Hausgemachtes Sicherheitsrisiko: auf Fuerteventura fehlen rund 250 Polizeibeamte

Policia-Local-Tuineje-Fuerteventura

Guardia Civil, Policía Nacional, Policía Local und Policía Canaria. Bei vier verschiedenen Polizei-Corps, die auf Fuerteventura vertreten sind, verliert man leicht den Überblick darüber, wer wofür zuständig ist.

Doch die Gewerkschaften und Vereinigungen der verschiedenen Polizeieinheiten warnen vor erheblichen Sicherheitsrisiken auf Fuerteventura. Nach ihren Berechnungen fehlen auf der Insel rund 250 Polizeibeamte.

Wer auf Fuerteventura schon einmal auf die Hilfe der Polizei angewiesen war, hat den Personalmangel vielleicht schon am eigenen Leib gespürt.

Als wir vor einiger Zeit nach einer vorsätzlichen Sachbeschädigung an unserem Redaktionsfahrzeug den Täter unmittelbar nach der Tat mit körperlichem Einsatz am Verlassen des Tatorts hindern mussten, dauerte es mehr als eine halbe Stunde, bis endlich die Polizei erschien. Und das obwohl der Einsatzort nur drei Minuten von den Polizei-Revieren der Guardia Civil und der Gemeindepolizei in Morro Jable entfernt war und wir mit zwei weiteren Anrufen darauf hinweisen musste, dass die Situation zu eskalieren drohte.

Wenn man telefonisch eine schwere Ordnungswidrigkeit oder Straftat meldet, muss man durchaus mit der lapidaren Antwort rechnen, dass die Streife gerade irgendwo anders unterwegs ist, und dass man sich daher auf eine längere Wartezeit einstellen müsse.

Gerade in einer Gemeinde mit einer so riesigen geographischen Ausdehnung wie Pájara kann die reine Fahrzeit von einer Gemeindegrenze zur anderen locker 45 Minuten betragen.

Größter Polizistenmangel in Fuerteventuras Hauptstadt

Der Mangel an Polizeibeamten ist auf Fuerteventura schon seit Jahren ein Problem.

Die Zahl der Beamten, die bei der Policía Local, also der Gemeindepolizei, im Einsatz sein sollen, berechnet sich nach der Einwohnerzahl der Gemeinde und bestimmten Gewichtungsfaktoren.

Grundsätzlich sollen auf je 1.000 Einwohner 1,8 Polizeibeamte kommen. Hinzu kommen jeweils 0,1 Beamte pro 1.000 Einwohner, wenn es sich um eine touristische Gemeinde handelt, die Gemeinde geographisch sehr groß ist, wenn es über das Gemeindegebiet verstreute Ortschaften gibt und wenn eine hohe Kriminalitätsrate oder hohes Verkehrsaufkommen herrscht.

Für praktisch jede Gemeinde auf Fuerteventura sind mindestens drei dieser Gewichtungsfaktoren anzuwenden, weshalb mindestens 2,1 Gemeindepolizisten pro 1.000 Einwohner im Dienst sein müssten.

In Puerto del Rosario gibt es derzeit 32 Beamte bei der Policía Local, davon sind 4 schon länger krankgeschrieben. Es fehlen also rund 60 weitere Polizisten allein in der Hauptstadt und der gleichnamigen Gemeinde Puerto del Rosario.

So kommt es vor, dass in Puerto del Rosario in manchen Schichten gerade einmal 3 Polizeibeamte zur Verfügung stehen. Einer schiebt Dienst im Büro und nimmt Anrufe entgegen. Zwei fahren Streife bzw. rücken zu Einsätzen aus. Wenn einer der drei Diensthabenden dann z.B. durch Krankheit ausfällt, muss die Polizei zum Streife Fahren auf privates Sicherheitspersonal zurückgreifen. Wenn zwei Notrufe gleichzeitig eingehen, kann nur einer bedient werden, weil keine zweite Streife zur Verfügung steht.

Verständlich, dass die Polizei z.B. kein Ohr dafür hat, wenn ein Nachbar mit seiner Musik das ganze Viertel volldröhnt.

Polizistenmangel auch in den anderen Gemeinden auf Fuerteventura

In Pájara, der flächenmäßig größten Gemeinde Fuerteventuras sind 56 Beamte beschäftigt. 84 müssten es mindestens sein.

In La Oliva gibt es 26 Policías Locales. 51 wären notwendig. In Antigua gibt es 19 Beamte, weitere 19 fehlen. Tuineje 14 Polizeibeamte, 8 weniger als nötig.

Insgesamt fehlen in den 6 Gemeinden auf Fuerteventura nach Berechnungen der Gewerkschaft der Polizisten und Feuerwehrleute rund 140 Beamte allein bei der Policía Local.

Bei der Guardia Civil auf Fuerteventura ist es nicht besser

Bei der Guardia Civil auf Fuerteventura fehlen nach Angaben der Gewerkschaften rund 80 bis 100 Beamte. Anders als bei der Gemeindepolizei gibt es aber keine feste Formel zur Berechnung der Ratio zwischen Polizisten und Einwohnern.

Bei der Nationalpolizei fehlen auf Fuerteventura rund 35 Beamte.

Auto der Nationalpolizei vor dem Gerichtsgebäude in Puerto del Rosario

Am deutlichsten wird der Personalmangel auf Fuerteventura bei der sogenannten „Patrulla Fiscal y de Fronteras“ der Guardia Civil (vergleichbar mit dem deutschen Zoll). Gerade einmal 10 Beamte stehen zur Überwachung der Grenzen mit dem System SIVE, zur Bekämpfung von Menschenhandel, Drogen- und sonstigem Schmuggel und für Delikte im Bereich der Markenfälschung und für die Lebensmittelkontrolle zur Verfügung.

