Kanaren: droht eine neue Plage durch den Roten Palmrüssler?

Palmrüssler 1

Wo er auftaucht, sterben Palmen massenhaft. Die Rede ist vom „Roten Palmrüssler“ (Rhynchophorus ferrugineus). Die Spanier nennen ihn „picudo rojo“. Der wohl gefährlichste Palmenschädling der Welt kommt eigentlich aus Südostasien, wo er vor allem in Sumpfgebieten vorkommt. Mittlerweile kommt er praktisch weltweit überall dort vor, wo Palmen wachsen. Lokal verbreitet sich der Rüsselkäfer fliegend. Seine Reise über Kontinente hinweg erfolgt mit Palmen, die als Handelsware um die Welt geschickt werden.

Auf den Kanaren galt der Rote Palmrüssler eigentlich seit 2016 als besiegt, nachdem seit 2013 keine Exemplare mehr entdeckt werden konnten. Damit waren die Kanarischen Inseln weltweit die einzige Region, wo der lästige Käfer als ausgerottet galt.

Doch plötzlich herrscht wieder Panik bei Umweltschützern und den Verantwortlichen von öffentlichen Grünanlagen. Auf Gran Canaria wurde ein Exemplar in einer der immer noch aufgestellten Fallen entdeckt. Diese Falle ist in der Nähe der Kompostierungsanlage in „El Lasso“ aufgestellt. Dort werden alle Pflanzenreste aus Las Palmas, mit Ausnahme von Palmenresten, zu Kompost verarbeitet. Pflanzenreste, die von Palmen stammen, werden gesondert auf der Mülldeponie entsorgt. Allerdings kann es dazu kommen, dass Pflanzenreste vorschriftswidrig gemischt werden und dann doch Palmenteile in der Kompostanlage landen. Daher ist zurzeit auch nicht bekannt, von welchem Ort Gran Canarias der entdeckte Palmrüssler stammt.

Es gibt in Las Palmas noch zwei weitere Fallen, die alle zwei Wochen kontrolliert werden. Sie sind Teil des Protokolls zur Kontrolle des „picudo rojo“.

Nach der Entdeckung des Käfers untersuchten Experten alle Palmen im Umkreis von einem Kilometer von „El Lasso“. Dabei fanden sie keine weitere Exemplare.

Der Rote Palmrüssler war 2005 erstmals auf den Kanarischen Inseln aufgetreten. Auf Gran Canaria und Fuerteventura hatte man insgesamt 16 Verbreitungsherde ausgemacht. Auf Teneriffa war dagegen nur eine Zone betroffen. Insgesamt sind dem Schädling mindestens 1.300 Palmen zum Opfer gefallen.

Nur eine einzige befallene Palme reicht aus, um den gesamten Bestand zu vernichten

Ohne intensive Bekämpfungs- und Kontrollmaßnahmen hätte der Rüsselkäfer sicher noch viel mehr Palmen dahingerafft. Das Hauptproblem bei einer Palmrüsslerplage ist es, den Befall überhaupt zu entdecken. Sobald die Palme Symptome zeigt, also z.B. gelb und schwächlich wird und Blätter verliert, ist es schon zu spät. Die Palme ist dann unwiederbringlich verloren und muss gefällt und verbrannt werden. Nur so verhindert man, dass die Larven zu Käfern werden und weitere Palmen infizieren.

Insgesamt mussten die Inspektoren während der Zeit der Plage zwischen 2005 und 2013 rund 706.000 Palmen auf einen möglichen Befall kontrollieren, davon 388.210 Palmen auf Fuerteventura, 288.149 auf Gran Canaria und 29.722 auf Teneriffa. 459 Palmen auf Fuerteventura und 200 auf Gran Canaria mussten nach diesen Kontrollen gefällt werden. 681 Käfer gingen in Fallen mit speziellen Lockstoffen. Die Zahlen klingen auf den ersten Blick vielleicht nicht dramatisch. Aber wenn man bedenkt, dass nur eine einzige infizierte Palme ausreicht, um den gesamten Bestand in einer Region zu vernichten, dann wird klar, dass die Palmen auf Gran Canaria und Fuerteventura nur knapp einer Katastrophe entkommen sind.

Eine weitere Maßnahme zur Eindämmung des Roten Palmrüsslers war ein Importverbot für Palmen. Es durften nur noch Samen und Palmen mit einem Stammdurchmesser von weniger als 6cm auf die Kanaren eingeführt werden. Die meisten Palmen auf den Kanarischen Inseln stammen aus Baumschulen in Marokko.

Nun bleib zu hoffen, dass der Palmrüssler auf Gran Canaria früh genug entdeckt wurde, um Schlimmeres zu verhindern.

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