Demo für Erhalt der Villa Winter in Cofete

Villa Winter WEB

Eine bunt gemischte Gruppe aus über 60 Personen kam am 10.09.2016 in Cofete zusammen, um auf dem Anwesen der Villa Winter für ihren Erhalt und gegen eine touristische Erschließung des Grundstücks zu demonstrieren. Neben den Umweltschutzgemeinschaften „Limpia Cofete“ und „Limpiaventura“ war sogar TV Canarias vor Ort. Stark vertreten waren zudem Mitglieder der neu gebildeten Gruppe „Salvar la Villa Winter“, die sich seit geraumer Zeit für Erhalt, Sanierung und Erforschung des Gebäudes sowie der zugrunde liegenden Geschichte einsetzt.

Die protzig wirkende zweistöckige Villa, die Schätzungen zufolge in den 30er Jahren mitten im Nirgendwo entstand, wurde nach dem deutschen Ingenieur Gustav Winter benannt, der seit 1915 in Spanien lebte und im Jahr 1937 einen Pachtvertrag für die gesamte Halbinsel Jandía unterschrieb. Ob das Haus als Feriendomizil des Deutschen genutzt wurde, als U-Boot-Stützpunkt für die Nationalsozialisten dienen sollte oder während des Zweiten Weltkriegs als geheimes Versteck fundierte, wird man wohl nie erfahren. Die variantenreichen Spekulationen über die Aufgaben Gustav Winters sowie die Funktion der Villa scheinen sich mit jedem neuen Artikel zu vermehren. Fakt ist jedoch, dass das wohl größte ungelöste Geheimnis der Insel ein Stück Geschichte bedeutet, das unbedingt bewahrt werden sollte.

Das Augenmerk der Protestaktion richtete sich nicht nur auf das historisch wertvolle Anwesen, um das sich bis heute Legenden und Mysterien ranken. Vielmehr kämpft man mit der Villa auch symbolisch für die Unberührtheit der Naturlandschaft, von der sie im malerischen Cofete so weiträumig umgeben wird.

Inmitten der ausgelassenen Stimmung, die durch Live-Musik und die Magie des kleinen Ortes unterstrichen wurde, war ein ernstes Anliegen der Menschen zu spüren. Das Haus soll als Museum dienen, um seine Geschichte für die Öffentlichkeit erhalten zu können. Dazu soll eine Bürgerbewegung auf das Thema aufmerksam machen, damit das allgemeine Interesse endlich wahrgenommen wird. Zwar gibt es offiziell mehr Spekulationen als wirklich handfeste Tatsachen zu dem Thema, jedoch munkelte man in den letzten Wochen und Monaten, dass ein Bebauungsplan für Cofete erstellt und die Villa zusammen mit über 70 Quadratkilometern für die touristische Nutzung ausgerichtet werden soll. Ferienanlage, Erlebnis-Park, Hotellandschaft: Die Gerüchteküche brodelte. Viele waren der Meinung, dass öffentliche oder private Mittel die einzige Möglichkeit darstellen, das Haus zu retten. Von Petitionsplattformen bis zu Crowdfunding wurde so einiges diskutiert.
Obwohl die Rechtmäßigkeit der Verträge strittig ist, da Nachfahren von Gustav Winter ebenfalls Anspruch auf das Land anmeldeten, gilt die Baugesellschaft Lopesan S.A. mit Sitz in Las Palmas de Gran Canaria seit den 90er Jahren als Eigentümer der Villa sowie des umliegenden Areals. Vor kurzem sorgten einige Gerichtsverfahren über die Rechtmäßigkeit der Bezeichnung Naturschutzgebiet für Aufsehen, da die Firma sich auf die damals offenbar klare Ausweisung als Bauerwartungsland berief. Insiderquellen zufolge, die bei den letzten Gerichtsterminen anwesend waren, soll es nach dem aktuellen Urteil jedoch rechtskräftig sein, dass Cofete nicht bebaut werden darf.
Am Rande hatte man zudem entschieden, dass der bisherige Bewohner Pedro F. die Villa bis Ende August verlassen müsse, da er diese offenbar widerrechtlich genutzt hatte. Obwohl auch über ihn und sein Verwandtschaftsverhältnis zu Winters Nachkommen so einige Gerüchte zu hören sind, ist klar, dass er als zuletzt bekannter Nutzer stets bemüht war, den Verfall der Villa zu stoppen und dem Geheimnis der Villa auf den Grund zu gehen. Nachdem er vor einigen Jahren seinen Onkel und seine Tante dort verwahrlost und krank aufgefunden hatte, versuchte er, das Bauwerk mit allen Mitteln zu erhalten und zu restaurieren. Als Kind soll er selbst viel Zeit in der Villa verbracht haben, die angeblich seiner Familie gehört, nachdem diese von Winters Nachkommen beauftragt wurde, auf sie aufzupassen. Durch freiwillige Spenden und privat organisierte Arbeitertrupps hatte Fumero im Inneren der Villa eine Art kleines Museum erschaffen, in dem teilweise auch Originalgegenstände aus Winters Wohnhaus in Morro Jable zu finden sind, das vor ca. 20 Jahren abgerissen wurde. Interessierten Touristen, die sich dorthin verirrten, offenbarte er somit die ein oder andere Info zur Geschichte und klärte über Mythen und Gerüchte auf. Ob rechtmäßig oder nicht – in den letzten Jahren wurde mehr für den Erhalt der Villa getan als überhaupt jemals zuvor.

Wie genau es nun auf dem Grundstück weitergeht, bleibt abzuwarten. Viele setzen sich nach wie vor dafür ein, dass das Haus zum geschützten Kulturgut (Bien de Interés Cultural) erklärt wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich auch die Baubehörde in Pájara Erhaltungsmaßnahmen vor Ort nicht verschließen. Nicht umsonst setzen sich Einheimische und Touristen gleichermaßen dafür ein, dass in Cofete alles so bleibt wie es ist: geheimnisvoll und wunderschön zugleich.

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