Trainigslager statt Weltmeisterschaft: Björn Dunkerbecks Speedsurf-Weltmeisterschaft in Sotavento „fehlten die Genehmigungen“

Björn Twan

Vom 29.06.-04.07.2018 sollte am Strand von Sotavento die „Mercedes-Benz Dunkerbeck Speed Challenge“ ausgetragen werden. In den vergangenen Jahren hatte Björn Dunkerbeck, 42-facher Weltmeister in den verschiedenen Windsurf-Disziplinen, seine „Dunkerbeck GPS Speed Challenge“ noch am Strand von Matas Blancas durchgeführt.

Doch in diesem Jahr wollte Dunkerbeck die „Weltmeisterschaft im Speedsurfen“ nach langer Zeit wieder an den Strand zurückkehren lassen, der Fuerteventura in der Speedsurfszene in den 1980er und 1990er Jahren zu einer Legende gemacht hat: Die „Playa de la Barca“ oder „Playa de Sotavento“.

Damals, in guten alten Zeiten, wurden hier noch Weltrekorde und nationale Rekorde aufgestellt. Speedsurfen war „in“ und die Veranstaltungen im Rahmen des Windsurfig Worldcups perfekt organisiert.

Keine Genehmigungen von den lokalen Behörden

Aus der Rückkehr zu den Wurzeln wurde jedoch offensichtlich nichts. Am Strand von Sotavento war von einer Speedsurf-Weltmeisterschaft jedenfalls nichts zu sehen. An den ersten beiden Tagen der Veranstaltung war das noch unverdächtig, denn der Wind ließ auf sich warten. Doch als dann Wind aufkam, war auf der Facebookseite des Envents zu lesen, dass „einige Fahrer zum Training“ an die Punta de Jandía gefahren sind. Eine Verlegung des Wettkampfortes wurde jedoch, zumindest in der Öffentlichkeit oder über die sozialen Medien, nicht bekanntgegeben.
Ein Gespräch mit einem Mitglied des Gemeinderats von Pájara brachte uns dann die Bestätigung, dass die Veranstaltungen „nicht über die erforderlichen Genehmigungen“ verfügte. Die ist wohl offenbar auch den Teilnehmern der Sportveranstaltung mitgeteilt worden.

„Ein dunkler Nebel liegt über der Veranstaltung“

Ein enttäuschter Teilnehmer schrieb auf seinem Facebook-Profil:

„Nach 2 Wochen Fuerte, Freude auf die WM Speedsurfen geht man mit gemischten Gefühlen zurück nach Deutschland.
Warum ?
Es ist soviel hier schief gelaufen und ein dunkler Nebel liegt über der Veranstaltung. Gut das wir Fahrer wissen wie gut wir sind und unsere eigenen GPS Geräte mithatten usw.

Menschen die man als Vorbilder gesehen hat,zu denen man Jahre lang aufgeschaut hat ist jetzt vorbei. Man hat schon viel erlebt in Deutschland aber sowas …..

Schade das man nach einem Aufenthalt hier auf Fuerte mit dem Gedanken spielt, warum macht man das ganze und steckt Geld und Energie in sowas. Ich bin sehr enttäuscht und das nicht von meiner Leistung.“

Ein anderer Teilnehmer wird noch deutlicher: „Ich bin sehr enttäuscht. Ich verlasse heute Fuerteventura und die Dunkerbeck Speed Challenge World Championship. Über 40 Leute sind hierher gekommen, um am historischen Strand von Sotavento um die Wette zu surfen. Am zweiten Tag des Wettbewerbs hat Björn uns gesagt, dass es von den lokalen Behörden keine Genehmigung gäbe, den Wettbewerb dieses Jahr durchzuführen. Die Organisation hat entschieden, dass wir ein Formular für ein „Training Camp“ unterschreiben müssen (damit wir einen Wettbewerb machen können, wobei wir vortäuschen, dass wir nur trainieren).

Dann sollten wir jeden Tag an die Punta de Jandía fahren über 16km Schotterpiste, nur um eine Wertung zu erhalten. Es handelt sich um einen Flachwasserspot mitten im Nirgendwo und ohne Ambulanzfahrzeug. …

Aber was mich am meisten wütend macht, ist, dass ein „Trainingscamp“ als offizielle ISWC Weltmeisterschaft gewertet wird. Es ist erstaunlich,wie tief die Dinge sinken können. Was mich außerdem ärgert, ist dass niemand aufsteht und Björn sagt, dass er nicht alles machen kann, was er will, nur um die Sponsoren zufriedenzustellen.“

Kein Statement vom Organisator

Eine Email von uns an den Veranstalter und eine Anfrage über die Facebookseite sind bislang unbeantwortet geblieben. Wir hätten natürlich auch gerne die andere Seite gehört. Wir hatten unter anderem gefragt, wann und wo welche Genehmigungen für die Veranstaltung beantragt wurden, und wann und aus welchen Gründen diese versagt worden sind.

