Zwei tote Schmutzgeier: Windpark mit 8 Generatoren auf Fuerteventura außer Betrieb genommen

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Am 11. und 18. März 2022 wurden in der Nähe der Windgeneratoren des Windparks bei Puerto del Rosario zwei verendete Exemplare des Fuerteventura-Schmutzgeiers gefunden. Die endemische Unterart Neophron percnopterus majorensis, die nur auf Fuerteventura und Lanzarote vorkommt, gilt als stark bedrohte Spezies.

Bei den verendeten Tieren soll es sich um ein Männchen und ein Weibchen in fortpflanzungsfähigen Alter gehandelt haben.

Nachdem die Umweltagenten der Inselregierung von Fuerteventura ihren Bericht erstellt und eingereicht hatten, ordnete die Generaldirektion für Naturschutz der kanarischen Regierung den Stopp der beiden Windräder an, an denen sich die Kollision ereignet haben soll.

Das Umweltgutachten, das zur Erteilung der Genehmigung des Windparks diente, sieht vor, dass die Windräder, an denen sich Kollisionen mit Vögeln ereignen, die zu einer geschützten Art gehören, gestoppt werden, bis geeignete Maßnahmen zur Vermeidung solcher Unfälle getroffen werden.

Der Betreiber der Windräder, das Unternehmen Naturgy, hatte sich daraufhin entschlossen, alle 8 Generatoren des Windparks vorläufig zu stoppen, also auch die, an denen es nicht zu Zwischenfällen mit geschützten Vögeln gekommen ist. Die Windräder sind in den Zonen La Asomada, El Time und Vega Nueva im Gemeindegebiet von Puerto del Rosario aufgestellt.

Mögliche Maßnahmen zur Vermeidung von Kollisionen

Für den Wissenschaftler José Antonio Donázar, der seit 20 Jahren an der Arterhaltung des Schmutzgeiers forscht, waren die beiden Todesfälle keine Überraschung. „Wir wussten von Anfang an, dass dieses Gebiet von den Schmutzgeiern genutzt wird“, erklärte er. „Das Traurige ist, dass die Gutachten, die Gutachten der „Biologischen Station von Doñana“ (Estación Biológica de Doñana) bei der Umweltfolgenabschätzung nicht berücksichtigt wurden, obwohl es der kanarischen Regierung vorlag“, führt er weiter aus.

Die Mitglieder der „Nachbarschaftsvereinigung für ein sauberes und nachhaltiges El Time“ gehen sogar noch einen Schritt weiter. Laut ihren Aussagen sei die „Studie über die Vogel-Fauna“, die Bestandteil des Umweltfolgengutachten ist, gar nicht unterschrieben.

Donázar glaubt, dass es nur eine wirksame Maßnahme gibt, um Kollisionen zwischen den Flügeln der Windräder und geschützten Vögeln zu verhindern: eine permanente Überwachung und manuelle Abschaltung, sobald sich Vögel in der Nähe befinden.

Andere Maßnahmen, wie das Anmalen der Flügel oder automatisch aktivierte akustische Systeme hätten sich dagegen als unwirksam erwiesen.

Die Angelegenheit dürfte nun auch die kanarischen Gerichte beschäftigen. Es sollen mehrere Anzeigen von Umweltschutzorganisationen und Privatleuten vorliegen.

Jedes Exemplar zählt

Als in 1999 das Schutzprojekt des Fuerteventura-Schmutzgeiers begann, gab es nur noch rund zwei Dutzend Brutgebiete und etwa 90 Exemplare insgesamt.

Nach über 20 Jahren intensiver Arbeit hat sich der Bestand auf insgesamt rund 400 Tiere erhöht, die rund 90 Brutgebiete auf Fuerteventura und Lanzarote zurückerobert haben.

Schmutzgeier sind sehr langlebige Tiere. Im Schnitt werden sie 20 Jahre alt, manche Exemplare erreichen sogar ein Alter von bis zu 30 Jahren.

Ein Brutpaar legt pro Jahr gewöhnlich ein einziges Ei, in seltenen Fällen auch mal zwei. Natürlich schlüpft nicht aus jedem Ei ein Küken. Und nicht jedes Küken erreicht das fortpflanzungsfähige Alter. Dies verdeutlicht, wie schwer der Verlust eines jeden einzelnen Tieres für die Erhaltung der Art wiegt.

Auf Fuerteventura stammen weniger als 12% des Stroms aus regenerativen Quellen

Laut Energiereport der kanarischen Regierung stammten in 2020 nur 12% des auf Fuerteventura erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen wie Photovoltaik und Windkraft.

