Land unter auf den Kanaren

Ein Blick auf die wüstenähnliche Landschaft von Fuerteventura reicht vollkommen aus, um zu verstehen, dass Regen auf der Insel ein Fremdwort ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einmal regnet, war auf der Insel des ewigen Frühlings schon immer sehr gering und dennoch ließ der Niederschlag diesmal ungewöhnlich lange auf sich warten. Das Unwetter, das in der dritten Novemberwoche über die Kanaren peitschte, brachte gleich so viel Regen mit sich, dass vielerorts ganze Viertel überschwemmt wurden. Infolge der heftigen Regenfälle standen auf Lanzarote und Fuerteventura viele Straßen und Häuser unter Wasser. In nur einer Stunde wurden Niederschläge von bis zu 20 Liter pro Quadratmeter gemessen.

In Lanzarotes Hauptstadt Arrecife verwandelten sich viele Straßen im Zentrum innerhalb kürzester Zeit zu Flüssen, nachdem auch das Kanalisationssystem die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte. Auch Fuerteventura wurde mit voller Härte vom Sturm getroffen. Einige öffentliche Gebäude wurden überflutet, darunter auch die Notaufnahme des Inselkrankenhauses in Puerto del Rosario. Viele Patienten mussten daher in die höherliegenden Stockwerke verlegt werden. Aus Sicherheitsgründen wurden auch mehrere Straßen für den Verkehr geschlossen, so zum Beispiel die Landstraße FV-30 zwischen Valle de Santa Inés und Betancuria.

Im Zentrum der Insel kam es durch die Regenfälle außerdem zu einer Reihe von Versorgungsausfällen, da der Boden an einigen Stellen instabil wurde und dadurch Schäden an den Rohrleitungen entstanden. Das Konsortium für Wasserversorgung auf Fuerteventura (CAAF) entschied sich daher für die vorübergehende Einrichtung zusätzlicher Wasserdepots, die die Hauptwasserspeicher der betroffenen Ortschaften versorgten. Der größte Ausfall ereignete sich im Gebiet von Casillas del Ángel und betraf Ortschaften, wie La Ampuyenta, Antigua, Agua de Bueyes oder Tiscamanita. Auch die umliegenden Orte in der Nähe der Kreuzung zwischen Tefia, Los Llanos und Almácigo bekamen die Auswirkungen eines Versorgungsausfalls zu spüren. Das Technik-Team des CAAF kümmerte sich anschließend um die Reparaturen an den Wasserleitungen und stellte die Versorgung nach dem Zusammenbruch wieder her.

Trotz den unkontrollierbaren Folgen des plötzlichen Niederschlags, kam der Regen nach der jahrelangen Dürreperiode auch als Segen auf die Insel. Viele Jahre sind vergangen, seitdem es auf Fuerteventura richtig geregnet hat, die positiven Auswirkungen auf Vegetation und Landschaft sind also enorm und die Freude vieler Bewohner groß. Fast alle Barrancos im Zentrum und im Süden der Insel liefen mit Wasser voll. Außerdem erhöht das eingesickerte Regenwasser den Grundwasserspiegel und reduziert den Salzgehalt. Vor allem für Landwirte kam der Regen als regelrechte Erlösung über die Insel. Das Wasser kann während der Winterzeit gut für die Landwirtschaft genutzt werden und senkt somit die Produktionskosten vieler Bauern.

Laut den Auswertungen des Inselrats für Wasser (CIAF) registrierten bis zu 10 meteorologische Wetterstationen um die 100 Liter pro Quadratmeter während der intensivsten Regentage vom 20. bis zum 23. November. Am stärksten traf es die Inselmitte mit Antigua, Tamaretilla und Agua de Bueyes. Solche heftigen Regenfälle sind wahrlich etwas Besonderes, wenn man bedenkt, dass die Niederschlagsmessung auf Fuerteventura einem Wüstenklima gleichkommt und der Jahresdurchschnitt bei nur knapp 112 Litern pro Quadratmeter liegt.

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