In Spanien und somit auch auf den Kanaren benötigt jede Sportveranstaltung, die an der Küste und noch dazu in einem Naturschutzgebiet stattfinden soll, eine behördliche Genehmigung durch die Küstenbehörde. Der entsprechende Antrag muss von der zuständigen Gemeinde bei der Küstenbehörde gestellt werden. Zudem muss der Organisator einer öffentlichen Veranstaltung grundsätzlich ein Sicherheitskonzept ausarbeiten und sich dieses genehmigen lassen. Beim Speedsurfen handelt es sich um eine Extremsportart, die für die Teilnehmer ein nicht unerhebliches Risiko für schwere Verletzungen bedeutet. Dabei ist die Anwesenheit eines Ambulanzfahrzeugs eine Grundvoraussetzung.

Es ist sehr mühselig, eine Veranstaltung dieser Art auf Fuerteventura zu organisieren. Und mit Sicherheit würden sich diejenigen, die diese Mühe auf sich nehmen, mehr Unterstützung durch die Behörden wünschen. Aber es gibt auch genügend Beispiele dafür, dass es machbar ist.

Für die Sportler bedeutet die Vorbereitung auf und die Reise zu einer Windsurfweltmeisterschaft einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Daher ist der Ärger mehr als verständlich, wenn man zu einer Veranstaltung anreist, die nicht über eine offizielle Genehmigung verfügt und dann offenbar noch getrickst wird, um doch noch zu einer Wertung zu kommen.

Positive Stimmen

Bei aller Kritik konnte man in den sozialen Netzwerken jedoch auch einiges an Lob lesen. So dankten einige Teilnehmer Björn Dunkerbeck via Faebook dafür, das Event organisiert zu haben. Die negative Kritik wurde von einigen „als schädlich für den Sport“ oder zumindest als „nicht nützlich“ bezeichnet. (Dabei müsste man jedoch hier die Frage anbringen, ob derjenige, der Missstände öffentlich macht, oder derjenige der sie verursacht, für die schädliche Wirkung verantwortlich ist?)

Diejenigen, die die lange Fahrt in den Süden auf sich genommen hatten, waren mit den Bedingungen auf dem Wasser durchaus zufrieden. Letztlich gab es genug Wind für mehrere Läufe. Und das dürfte für die meisten Teilnehmer letztlich das Wichtigste gewesen sein: der Spaß am Windsurfen.

Wir halten die Daumen, dass es im nächsten Jahr wieder ein Speed-Surf-Event auf Fuerteventura geben kann. Vielleicht klappt es bei besserer Vorbereitung und mit mehr Unterstützung durch die Behörden dann auch mit den erforderlichen Genehmigungen. Das würde Björn Dunkerbecks Bemühungen, das Speedsurfen wieder populärer zu machen, sicher beflügeln. Und für Fuerteventura wäre es auch nicht schlecht.

3 Kommentare

  1. Auch wenn das die Enttäuschung nicht schmälert, Fair Play geht vor, hätte mir das auch umgekehrt gewünscht. Haben heute vom Veranstalter die Einschreibgebühren zurückbekommen. Zum ersten Kommentar – schlechter kann es auch nicht mehr werden. Ich komme auch schon fast 30-zig Jahre auf die Insel und kenne mich mit den Gepflogenheiten aus. Was mir aber nicht gefällt, ist wenn man versucht mich zu veralbern, ich benutze jetzt nicht das eigentlich treffendere Wort. Ich erwarte von erwachsenen Leuten, dass sie mir in so einem Fall, die Wahrheit erzählen, in dem Fall bei der Einschreibung und nicht Stückchen für Stückchen bis das eigentliche Desaster offen liegt.

  2. Bin seit 30 Jahre auf der Insel und selber Surfer .
    Der ganze Bürokratie macht es kleineren Veranstaltungen natürlich schwer . Aber es geht ums Surfen und den Spaß , was sind 16 km Piste ….
    Hallo, super das sich Leute die Arbeit machen. Und nächstes Jahr wird es besser.
    Aber alle werden später davon erzähle,
    „Weist du noch damals…… genial….oder „!!

  3. Klar, die das loben können entweder mit dem Bus zur Costa Calma fahren oder haben keine Einschreibgebühr bezahlt. Da wir nicht mobil waren, konnten wir nicht zum neuen Austragungsspot fahren und sind am 3. Tag ausgestiegen. Trotz Aufforderung haben mein Freund und ich bis heute die Einschreibegebühren nicht zurückbekommen. Die Kosten für den geplanten Aufenthalt von fast 2.000 Euro noch nicht mitgerechnet. Vom Veranstalter gab es bis heute noch nichtmal eine Entschuldigung.

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