Langwierige Ausbildung erschwert Neueinstellungen

Stellen für neue Polizisten müssen zuerst ausgeschrieben werden. Nach einer Eignungsprüfung müssen die Kandidaten die Polizeischule absolvieren und danach z.B. für die Gemeindepolizei 1.200 Stunden Praktikum absolvieren.

Selbst in den Gemeinden, die das Ausschreibungsverfahren bereits begonnen haben, wie z.B. Tuineje, dauert es noch mindestens bis 2023, bevor neue Beamte ihren Dienst aufnehmen können. Bis dahin werden aber bereits weitere Beamte in den Ruhestand gegangen sein.

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15 Kommentare

  1. Wir waren vor 3 Wochen in der Gemeinde Morro Jable und haben uns auf der gesamten Insel sehr sicher gefühlt, egal ob wir in Touristenhochburgen waren oder abseits der Touristenpfade. Polizeipräsenz war in allen Orten da und es wurden auch stichartig Kontrollen durchgeführt. Auch an den Stränden waren Rettungsschwimmer im Dienst. An den Stränden von Corralejo war die Aufmerksamkeit der Rettungsschwimmer besonders gefordert, da sich immer wieder Touristen in Gefahr begeben haben und bei Ermahnungen teilweise sehr uneinsichtiges Verhalten gezeigt haben. Ein ganz großes Lob an die Rettungskräfte.

  2. Erstaunt hat mich im August, dass die Polizei an der Costa Calma gegen 18,00 Uhr Zeit hatte auszurücken, um einen Vater mit kleinen Kindern die einen Drachen am Strand steigen ließen zu maßregeln. Die Polzei war 10 Minuten nach Auspacken des Drachens bereits da. Wer ruft wegen so etwas die Polizei?

    Als innerhalb einer Woche die dritte laute Party am Strand stattfand, habe ich die Polizei angerufen. Nachts um 3.00 Uhr brauchte sie über eine halbe Stunde um zu erscheinen und nochmals eine halbe Stunde um die Party mit den Worten: „Da hat eine Frau aus dem Hotel angerufen und sich über Euch beschwert“ aufzulösen. Das habe ich auf dem Balkon in 50 Metern Entfernung verstehen können. Den restlichen Müll der Party habe ich dann am nächsten Morgen entsorgt.
    Es wäre bedauerlich gewesen, wenn ein drachensteigenlassendes Kind barfuß in den Korkenzieher gerannt wäre ;))

    Mein Gedanke war: Eventuell hängt die Geschwindigkeit des Erscheinens davon ab, wer anruft.

  3. @Thomas Wolf:

    nundenn ….

    da nimmt die Polizei hoheitliche Aufgaben wahr, ist unterbesetzt – und hat dann auch noch Arbeit an der Backe, weil Alarmleitungen von Häusern, deren Besitzer dafür bzahlen, direkt zur Polizei gehen.

    Durch den Status „erheblich unterbesetzt“ werden Einbrüche begünstigt, es gibt mehr Alarmleitungen, in Folge mehr Arbeit und damit eine größere Diskrepanz => die Unterbesetzung nimmt zu.

    das Rad dreht sich falsch herum!

  4. Hola
    Im Prinzip das selbe Problem wie anders wo auch zb. auch in Deutschland.
    Jahrelang wurde dahingehend nicht gegengesteuert leider.
    Das gilt auch für andere Bereich im Öffentlichen Bereich zb. in D Bussfahrer und Zug Schaffner.
    Jahrelang keine eingestellt und dann zig in Ruhestand geschickt.
    Problem erkannt aber nicht angegangen und nicht gelöst.
    Schätze das ist überall ähnlich gelagert die Problematik.
    Schönen Tag noch

  5. Wenn ich das richtig verstanden habe, am Beispiel von Tuineje, dauert gerade mal 1 Jahr eine Ausbildung zum Polizeibeamten. (Ausschreibung 2021, Eignisprüfung und Polizeischule und Praktikum von mehr als 3 Monaten im Jahr 2022) 2023 dann im Dienst als veramteter Polizist.
    Erscheint mir recht kurz für eine Berufsausbildung, was ist daran langwierig?! Wäre noch interessant zu hören welche Bildungsabschlüsse und sonstige Voraussetzungen für die Bewerbung nötig sind.

  6. Hättet ihr den Bericht auch geschrieben, wenn es diesmal nicht explizit euch erwischt hätte? Fuerteventura ist doch sooo sicher, oder?

    • Der im Artikel geschilderte Vorfall ist bereits mehrere Jahre her. Und ja, nach meinem eigenen Erleben der Insel ist Fuerteventura für mich weiterhin sehr sicher…
      Aber das Fehlen von Polizisten wird natürlich natürlich einen Einfluss die subjektive und objektive Einschätzung der Sicherheit haben.

  7. Andererseits haben sie immer noch Zeit genug um einfache Kontrollen bis in die Unendlichkeit hinauszuzögern und Leuten auf den Sack zu fallen, die Ihnen ein Dorn im Auge sind, schreibe das jetzt mal ganz platt und natürlich auch aus eigener Erfahrung.

  8. Die Warnehmung ist – zumindest bei mir – eine andere. Auf der Strecke von Costa Calma nach Puerto del Rosario sind fast immer Kontrollen. Heute wieder am Kreisverkehr Gran Tarajal und am Kreisverkehr bei Ikea. Gestern beim Kreisverkehr Aldiana vor Jandia. Für diese Aufgaben scheinen genügend Beamte zur Verfügung zu stehen.

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