Cabildo startet diesjährige Schutzkampagne für „Pardelas“

Wenn in den Abendstunden ihre lauten jammernden Schreie ertönen, können die sogenannten Pardelas (Calonectris diomedea) während der Brutzeit im Sommer so manchem Bewohner in Küstennähe schlaflose Nächte bereiten.

Die Gelbschnabel-Sturmtaucher, wie sie auf Deutsch genannt werden, gelten auf den Inseln seit langer Zeit als geschützte Vogelart und ähneln auf den ersten Blick stark der Möwe, die ebenfalls für ihre auffälligen Krächzlaute bekannt ist. Die Federfarbe der Pardelas ist jedoch nur unterseits gänzlich weiß, ansonsten sind sie mit ihrer grau-bräunlichen Färbung deutlich dunkler. Diese Zugvögel verbringen ihr Leben größtenteils auf hoher See und nähern sich nur in den Brutzeiten der Küste. Bei der Pardela unterscheidet man zwischen drei Unterarten, wovon eine an den Klippen der Kanarischen Inseln nistet. Im Frühsommer zwischen Mai und Juni legt jedes weibliche Tier nur ein einziges Ei, das bis Ende August ausgebrütet wird. Um die neu geschlüpften Küken in ihrer letzten Entwicklungsphase zu unterstützen, bevor sie ihre erste große Reise unternehmen, startet die Inselverwaltung von Fuerteventura (Cabildo) jedes Jahr ihre Kampagne zum Schutz der Pardelas. Mit dem Vollmond Anfang Oktober verlassen die Jungvögel nämlich langsam ihre Nester und fliegen nachts zum ersten Mal auf das große Meer hinaus. Da sie sich in der Dunkelheit am Mond orientieren, kann es besonders in der Nähe von stark urbanisierten Gebieten passieren, dass sie von künstlichem Licht geblendet werden und infolgedessen z. B. gegen Laternen oder Strommasten prallen. In dieser kritischen Zeit bittet die Umweltschutzabteilung des Cabildo auch dieses Jahr um die Zusammenarbeit aller Mitbürger, um möglicherweise verletzte Küken zu finden und behandeln zu können.

Sollte man ein verunglücktes Tier auf der Insel finden, erreicht man die zuständigen Behörden entweder durch die 112 oder durch einen direkten Anruf bei Lokalpolizei, Guardia Civil oder der Inselverwaltung. Es ist wichtig, dem Vogel bis zum Eintreffen der Experten weder Nahrung noch Wasser zu geben, da er nach dem Schlüpfen meist auf das Gewicht der eigenen Elterntiere gefüttert wird und sein Körper daher über ausreichend Fettreserven verfügt. Wenn es notwendig ist die Tiere zu transportieren, benutzt man dazu am besten einen Karton mit Löchern, um ausreichende Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Nach Zusammenstößen durch die irritierende Lichtverschmutzung in der Umgebung stürzen die Jungtiere zu Boden und sind auch unverletzt meist nicht in der Lage, sich von ganz allein wieder in die Lüfte zu erheben, da sie für den Start einen Abhang oder die Meeresoberfläche benötigen. Bevor sie nicht auf mögliche Verletzungen untersucht wurden, sollte man ihnen jedoch trotzdem nicht einfach Starthilfe geben und sie zum Fliegen in die Luft werfen.

Die Beteiligung der Mitbürger ist ein wesentlicher Bestandteil der Kampagne, da die Benachrichtigungen es den Experten der Umweltschutzabteilung ermöglichen, die desorientierten Vogeljungen wieder auf den richtigen Weg zu bringen. An Land sind die kleinen Küken nämlich leichte Beute für Ratten oder herumstreunende Katzen. Und auch Menschen können für sie gefährlich werden, da sie oft wegen ihrem Fleisch oder ihren Fettreserven gejagt werden. Im Zuge dieser Schutzkampagne erinnerte die Umweltschutzbeauftragte des Cabildo, Natalia Évora, daran, dass neben dem Gelbschnabel-Sturmtaucher auch andere Meeresvögel, die auf Fuerteventura nisten, möglicherweise auf Hilfe angewiesen sind und daher jede Benachrichtigung zählt.

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