marokkanischer Seite ohnehin bestünden.

Die marokkanische Regierung in Rabat ist fest entschlossen, die möglichen Erdölreserven ihres Landes anzuzapfen. Rund 100 Explorationsgenehmigungen dürfte die Regierung an der gesamten Küste und im Landesinneren erteilt haben. Die Liste der bereits im Land vertretenen Ölmultis ist lang und umfasst unter anderem auch Repsol, RWE, Petro-Canada und viele andere.

Die Genehmigungsverfahren sind in Marokko deutlich einfacher und schneller als in Spanien, da die Regierung ein großes Interesse daran hat, Öl zu finden und zu fördern.

8 Kommentare

  1. @mug: Irgendwie haben Sie ja Recht… Aber …
    Auch, wenn sich gewisse Leute die Taschen
    vollstopfen, so hat doch auch die Bevölkerung des
    Förderlandes etwas davon. Schauen Sie mal nach
    Schottland oder Norwegen. Es gibt neue Arbeitsplätze
    (nicht nur für Ingenieure sondern auch für „Arbeiter“).
    Die Bohrinseln müssen versorgt werden – auf welchem
    Weg auch immer. Zubringer, Lieferanten, Entsorger,
    Hotels, Infrastruktur, etc. – da kommt schon ein gutes
    Plus zustande und Steuern zahlen die meissten auch,
    was wiederum (wenn auch nur zum kleinen Teil) der
    Bevölkerung zu Gute kommt und nicht nur den
    REPSOL-Aktionären.
    UMWELT? Tja, da muß man halt strenge Auflagen
    machen – aber nicht strenger als die in Marokko.
    Wie sagt man in der „Sendung mit der Maus“ so
    treffend: Glaubst Du nicht ? Ist aber so …
    Schon mal ausgerechnet, wieviel Sonnenöl wir
    Touris Jahr für Jahr ins Meer spülen ? Ebend !

  2. Hallo Mitnand und vielen Dank für die Bewertung der Kommentare.
    Das Länder oder deren Bürger von den Ölmilliarden profitieren halte ich, für die westliche Welt, für sehr optimistisch betrachtet.
    Politiker sorgen dafür, dass die Förderfirmen und Energieriesen, aufgrund wissentlich geschaffener Steuerschlupflöcher, Ihre Gewinne am gemeinen Steuerzahler vorbeilavieren können.
    Also gut, sollen die Ölmultis bohren.
    Was im schlimmsten Fall bleibt, für den kleinen Mann auf der Strasse, sind unter Umständen Milliardenschäden und nicht zu beziffernde Umweltschäden.
    Die Kanaren liegen auf einem relativ instabilen Untergrund, vor wenigen Tagen hat die Erde in 17 KM Tiefe vor El Hierro (wieder) gegrollt (Stärke 3,7)

    Aber:
    Wie der Rheinländer zu sagen pflegt:
    „Et hät noch emmer joot jejange. („Es ist bisher noch immer gut gegangen.“)“ .
    Nix für Ungut.
    Bis Bald
    Günter

  3. Man/frau sollte sich genauestens eine eigene Meinung
    darüber bilden, ob Spanien oder Marokko das Öl aus
    dem Meer holen. Der eine Staat wird viel Geld verdienen,
    der andere nicht. Wenn die Bohrlöcher Umweltsauerei
    bringen, haben die Spanier den Verlust von Touris zu
    befürchten aber kein Geld verdient. Die Marrokaner aber
    haben viel Geld verdient und nach wie vor keine Touris
    am Strand… Fragt sich nur, warum sich Spanien
    aus dem Geschäft verabschieden soll – betroffen
    wären sie im Fall des Falles IMMER !

  4. Hallo ThomasDWolf,
    ein bisschen erinnert mich Ihr Kommentar an die Kanzlerin Merkel:“…Alternativlos…“
    Würden unsere Forscher und Erfinder nach deren Motto arbeiten – ginge wohl nichts mehr so richtig nach vorne.
    Dass das leben eine Gefahr darstellt, streitet ja niemand ab, aber eindämmen könnte man sie ein wenig.
    Gegen Bohrungen auf Land ist ja generell nichts einzuwenden aber die Szenarien brennender Plattformen auf dem Meer, mit all ihren verheerenden Folgen für Mensch und Tier sind uns bestimmt noch gewahr.
    Lächelnd möchte ich hinzufügen: Danke für Ihre Meinung und nach Fuerte komme ich trotzdem wieder…

  5. Frage: Kann es sich Spanien überhaut leisten nicht zu bohren? In der Situation wo das Land im Moment steht glaube ich nicht. Und damit hätte sich Spanien als einziges Land aus der südlichen Gegend selbst geholfen.
    Meine Prognose: Sie werden bohren, weil sie es müssen!

  6. @mug: Wenn man diese Meinung konsequent vertreten möchte, gibt es eigentlich nur zwei Optionen:

    a) auf die Nutzung von Erdölprodukten konsequent verzichten: auf jegliche Mobilität verzichten (auch Bahn, E-Auto usw. da der Strom auch aus Öl und Gas stammt), nicht nach Fuerte fliegen, kein Plastik verwenden usw.

    b) Beim Kauf von Erdölprodukten darauf achten, aus welcher Quelle sie kommen. (ähnlich wie z.B. bei Textilien, die nicht mit Kinderarbeit hergestellt werden). Erdöl wird vielerorts in Entwicklungsländern gefördert, wo man sich weder um Umweltschutz noch um Arbeitsbedinungen für die Mitarbeiter schert.

    Wenn man sich nicht konsequent für a) entscheidet, was m.E. heute aufgrund der Abhängigkeit von Erdölprodukten kaum möglich ist, sondern für b), müsste man die Förderung von Erdöl durch eine spanische Firma in Kanarischen Gewässern eigentlich befürworten!
    Zumindest kann man hierbei davon ausgehen, dass es dann Gesetze gibt, die Umweltschutz- und Arbeitsschutznormen vorschreiben, und dass es auch eine Gerichtsbarkeit gibt, die Verstöße ggfs. wirksam verfolgen kann.
    Wählt man also b) und ist gleichzeitig gegen Erdölförderung in entwickelten Industrieländern, heißt das mit anderen Worten : „Macht den Dreck bitte nicht vor unserer Haustür sondern in der dritten Welt, da stört uns das nicht weiter…“

  7. Jeder hat im Physik- und Biologieunterricht gelernt:
    Strom und Wasser oder Öl und Wasser sind gefährliche Verbindungen.
    Dieses Wissen dem Profit zu opfern und das Risiko einzugehen die Welt ein bisschen mehr zu zerstören, grenzt an Menschenverachtung und nicht zu tolerierenden Egoismus.
    [i]Gemäß dem Motto von Lenas 99 Luftballons:“…Streichholz und Benzinkanister…“ [/i] scheint jeder Geldhai gewillt in den Geschichtsbüchern seinen Namen im Zusammenhang mit dem Ende der Erde lesen zu wollen.

  8. Auch wenn Spanien die Kanaren quasi als „verlängerten Festlandshelf“ benutzt, um an das Öl zu gelangen, ändert sich an der grundlegenden Problematik, daß Ölreserven sich verknappen und damit der „Förderdruck“ erhöht wird, nichts.
    Ein wenig mutet es an, als kämpfe hier der Alte von La Mancha in Ermangelung von Windparks nun gegen Ölplattformen.

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