Bilanz der schweren Regenfälle vom Wochenende

Die Auswirkungen der plötzlichen Regenfälle, die über der Insel in der Nacht vom 22.10. auf den 23.10.2015 heruntergingen, waren an einigen Punkten des Straßennetzes deutlich zu erkennen. Nachdem es in den frühen Morgenstunden des 22.10. auf Gran Canaria und Teneriffa sehr schwere Regenfälle gegeben hatte, wurde von der kanarischen Regierung ein Wetteralarm auch für die Inseln Fuerteventura und Lanzarote ausgegeben. Wer sich am 22.10. bis zum späten Nachmittag im Süden der Insel aufhielt, konnte bei dem strahlend blauen Himmel nicht wirklich glauben, dass nur ein paar Kilometer weiter auf Gran Canaria und Teneriffa bereits das Regencaos wütete.

Leider behielten die Meteorologen aber recht und in der Nacht zum 23.10. ging innerhalb von kurzer Zeit so viel Regen herunter, wie die Insel schon lange nicht gesehen hatte. Der südliche Teil der Insel blieb dabei weitestgehend verschont, auch wenn z.B. in Pajara und bei Ajuy ebenfalls die Barrancos mit beeindruckenden Wassermengen liefen. Schlimmer traf es Gemeinden Tuineje, Antigua, Betancuria und Puerto del Rosario. Das Cabildo aktivierte im Zuge dessen eine Sicherheits- und Notfalleinheit, die die Straßen der Insel im Blick behält, nachdem von der Kanarischen Regierung die Alarmstufe ausgerufen wurde.

Die Schnellstraße FV-1 musste am späten Abend gegen 23:00 Uhr auf Höhe der Dünen gesperrt werden, nachdem der Sturzregen zu seitlichen Abbröckelungen der Straße führte. Zahlreiche Fahrzeuge und Touristenbusse wurden teilweise sogar an ihrer Weiterfahrt gehindert. In der Nähe der Kreuzung vor Pozo Negro lief der Barranco mit Wasser voll und überschwemmte die Straße FV-2.

Für Freitag, den 23.10. wurde vorsorglich der Schulunterricht in allen Lehrzentren der Insel abgesagt, eine Vorsichtsmaßnahme, die ein Chaos wie am Morgen des 22.10. in Gran Canaria verhindern sollte. Sämtliche geplanten Events und Feierlichkeiten wurden vorsichtshalber abgesagt, so u.a. die Fiesta Sta. Marta, die an der Costa Calma geplant war.  Sicherheitshalber wurde der ursprünglich für Sonntag, den 25. Oktober geplante Ausflug Ruta 6 auf den Pico de la Zarza aus dem Programm„Fuerteventura al Golpito“, abgesagt, da die Streckenschäden am Wanderweg zu groß sind, um für ausreichend Sicherheit zu sorgen und die geeigneten Bedingungen für eine solche Exkursion zu bieten. Alle eingeschriebenen Teilnehmer werden über ein Ausweichdatum informiert. Auch das Radrennen FUDENAS wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Was von vielen Teilnehmern in den sozialen Netzwerken zunächst als „übertrieben“ bezeichnet wurde, konnte im Nachhinein nur als klug und vorausschauend angesehen werden.

Insbesondere in den nördlichen Gemeinden liefen in den Barrancos wahre Sturzfluten bis ins Meer. Bei Los Molinos wurde kleine Fußgänger-Brücke, die Ende der 90er Jahre gebaut worden war, durch die Wassermassen zerstört. Seit etwa 35 Jahren, so erinnerten sich Anwohner, sei nicht so viel Wasser gelaufen.

Besonders tragisch: an der Costa Calma forderte das Unwetter sogar ein Todeopfer. Ein Deutscher Tourist, der trotz „Roter Flagge“ (Badeverbot) und des offensichtlich starken Wellengangs an der Costa Calma mit einem Bekannten gemeinsam zum Schwimmen ins Wasser gegangen war, wurde von der Strömung erfasst und konnte das Ufer nicht mehr aus eigener Kraft erreichen.  Die Rettungskräfte mussten den Mann bergen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt einen Herz-Kreislaufstillstand erlitten und konnte nicht mehr wiederbelebt werden. Sein Bekannter schaffte es grade noch zum rettenden Ufer.

Am 24.10 zeigte die Insel dann zwei Gesichter: während im Süden bei Sonnenschein die Welt schon wieder völlig in Ordnung war, war ab Mittag im Norden wieder „Land unter“ angesagt. Die Straße bei Pozo Negro musste erneut gesperrt werden. Am Flughafen in Puerto del Rosario fielen innerhalb von nur einer Stunde 88,8l Regen pro Quadratmeter.

Auch auf Lanzarote wurden Straßen überflutet und Barrancos liefen voll.

Dennoch hatte es die beiden östlichen Inseln bei weitem nicht so schwer getroffen, wie die Inseln Gran Canaria und Teneriffa. Auf Gran Canaria bat die Inselregierung bei der Zentralregierung in Madrid sogar darum, bestimmte Gebiete bei Telde zum Katastrophengebiet zu erklären.

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