Zwei Gutachten zeigen: öffentliche Wasserversorgung auf Fuerteventura in desaströsem Zustand

Entsalzungsanlage-Puerto-del-Rosario

Das Consorcio de Abastecimiento de Aguas de Fuerteventura (CAAF) ist der einzige Wasserversorger der kanarischen Inseln, der zu 100% in der öffentlichen Hand ist. Folglich wird das CAAF nicht wie ein Unternehmen, sondern wie eine Behörde geführt. Sofern überhaupt von Führung die Rede sein kann. Denn laut Aussage der Cheftechnikerin gibt es keinerlei Berichtswesen, das dazu dienen könnte, die Probleme der Wasserproduktion und -distribution zu analysieren bzw. zu lösen. Auch sonst ist das System der öffentlichen Wasserproduktion und Verteilung auf Fuerteventura marode. Als Privatunternehmen wäre das CAAF sicher schon längst pleite

Personalmangel in allen Bereichen

Eines der Gutachten vom März 2019 kommt zu dem Schluss, dass es keine erkennbare Führung gebe. Stattdessen sei die tägliche Arbeit reine „Flickschusterei“. „Wir können uns nicht organisieren und nicht planen, sondern müssen uns von Tag zu Tag hangeln, um sicherzustellen, dass die Kunden Wasser bekommen.“

Der Informationsmangel geht so weit, dass wir keine Daten zur Wasserdistribution nach Sektoren und keine Angaben zu Mindestdurchflussmengen haben. Es fehlen mathematische Modelle, es gibt keine Aufzeichnungen zu Rohrbrücken etc. All dies wäre erforderlich, um die Wirtschaftlichkeit der Wasserversorgung auf Fuerteventura zu verbessern.

Der Mangel an Information ist in erster Linie durch den Mangel an Personal bedingt. Laut Gutachten gibt es nur in Puerto del Rosario Arbeitsberichte über Reparatureinsätze, die vollständig sein können, oder aber auch nicht. In La Oliva gibt es jedoch keine Arbeitsberichte, weil es schlicht nicht genug Zeit gibt, diese zusätzlich zu den Reparaturarbeiten auch noch anzufertigen.

Schließlich fehlt auch Personal für einen Bereitschaftsdienst am Wochenende. Rohrbrüche müssen dann also bis Montag warten, bis sie repariert werden können.

Fuerteventura hängt zu 100% von Meerwasserentsalzung ab

Auf Fuerteventura fließt ausschließlich entsalztes Meerwasser durch die Leitungen. Entsprechend hoch ist der Energieaufwand zur Wassererzeugung. Die (wenig belastbaren Zahlen) gehen von Produktionskosten von rund 0,55€ pro Kubikmeter aus. Rund zwei Drittel davon sind Energiekosten. Allein die Energiekosten für die Wasserproduktion belaufen sich auf rund 4,1 Mio. Euro pro Jahr.

Marode Entsalzungsanlagen

Obwohl die Meerwasserentsalzung für Fuerteventura lebensnotwendig ist, sind die Anlagen alles andere als modern. Die Entsalzungsanlage von Puerto del Rosario hat eine Kapazität von 26.000 m³ pro Tag. Doch zwei Module der Anlage, die 5.000m³ pro Tag produzieren, sind bereits 28 Jahre alt. Die technische Lebensdauer eines Entsalzungsmoduls wird Gutachten jedoch nur mit 20 Jahren beziffert.

Daher ist es dringend nötig, diese Module gegen neue auszutauschen, die 2.000 m³ mehr pro Tag produzieren können. Die Nachfrage sei sei zwischen 2015 und 2018 um rund 35% gestiegen. Dies liege aber nicht nur an einem Wachstum der Bevölkerung, sondern vielmehr an den zunehmenden Leitungsverlusten. Laut Gutachten müsse die Kapazität der Anlage in Puerto del Rosario um 15.000m³/d erweitert werden, um kurzfristig die Wasserversorgung der Gemeinde und der gesamten Insel zu garantieren.

Doch die Ausweitung der Produktionskapazität alleine kann den Engpass nicht lösen. Es sei ebenso dringend die Verlegung einer dritten Leitung von der Entsalzungsanlage zum Wasserdepot bei La Herradura nötig. Die derzeitigen Leitungen können nur maximal 26.000m³ pro Tag dorthin befördern. Der Bebaungsplan von Puerto del Rosario verbietet jedoch die Verlegung von Wasserleitungen in „geschützten ländlichen Gebieten“. Daher müsse ein solches Vorhaben nach dem Kanarischen Bodengesetz als „von öffentlichem Interesse“ erklärt werden. Oder die Gemeinde müsse ihren Bebauungsplan ändern.

Auch in Corralejo haben die Elemente der Meerwasserentsalzungsanlage schon zwischen 18 und 26 Jahre auf dem Buckel. In Gran Tarajal ist die Situation ähnlich, wenngleich einige Module mit 11 Jahren noch vergleichsweise jung sind. Auch hier fehlt es an allen Ecken und Enden an Personal, um ordnungsgemäße Wartung und Datenerhebungen durchzuführen.

Leitungsverluste bei rund 50%

Laut Gutachten sind die Leitungsverluste in den letzten 4 Jahren um 10 Prozentpunkte gestiegen. Mittlerweile erreichen die Leitungsverluste rund 50%. Das bedeutet, das für jeden Kubikmeter Wasser, der beim Endabnehmer abgerechnet werden kann, zwei Kubikmeter Wasser produziert werden müssen.

