Führung der Guardia Civil gibt Einzelheiten zur Mafia-Organisation innerhalb der eigenen Reihen auf Fuerteventura bekannt

Die Story um eine mafiaartig organisierte Gruppe von Beamten der Guardia Civil auf Fuerteventura würde genug Stoff für einen Kinofilm bieten.

An die Öffentlichkeit gelangten erste Informationen, nachdem am 20.02.2013 fünf Beamte der Guardia Civil im Norden von Fuerteventura festgenommen wurden. Zwei mutmaßliche Mitglieder der „Grupo 7“, wie die Organisation sich selbst nannte, wurden dabei ertappt, wie sie Bündel mit Haschisch von einem gestrandeten Schlauchboot einsammelten.

Im Laufe der anschließenden Ermittlungen stieg die Zahl der Tatverdächtigen auf insgesamt 9 Beamte der Guardia Civil, von denen 8 auf Fuerteventura stationiert waren, sowie 12 Zivilisten. Dies und weitere Details wurden am 28.03.2013 während einer Pressekonferenz vom Kommandanten der Guardia Civil von Las Palmas bekannt gegeben, nachdem der zuständige Richter die Erlaubnis dafür erteilt hatte. Die Ermittlungsakten unterliegen ansonsten jedoch immer noch dem richterlich angeordneten Ermittlungsgeheimnis.

Die tatverdächtigen Beamten sollen zwischen 25 und 35 Jahre alt sein. Gegen einen wurde bereits in 2010 wegen einer mutmaßlichen Verwicklung in einen Drogenfall ermittelt. Allerdings konnte ihm damals nichts bewiesen werden.

„Es handelte sich um eine sehr bedeutende kriminelle Gruppe im Norden Fuerteventuras, vor der die Leute Angst hatten. Es ist der schwerste Fall dieser Art auf den Kanaren“, bestätigte der Chef der Guardia Civil der Kommandantur von Las Palmas. „Die mutmaßlichen Mitglieder fühlten sich übermächtig und waren sich ihrer Sache sehr sicher“, fügte er hinzu.

Im Rahmen der Operation „Botavara“ wurden knapp 1.000kg Haschisch beschlagnahmt, das aus Marokko stammt. 7 Drogenbündel wurden nach der Havarie des Schlauchbootes von Tauchern auf dem Meeresgrund gefunden. Weitere 15 waren in einem Wasserreservoir, und eines im Garten eines Hauses eines der Beschuldigten gefunden worden, und der Rest auf der Dachterrasse eines Hauses in El Cotillo. Außerdem beschlagnahmten die Ermittler diverse Fahrzeuge, Computer, Mobiltelefone und Elektronikgeräte und Unterlagen, die weitere Aufschlüsse über die kriminellen Handlungen der Bande geben könnten.

Die Bande war streng hierarchisch organisiert, wobei der Rang in der Mafiabande nicht mit der offiziellen militärischen Rangordnung der Verdächtigen zu tun hatte.

Dass die Bandenmitglieder hochgradig kriminell vorgingen, zeigt sich darin, dass ihnen insgesamt 7 verschiedene Straftaten zur Last gelegt werden, wobei sich nicht alle Mitglieder derselben Delikte schuldig gemacht haben, weil sie unterschiedliche „Zuständigkeiten“ hatten. Zu den Straftaten gehören außer Drogenhandel mindestens noch Folter, illegale Festnahmen, Drohung, Nötigung und Strafvereitelung, Urkundenfälschung und Straftaten gegen die Garantien der Verfassung.

Fünf der Guardia Civil Beamten sitzen in Untersuchungshaft, zwei sind als Beschuldigte bis zur Verhandlung auf freiem Fuß.
Von den 12 Zivilisten sind zwei in Untersuchungshaft und 9 unter Auflagen und einer ohne Auflagen in Freiheit.

Der Kommandant der Guardia Civil erklärte, dass es sich um einen –wenn auch sehr schwer wiegenden- Einzelfall handele. Es sei sehr schmerzlich für die Guardia Civil, weil 9 Beamte involviert sind.

Die Guardia Civil hat auf den Kanaren 3.791 Beamte. Die jetzt aufgeflogenen 9 schwarzen Schafe machen also lediglich 0,2% aus.

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