Strafverfahren gegen prämierte Käserei wegen illegaler Entsorgung von Molke auf Fuerteventura

Abwasser-Käserei

Erst Anfang November 2021 wurde ein Käse der Marke Selectum, produziert von der Käserei „Grupo Ganaderos de Fuerteventura SL“, beim World Cheese Award mit der Auszeichnung „Super Gold“ zu einem der besten Ziegenkäse der Welt gekürt.

Und auch sonst glänzt die Firma immer wieder mit nationalen und internationalen Preisen für ihre ausgezeichneten Produkte der Marken „Maxorata“ und „Selectum“.

In 2017 erhielt das Unternehmen aus den Händen des damaligen Präsidenten der kanarischen Regierung die Ehrung als „bestes Familienunternehmen der Kanarischen Inseln 2017“.

Doch bereits in 2014 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen und seinen Geschäftsführer eingeleitet. Nach dem Abschluss des Ermittlungsverfahrens wurde ein Termin zur mündlichen Hauptverhandlung für Januar 2023 angesetzt.

Dies berichtet das kanarische Onlinemedium Diariodefuerteventura.com unter Berufung auf Informationen aus der Staatsanwaltschaft. Demnach fordert die Staatsanwaltschaft 3,5 Jahre Haft, Geldstrafen von insgesamt 181.500€ und die „Wiederherstellung der beeinträchtigten Umwelt“, sowohl im Barranco (=“Trockenflussbett“) von Gran Tarajal und im angrenzenden Meeresgebiet. Angeklagt wegen einer mutmaßlichen Umweltstraftat sind sowohl das Unternehmen als auch dessen Direktor.

Anlass für das Ermittlungsverfahren war die illegale Einleitung von Molke und sonstigen Abwässern, die von der SEPRONA, der Umweltpolizei der Guardia Civil, am 10. Juli 2013 im Verlauf des Barranco de Gran Tarajal entdeckt worden war. Schon zwei Jahre zuvor war auf einer Länge von zwei Kilometern eine illegale Einleitung entdeckt worden.

Selbst als das Ermittlungsverfahren schon lief wurden im April 2017 und im März und Mai 2018 mehrere illegale Einleitungen entdeckt worden.

Zwar wurde im Jahr 1987 von der Gemeinde eine Baugenehmigung für eine Rohrleitung von der Fabrik bis zur Meereseinleitungsstelle in Gran Tarajal erteilt. Allerdings wurden die erforderlichen Genehmigungen zur Einleitung von Molke in die Kanalisation oder in das Barranco weder bei der Gewässerbehörde Fuerteventuras noch bei der kanarischen Regierung beantragt bzw. erteilt.

In der Anklage betont die Staatsanwaltschaft, dass die Abwässer aus einer Käserei und insbesondere die Molke hochgradig kontaminierend seien. Auch wenn die genaue Menge der von der Fabrik generierten Abwässer nicht bekannt sind, schätzt die Staatsanwaltschaft, dass es sich um mindestens 40 Kubikmeter pro Tag gehandelt hat.

Die Staatsanwalt kommt zu dem Schluss, dass die Käserei „eine bekannte und klare Gefahr der Verschmutzung der Oberflächengewässer [Anm. der Redaktion: nach Regenfällen] und der unterirdischen wasserführenden Schichten verursacht habe. Durch die Einleitung der Molke sei die Nutzung der Gewässer durch den hohen Anteil an Stickstoff- und Phosphat-Verbindungen eingeschränkt. Die permanente Einleitung ins Meer dieser Abfälle der Käseproduktion habe außerdem das Gleichgewicht der Ökosysteme stark geschädigt.

Außerdem will die Staatsanwalt Unregelmäßigkeiten im Abfallmanagement entdeckt haben. Eine Inspektion durch die Seprona ergab, dass in einem Monat bei der Verarbeitung von rund 280.000 Litern Ziegenmilch rund 520.000 Liter molkehaltige Abwässer entstanden sein müssten. Dass Unternehmen konnte aber nur die ordnungsgemäße Entsorgung von 250.000 Litern nachweisen. Da das Unternehmen aber nur über einen Abwassertank von 15.000 Litern verfügt, fehlt ein Entsorgungsnachweis für rund 264.000 Liter. Diese Menge, so vermutet die Staatsanwaltschaft, hat das Unternehmen illegal ins Barranco bzw. ins Meer geleitet.

Blaualgen und Absterben von Seegras

Die Staatsanwaltschaft sieht einen Zusammenhang zwischen der Einleitung der nährstoffreichen Abwässer und der starken Dezimierung der Seegraswiesen in der Bucht von Gran Tarajal. Durch Überdüngung vermehren sich verstärkt Cyanobakterien, auch „Blaualgen“ genannt. Diese sollen eine wichtige Rolle beim Absterben von Seegraswiesen spielen.

Die Einleitung von solch großen Nährstoffmengen in ein „staubtrockenes“ Barranco mag auf den ersten Blick unproblematisch erscheinen. Doch spätestens bei den nächsten stärkeren Regenfällen, wenn die Barrancos Wasser führen, wird die „geballte Ladung“ auf einmal ins Meer gespült und ist dann zweifelsfrei geeignete, das biologische Gleichgewicht in der Bucht von Gran Tarajal durcheinander zu bringen.

Ob sich jedoch zweifelsfrei nachweisen lässt, dass der Rückgang der Seegraswiesen direkt durch die Einleitung von Molke verursacht wurde, ist wohl mehr als fraglich.

Das Strafverfahren wird sicherlich erst einmal keinen Einfluss auf die hervorragenden Produkte der Marken Selectum und Maxorata haben.

Doch ein fahler Nachgeschmack könnte den Genuss durchaus trüben, wenn man im Hinterkopf hat, dass das Unternehmen möglicherweise Gewinne auf Kosten der Umwelt eingefahren hat.

Nun heißt es abwarten bis Januar 2023, ob auch das Gericht die Ansicht der Staatsanwaltschaft teilt und eine strafbare Handlung erkennt.

In 2020 hat das Unternehmen einen Umsatz von rund 14,7 Mio. Euro erzielt. Die Gewinne waren von 1,2 Mio. in 2019 auf rund 585.000 Euro in 2020 geschrumpft.

Bestimme den Lohn für unsere Arbeit!

Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link:

https://www.fuerteventurazeitung.de/du-bestimmst-den-lohn-fuer-unsere-arbeit/

3 Kommentare

    • Es gibt durchaus die Möglichkeit, auf Fuerteventura Molke legal zu entsorgen. Wer den Artikel aufmerksam liest, erfährt, dass das Unternehmen dies auch mit einem Teil der Molke getan hat. Aber die ordnungsgemäße Entsorgung ist halt wesentlich teurer als die Molke ins Barranco zu kippen. Auch in Deutschland ist es für Milchbetriebe teuer, die Molke legal zu entsorgen.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Weitere Beiträge im Bereich Fuerteventura-Nachrichten