Der wirtschaftliche Schaden durch diesen Umstand wird im Gutachten auf rund 4,6 Mio. Euro pro Jahr beziffert.

Viele Menschen können inzwischen ein Lied davon singen, wie sich ein Leben ohne fließendes Wasser anfühlt. In manchen Orten müssen die Bürger bis zu 15 Tage ohne Wasser ankommen. Dies geht nur mit Reservetanks am Haus, die um ein Vielfaches größer sind, als in den Bebauungsvorschriften aufgeführt.

Die öffentliche Wasserversorgung ist zweifelsfrei eines der wichtigsten und dringendsten Problem auf Fuerteventura. Allerdings ist nicht die gesamte Insel davon betroffen, denn nicht überall wird die Wasserversorgung vom CAAF bereitgestellt.

In Costa Calma wird das Trinkwasser von einem Privatunternehmen produziert und verteilt. In Morro Jable liefert das Unternehmen CANARAGUA das wertvolle Gut und auch in Antigua ist die Wasserversorgung nicht vollständig in öffentlicher Hand.

Das Wasser der privaten Wasserversorger ist zwar etwas teurer als das Wasser des CAAF. Doch die Versorgung ist wesentlich stabiler und nicht von so häufigen Unterbrechungen geplagt. Doch letztlich ist der subventionierte Wasserpreis des CAAF Augenwischerei. Denn die für Verluste müssen alle Bürger aufkommen, wenn auch nicht über die Wasserrechnung, sondern über Steuerzahlungen.

Die neue Regierung im Cabildo von Fuerteventura hat mit der Sanierung des CAAF sicher eine schwierige Aufgabe vor sich. Sicher müssen auch alternative Lösungen analysiert werden. Möglicherweise könnten die Gemeinden wie z.B. Pájara besser fahren, sich aus dem Konsortium zu lösen und die Wasserversorgung auf eigene Faust zu organisieren. Meerwasser, Sonne und Wind gibt es in der Gemeinde ja mehr als genug, sodass man problemlos nachhaltige Entsalzungsanlagen in der Nähe der zu versorgenden Ortschaften bauen könnte.

6 Kommentare

  1. Die Entsalzungsanlage der Costa Calma befindet sich schräg gegenüber vom Hotel SBH Fuerteventura Playa.

  2. Costa Calma besitzt also eine “eigene, unabhängige” Wasserversorgung. Meine Frage ist nur, woher kommt denn das Wasser? Ich kenne keine Meerwasserentsalzungsanlage noch einen Speichersee in der Nähe. Wer weiss mehr?

  3. Das Problem ist, dass die einzelnen Cabildos nicht zusammen arbeiten und jeder auf seine Gemeinde guckt um das beste heraus zu schlagen. Was dann von der eigentlichen Inselregierung angestoßen wird ist fast immer das falsche. Das sieht man am besten an den vergebenen Bauaufträgen der letzten Jahre und deren Umsetzung. Bevor Behörden hier handeln vergehen teilweise mehr als 3 Jahre, so war es auch beim Bau des Las Rotondas. Alles nur ein Flickenteppich.
    Seltsam das sich keiner für die Insel richtig einsetzt, zumal man vom Tourismus lebt. Wenn die Wasserversorgung zusammen bricht, können ganz schnell auch Hotels in den Ruin getrieben werden.
    Eine öffentliche Vertretung finde fänd ich super.

    Lg aus Deutschland

  4. Adolfo meint!
    Vor wenigen Tagen habe ich in einem Kommentar zu der all so tollen Autobahn, die man für zigmillionen Euros gebaut hat meinen Unmut darüber niedergeschrieben und auch angesprochen, dass man das Geld für viel wichtigere auch Lebensnotwendige Dinge für die Bevölkerung auf Fue hätte verwenden sollen.
    Allem Anschein nach, liege ich da mit meiner Meinung garnicht soweit von den bestehenden unglaublichen Zuständen, die ich persönlich eigentlich schon als Mißstände / Notstände bezeichnen möchte entfernt.
    Kann man nur hoffen, dass die Inselregierung mal langsam wach wird und den Verpflichtungen, die sie den Bürgern gegenüber hat, von denen sie ja auch gewählt wurde, nachkommen und die Finger von irgendwelchen Prestigeobjekten lassen und sich endlich den lebensnotwendigen Dinge mit aller Macht zuwenden.
    Saludos Adolfo

  5. Die Prioritäten der Nutzung von Geldern optimieren. Weniger Geld für Denkmähler und Bauprojekte die sowieso keinen Mehrwert für Insel Bewohner erzeugen können investieren und für genau solche Lebensnotwendigen Projekte ausgeben. Währe es eine Idee einen “Verein” zur öffentlichen Vertretung der Inselinteressen zu gründen der eng mit den Medien kooperiert um Politik und Mächtige mit den richtigen Anliegen konfrontiert und öffentlich zum vernünftigen und zielgerichteten Handeln motiviert? Ich selbst bin überzeugt das es viele Bewohner gibt die dem Verein beitreten wollen und die Probleme besser kennen als so mancher Politiker oder Amtsträger. Gemeinsam kann man eben mehr bewegen als einzeln. Viele herzliche Grüße aus Deutschland!

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