Seltenes Naturspektakel: Blauwal vor der Küste Fuerteventuras gesichtet

Der Blauwal ist das größte und schwerste Tier, das jemals auf unserem Planeten gelebt hat und dennoch haben unkontrollierte Jagden dazu geführt, dass er zwischenzeitlich sogar vom Aussterben bedroht war. Nachdem die weltweite Population ab dem 20. Jahrhundert in nur wenigen Jahrzehnten fast verschwand, traten gegen Ende der 60-er Jahre internationale Schutzbestimmungen in Kraft, dank denen sich der Bestand in vielen Gebieten wieder erholen konnte.

Von den vier Unterarten der Blauwale lebt weltweit nur eine im Nordatlantik. Dabei schätzt man den Bestand im östlichen Teil, also in Richtung der kanarischen Gewässer, auf nur ca. 400 Tiere. Eine Blauwal-Sichtung vor den Kanaren gilt also als seltenes Privileg. Vor Lanzarote und Fuerteventura sind in den letzten 20 Jahren nur drei Fälle bekannt.

Einer spanischen Forschergruppe der Universität La Laguna ist es kürzlich gelungen an diesem seltenen Ereignis teilzuhaben. Ca. acht Seemeilen östlich der Meerenge von La Bocayna, die die zwei östlichsten Kanareninseln voneinander trennt, wurde der Blauwal während eines Ausfluges des kanarischen Meeresforschungsinstituts „ICENAi“ (Instituto Canario de Estudios de la Naturaleza y Aplicaciones Industriales) gesichtet. Der Zoologe Álvaro Astica, der sich auf den Kanaren bereits seit Jahren der Walbeobachtung widmet, sieht das Vorkommen des Blauwals in dieser östlichen Zone als Beweis für den unschätzbaren Wert dieses Meeresgebiets. Nachdem bereits im Frühling vor Teneriffa einige Exemplare gesichtet wurden, könnte dies bedeuten, dass die Blauwal-Population den Archipel in seine jährlichen Wanderungen aufgenommen hat. Grund mehr noch, die reichen Gewässer vor den Kanaren zu schützen. Ein heikles Thema, das seit Jahren immer wieder angeheizt wird, so auch durch die neue Sichtung im September.

Vor einiger Zeit hatte das spanische Umweltministerium vor der EU den Antrag gestellt, das Meeresgebiet vor den Inseln Lanzarote und Fuerteventura zu einem geschützten LIC-Reservat (Lugar de Interés Comunitario) zu erklären. Solche Gebiete mit gemeinschaftlichem Interesse sind Teil des Netzes von Schutzgebieten (Natura 2000), das innerhalb der Europäischen Union nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie errichtet wird. Der Antrag blieb auf Eis gelegt, nachdem die umstrittene Erdölförderung des spanischen Energiekonzerns „Repsol“ ins Gespräch kam. Ende August löste die offizielle Genehmigung der Probebohrungen nochmals heftige Diskussionen aus, und das nicht zuletzt, weil der Großteil des vorgeschlagenen Meeresreservats im geplanten Bohrquadrat liegt. Nur kurze Zeit nach Bekanntgabe der bestandenen Umweltverträglichkeitsprüfung für die Probebohrungen, wurde der bisher blockierte EU-Antrag reaktiviert, um die wertvolle Fauna und Flora in diesem Teil des Atlantiks zu schützen. Und auch die Umweltverträglichkeitsprüfung, die keine wesentlichen nachteiligen Auswirkungen gegenüber der Umwelt ergab, will man vor allem auf den Kanaren nicht einfach so hinnehmen. Ein Bericht der „SECAC“, einer spanischen Gesellschaft, die sich auf die Erforschung von Meeressäugern konzentriert, soll zeigen, dass die Prüfung eine falsche Einschätzung ergab, was die Mindestabstände und Lärmschwellen der Bohrungen angeht. Dieser Vorwurf wurde von der Inselverwaltung auf Fuerteventura aufgegriffen und vor der EU geäußert. Man ist nämlich der Meinung, dass die Empfindlichkeit der gesamten Meeresfauna, einschließlich der verschiedenen Walarten, mit den Umweltauswirkungen der Ölförderung unvereinbar ist.

Der Blauwal zählt zur Familie der Furchenwale, die aufgrund ihrer Schwimmgeschwindigkeit und ihrer großen Brustflossen den lateinischen Namen „Balaenopteridae“ tragen –abgeleitet vom lateinischen „balaena“ (Wal) und dem griechischem „pteron“ (Flügel). Mit einer Länge von sechs bis sieben Metern und einem Gewicht von bis zu vier Tonnen geboren, werden die Meeresgiganten im Falle der Weibchen bis zu 31 Meter lang und können ein Gewicht von unglaublichen 180 Tonnen erreichen. Um solch gewaltige Jungen auf die Welt zu bringen, sind die Weibchen in der Regel um einige Meter größer als ihre männlichen Artgenossen. Ähnlich wie wir Menschen werden diese Tiere bis zu 90 Jahre alt. Im Laufe ihres Lebens unternehmen sie Wanderungen über Tausende von Kilometern, bei denen sie im Winter subtropische Gewässer als Fortpflanzungsgebiete nutzen und über den Sommer in polaren Gewässern verweilen, da sie dort reichlich Nahrung finden. Erstaunlich ist, dass diese großen Tiere sich hauptsächlich von mikroskopisch kleinem Plankton ernähren, das frei mit der Meeresströmung schwimmt und dabei tonnenweise durch die Barten der Wale aus dem Wasser gefiltert wird. In vielerlei Hinsicht ist der Blauwal ein außergewöhnliches Tier, das trotz seiner immensen Größe vor den Gefahren, die vom Menschen ausgehen, beschützt werden muss.

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