Erstes Guirre-Küken in Gefangenschaft geschlüpft

Nach zahlreichen Fehlschlägen in den letzten Jahren wurde am 15.06.2016 das erste Küken eines Fuerteventura-Schmutzgeiers (Neophron percnopterus majorensis) in Gefangenschaft geboren. Das Elternpaar wird seit 2009 in der Biologiestation in La Oliva gehalten, da es aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht allein in freier Wildbahn überleben könnte.

Der auf den Kanaren als „Guirre“ bekannte Greifvogel ist eine einzigartige Unterart, die nur noch auf Fuerteventura und Lanzarote vorkommt und als vom Aussterben bedrohte Spezies gelistet ist. Laut der Daten der letzten Zählung aus dem Jahr 2015 umfasst die Gesamtpopulation der Vögel auf den Kanaren 277 Exemplare und befindet sich dank den Bemühungen der örtlichen Umweltschutzabteilung stetig im Wachstum. Insgesamt sind 62 Nistgebiete bekannt, davon 56 auf Fuerteventura sowie sechs weitere auf Lanzarote und kleinen Nachbarinseln.

Das in Gefangenschaft gehaltene Guirre-Pärchen legte in der Vergangenheit bereits des Öfteren Eier und gab immer wieder Anlass zur Hoffnung. Da die Embryos bisher jedoch noch nie die anfängliche Entwicklungsphase überlebten, ist der kürzlich geschlüpfte Schmutzgeier für die Experten in der Biologiestation ein sensationeller Erfolg. Genau nach 45 Tagen, die das Anfang März gelegte Ei im Brutkasten verbrachte, kam unter genauestens kontrollierten Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen das kleine Küken auf die Welt. Das Ei war von Anfang an viel kleiner und leichter als in freier Wildbahn üblich und auch das Vogeljunge wog mit nur 62,1 Gramm deutlich weniger als im Normalfall. Außerdem musste ein Tierarzt beim Aufbrechen der Schale eingreifen, weil es nicht stark genug war die Schale allein mit dem Schnabel zu durchpicken. Nach dem Schlüpfen wurde es entsprechend behandelt und gefüttert und entwickelt sich mittlerweile prächtig, obwohl der Zustand des kleinen Kükens anfänglich Zweifel über sein Überleben aufgab. Trotz der guten Entwicklung erweist sich die Aufzucht dieser seltenen Vogelart in Gefangenschaft nach wie vor als äußerst kompliziert. Sollte der junge Guirre es jedoch schaffen, so kann er nach einem Jahr und ausreichenden Vorbereitungen in die freie Wildbahn entlassen werden.

Die Aufzucht von Schmutzgeiern in Gefangenschaft wurde auf Fuerteventura vom stellvertretenden Umweltschutzministerium der kanarischen Regierung im Rahmen des im Jahr 2006 verabschiedeten Erhaltungsplans genehmigt. Obwohl sie keine vorrangige Maßnahme für die Verbesserung der Bestandssituation darstellt, kann sie dennoch dabei helfen, neue Erkenntnisse über diese Tierart zu gewinnen und die in freier Wildbahn angewandten Erhaltungsmaßnahmen ergänzen, die im letzten Jahrzehnt einen bedeutenden Anstieg der Populationsgröße zur Folge hatten. Dazu sollen im kommenden Jahr verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um ein detailliertes Protokoll aufzustellen, das grundlegende Richtlinien zum Umgang mit den Tieren sowie zur Fortpflanzung in Gefangenschaft enthält. Parallel soll dafür auch die notwendige Fachausrüstung bereitgestellt werden, um eine erfolgreiche Entwicklung der Brut garantieren zu können.

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