Die QR-Code-Posse von Pájara

Naturführer w

Wer kennt sie nicht, die Anekdoten der Schildbürger? Da wurden damals in Schilda die Stadtmauern eingerissen, weil die gefällten Bäume nicht quer durch das Tor passten. Als man merkte, dass man die Bäume auch längs durch das Tor hätte tragen können, brachte man die Bäume wieder hinaus, reparierte die Mauer und trug die Baumstämme erneut der Länge nach in die Stadt.

Die Posse, die sich die Gemeinde Pájara in ihren gedruckten Werbebroschüren für die Tourismusmesse FITUR 2019 geleistet hat, steht den Geschichten der Schildbürger in nichts nach.

Die Geschichte beginnt bereits im Jahre 2015, als die Tourismusabteilung der Gemeinde Pájara die Erstellung einer „Guía de la Naturaleza de Pájara“, also eines „Naturführers“ in Buchform, in Auftrag gibt.

Insgesamt lässt die Gemeinde sich dieses Werk mindestens 37.908€ kosten. Davon entfallen 12.000€ auf Autorenhonorare und 10.000€ für den Satz und Druck einer uns unbekannten Zahl von Exemplaren. Weitere 8.500€ entfallen auf die Entwicklung einer dazugehörigen App und 7.408€ auf „die Auswahl, Anpassung und das Hochladen von Inhalten“ für diese App. Die im Rahmen des Transparenzgesetzes zwingend vorgeschriebenen Veröffentlichungen der Gemeinde sind unvollständig. Möglicherweise sind noch weitere Kosten für Übersetzungen angefallen.

Ob diese App jemals fertig gestellt wurde und online gegangen ist, konnten wir nicht überprüfen.

Das Buch jedoch existiert, zumindest in digitaler Form, in Spanisch, Englisch und Deutsch. Und es ist wirklich sehr informativ und toll gemacht.

Ein Besuch im Tourismus-Informations-Büro im November 2018 ergab, dass man auch dort das Buch noch nie in Papierform gesehen habe. „So etwas werde ja nur für die Chefs gedruckt“, hieß es lapidar.

Auf die Frage, wie denn die interessierte Urlauberschaft von dem Werk profitieren sollte, wenn es nirgendwo zu bekommen ist, drückte man mir einen aufwändig produzierten Prospekt in die Hand. Darin wird der „Naturführer“ beworben und es gibt einen QR-Code mit einem Link zur digitalen Version als PDF-Datei.

Für diejenigen, die nicht wissen was ein QR-Code ist: Es handelt sich dabei um ein Quadrat mit einem schwarz-weißen Muster, der einen maschinenlesbaren Code enthält. Diesen kann man mit der Kamera eines Mobiltelefons scannen und so direkt die verlinkte Datei herunterladen.

Natürlich habe ich den QR-Code noch in Gegenwart der Mitarbeiter der Tourismus-Information ausprobiert. Und, oh Wunder, der im Code hinterlegte Link war fehlerhaft. Die Datei existiert nicht an der erwarteten Stelle.

Das Problem sei schon bekannt. Man habe Aufkleber mit einer korrigierten Version des QR-Codes bestellt, erklärte die Mitarbeiterin nach telefonischer Rücksprache mit ihrer Chefin.

Moment, wollten die allen Ernstes möglicherweise tausende von gedruckten Prospekten mit Aufklebern „korrigieren“!? Genau das war der Plan!

Wie viele Stunden mussten wohl die armen Mitarbeiter damit zubringen, Aufkleber in Prospekte zu kleben?

Bei dem Gedanken, dass die armen Mitarbeiter möglicherweise tagelang Aufkleber in Prospekte kleben sollten, kam mir zum ersten Mal der Gedanke an die Schildbürger.

Mir war sofort klar, dass es mindestens zwei sehr einfache technische Lösungen gibt, das Problem mit einem fehlerhaften QR-Code zu lösen: Zum einen könnte man ganz einfach eine Kopie der Datei an die Stelle auf dem Server legen, zu der der QR-Code verweist. Zum anderen hätte man ein „redirect“, also eine Umleitung, auf dem Server einrichten können. Für beide Lösungen braucht auch ein Anfänger-Webmaster nicht mehr als 5 Minuten.

In einer Konversation im November 2018 bestätigte mir der Webmaster der Gemeinde, dass die erste Lösung problemlos machbar sei. Ich glaubte also, also, die armen Mitarbeiter vor dem Aufkleber-Kleben bewahrt zu haben.

Gut zwei Wochen später probierte ich den QR-Code in dem Prospekt noch einmal aus. Dieser funktionierte noch immer nicht. Also rief in wieder in der Gemeinde an und sprach diesmal mit der Tourismusabteilung, die für den Naturführer und den Prospekt verantwortlich ist. Diese wunderte sich nur, weil der Webmaste ihr gar nichts über eine mögliche Lösung gesagt habe. Aber man habe ja eh schon Aufkleber bestellt.

Und so kam es wie es kommen musste: auf der Fitur 2019 präsentierte die Gemeinde stolz ihre mit Aufklebern versehene Prospekte. Und der QR-Code funktionierte tatsächlich. Also gut, Schildbürger-Lösung, aber immerhin eine funktionierende.

Die große Überraschung kam dann ein paar Wochen später auf der ITB in Berlin.

Die Gemeinde Pájara hatte es zwar nicht für nötig gehalten, eigene Repräsentanten zur ITB zu schicken. Aber über das Fremdenverkehrsamt hatten zumindest die mit Aufklebern versehenen Prospekte (in spanischer Sprache) den Weg nach Berlin gefunden. Wir baten einen Bekannten, der auf der Messe anwesend war, den QR-Code auf den Aufklebern auszuprobieren.

Und siehe da, der QR-Code auf den Aufklebern funktionierte schon wieder nicht! Man hatte offenbar bei dem Dienstleister uQR.me einen dynamischen QR-Code eingerichtet. Allerdings hatte man wohl übersehen, dass die bei diesem Dienstleister eingerichteten dynamischen QR-Codes nach einem Monat kostenpflichtig sind. Ohne Zahlung keine Weiterleitung!

Jetzt hat die Gemeinde also für fast 40.000 Euro einen wirklich lesenswerten Naturführer herausgebracht und wollte diesen mit einem teuren Prospekt auf der FITUR und der ITB bewerben. Und obwohl man seit November 2018 wusste, dass es ein Problem mit dem QR-Code gibt, hat man es letztlich nicht geschafft, diesen Naturführer dem Publikum zum Zwecke der Tourismuswerbung zugänglich zu machen!

Eine schlechtere Lösung hätten die Schildbürger sicher auch nicht gefunden!

2 Kommentare

  1. Verlinkt doch einfach das Bild mit dem Code mit der richtigen URL, so schafft ihr mehr Bewegung auf eurer Seite, helft denen die das Ding haben wollen und zeigt den Schildbürgern wie es geht. d(-_-)b

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