Tatverdächtiger im Vermisstenfall Yeremi Vargas gefunden

Der Fall des verschwundenen Yeremi Vargas Suárez aus Gran Canaria bereitet der spanischen Polizei seit nun bereits neun Jahren großes Kopfzerbrechen und ist auch durch die immer wieder ins Leere führenden neuen Hinweise für die Familie des Jungen zu einem einzigen Alptraum geworden.

Am 10.03.2007 wurde der damals siebenjährige Junge am hellichten Tag wie vom Erdboden verschluckt, nachdem er zuletzt am frühen Nachmittag auf einem unbebauten Grundstück neben seinem Elternhaus in der Ortschaft Vecindario in Santa Lucía de Tirajana gesehen wurde. Im Laufe der jahrelangen Ermittlungen ging die Polizei Hunderten von Spuren nach. Da man davon ausging, dass das Verbrechen sexuell motiviert war, führten diese sogar teilweise zu britischen Häftlingen, die wegen verschiedenen Missbrauchsfällen im Gefängnis saßen und zum damaligen Zeitpunkt auf Gran Canaria lebten. Doch je heißer die Spur wurde, desto schneller verlief sie sich auch wieder. Trotzdem scheint der Fall, der die Kanaren nun schon seit so vielen Jahren in Atem hält, eine entscheidende Wendung genommen zu haben.

Wie aus Polizeiquellen hervorgeht, ist ein neuer Verdächtiger ins Visier der Ermittler gerückt. Betont wurde aber auch, dass noch keine voreiligen Schlüsse gezogen werden sollten, solange die Arbeiten nicht abgeschlossen seien. Zwar dürfen detailliertere Informationen über den besagten Mann aufgrund des Ermittlungsgeheimnisses nicht preisgegeben werden, bekannt ist aber, dass man durch einen Zusammenhang mit dem damals am Entführungsort gesichteten weißen Renault 5 auf den Verdächtigen aufmerksam wurde. Laut Augenzeugenberichten soll er die Kinder aus dem Fahrzeug aus beobachtet haben. Nach intensiven Recherchen führte das verdächtige Fahrzeug schließlich zu dem 56-jährigen Antonio O., der unter dem Spitznamen „Juan el Rubio“ bekannt ist und als Halter des Fahrzeugs gemeldet war. Die Tatsache, dass der weiße Kleinwagen, den der Verdächtige dazu genutzt haben könnte den kleinen Yeremi zu entführen, im Jahr 2008 verschrottet wurde, erschwert die Arbeit der Polizei umso mehr. Eine Analyse des Innenraums hätte die Möglichkeit geboten an relevante Beweise zu kommen, denn auch die lange Zeit, die nach dem Verschwinden des Jungen bereits verstrichen ist, belastet die Ermittlungen enorm.

Der unter anderem wegen Handgreiflichkeiten gegenüber Polizeibeamten und häuslicher Gewalt mehrfach vorbestrafte Mann wurde bereits 2012 festgenommen, nachdem er sich an einem minderjährigen Jungen vergangen hatte und sitzt seit seiner Festnahme im vergangenen Jahr in Algeciras (Cádiz) in Untersuchungshaft. Als die Suche nach Yeremi damals begann, soll der Mann schon einmal befragt worden sein, jedoch lagen nicht ausreichend Beweise vor, um einen Vorwurf erheben zu können. Die neuen Ermittlungen beziehen sich auf mehrfache Äußerungen des Mannes gegenüber Mitgefangenen, in denen er andeutete über das Verschwinden von Yeremi Bescheid zu wissen. Bei seiner Befragung durch die Polizei belastete er jedoch weder andere noch sich selbst und distanzierte sich von allen Vorwürfe. Dennoch scheint er durch die sich häufenden Zeugenaussagen von Anwohnern und die Auswertung seiner Befragungen immer weiter in den Verdacht der Ermittler zu rücken, sodass die Guardia Civil mittlerweile glaubt, klare Indizien gegen Antonio O. in der Hand zu haben, die die Schuld des mutmaßlichen Kinderschänders auch im Fall von Yeremi Vargas nachweisen könnten. Dies würde nach fast einem Jahrzehnt der Suche zum ersten Mal bedeuten, dass jemand in klarem Tatverdacht steht. Die Polizei will ihre Ermittlungen nun erneut verstärken und unter anderem Wohn- und Aufenthaltsorte des Mannes ein zweites Mal unter gerichtlicher Aufsicht untersuchen.

Wie außerdem bekannt wurde, soll der 56-Jährige zur Tatzeit sogar ein Nachbar der Familie im Stadtteil Vecindario gewesen sein. Der Mutter des vermissten Yeremi hatte es laut eigenen Angaben schwer zugesetzt, als die Polizei ihr erzählte, aktuell gegen einen Mann zu ermitteln, der sich als ehemaliger Nachbar der Familie herausstellte und nur knapp 50 Meter weiter wohnte. Ihr Vater hätte den Mann sogar gekannt und ihn dabei gesehen, wie dieser spielenden Kindern gelegentlich zusah.
Der Verdächtige zog nach dem Verschwinden des Jungen in die nahegelegene Ortschaft Sardina del Sur um, wo sich auch der Missbrauchsfall abspielte, wegen dem ihn im Oktober dieses Jahres ein Prozess vor dem Gericht in Las Palmas erwartet. Im Juli 2012 soll er einen neunjährigen Jungen, der auf einem Sportplatz in der Nähe seiner Wohnung Fußball spielte, unter dem Vorwand ihm ein Fahrrad schenken zu wollen, in seine Hütte gelockt haben, um das Kind dort sexuell zu missbrauchen. Die Staatsanwaltschaft fordert für den mutmaßlichen Täter 13 Jahre Haft.

Nicht nur der Fall um Yeremi Vargas begleitet die kanarische Bevölkerung mit jahrelanger Ungewissheit und gibt der Polizei seither Rätsel auf. Etwa zur gleichen Zeit, nur wenige Monate zuvor im Juli 2006, verschwand die damals 15-jährige Sara Morales ebenfalls auf Gran Canaria, als sie sich von ihrem Elternhaus in Escaleritas auf dem Weg in das Einkaufszentrum La Ballena machte. Bis heute fehlt auch von ihr jede Spur.

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