Eine inselweite Planung für die Implementierung von regenerativen Energien auf Fuerteventura gibt es zurzeit nicht. Diese soll nach Angaben der Inselregierung von Fuerteventura noch vor dem Sommer 2022 vorliegen.

Bis dahin will man die Erteilung von Genehmigungen für neue Windparks und Solaranlagen möglichst verhindern. Man sei nicht gegen regenerative Energien. Aber diese müssten auf einer vernünftigen Planung basieren.

Wie an vielen Orten der Welt gibt es auch auf Fuerteventura heftige Interessenkonflikte bei den Zielen „globaler Klimaschutz“, „Landschaftsschutz“ und „Schutz der lokalen Natur“ und wirtschaftlichen Interessen.

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13 Kommentare

  1. Reden wir von finanzieller oder energetischer Amortisierung? Ich sehe noch die Wannen in Jena bei Wacker Schott Solar wo wir Monate Silizium gekocht haben. … Auch ceran kochfelder… alles wurde eingestellt! Energiekosten zu hoch + ohne Förderung nicht tragbar. Unsere private Anlage hat in 3 Jahren lächerliche Ergebnisse erzielt. Ihr werdet es noch sehen .

    • Du sprachst davon, dass PV-Anlagen „niemals Energie erzeugen“ würden, also geht es erst mal um energetische Amortisation. Die wirtschaftliche Amortisation ist bei steigenden Energiekosten und voranschreitender Technologie zweifelsfrei auch gegeben. Unsere eigene Anlage auf Fuerteventura funktioniert höchst wirtschaftlich. Ich rechne mit einer wirtschaftlichen Amortisation von maximal 4 Jahren. Wenn die Strompreise weiter steigen, werden´s wohl eher drei Jahre…

      • Lieber Herr Wolf, wollen wir weiter ideologisch geprägte Darstellung verbreiten oder der Wahrheit dienen? Strompreise haben nichts mit energetischer Amotisierung zu tun. Billig mit Atomstrom in China hergestellt, nur so geht das. Mal sehen wie lange noch.

        • Die Frage dürfte sein, wer ideologisch geprägt ist 😉 Um noch mal ganz vor vorne anzufangen: Du hattest sinngemäß behauptet, dass PV-Anlagen sich energetisch niemals amortisieren würden. Das würde bedeuten, dass für ihre Herstellung mehr kWh aufgewendet werden müssen, als sie während ihrer Lebensdauer erzeugen. Das ist eine rein technisch/physikalische Fragestellung und Deine Behauptung ist sachlich falsch. Die ideologische Verquickung dieser rein physikalischen Frage mit politischen und wirtschaftlichen Themen hattest Du ins Spiel gebracht.

  2. Hallo Urlauberin, PV Anlager werden NIE Energie produzieren können um damit Energiebedarf zu decken. Das Problem: man steckt mehr rein als dann unterm Strich rauskommt! Nur weil man mit günstiger chinesischer Energie solche Platten herstellt, ist das KEINE Energiequelle für die Zukunft! Die Idee PV lebt nur von politischen Entscheidungen und unseren Steuergeldern in Form von Förderung.

    • Roland, Du solltest vielleicht Dein Wissen auf den aktuellen Stand bringen. Die energetische Amortisationszeit einer PV-Anlage liegt je nach verwendetem Zellentyp zwischen 1,5 und 6 Jahren. Die Lebensdauer einer Anlage erreicht locker 20 Jahre.

  3. Hallo zusammen.
    Was soll man da schreiben … ? 🤔 😢
    Das ganze ist ja letztendlich ein globales Gemetzel.
    Die Dunkelziffer kennen wir nicht.
    In ein paar Jahren wird man sehen wie schlimm es ist.
    Liebe Grüße aus’m Ruhrpott.
    Und
    🐴 ⚒ GLÜCK AUF ⚒ 🐴

  4. Weiter so !!!!!!!! Hotels in Corralejo schließen wollen. Jetzt keine Windräder mehr. Mein Vorschlag für die Inselregierung: Die ganze Insel unter Naturschutz stellen. Dann wird man sehen, wie es dann den Inselbewohnern ohne Strom und Tourismus etc. gehen wird.

  5. Ich überdenke gerade Spanien als Urlaubsziel. Hier ist Sonne ohne Ende, und man tritt auf die Bremse bei der Sonnenenergie. Was soll dieser Quatsch, man wolle geplant genehmigen? Wieso muss die Insel Regierung planen, was auf den Dächern passiert? Wer bezahlt dieses schräge Denken? Wie kann man überhaupt noch Hotels ohne Solardach genehmigen? Der Krieg wird ein übriges tun. Wenn Spanien nicht auf die Idee kommt, Solar Energie zur Produktion von Wasserstoff zu nutzen, dann macht es halt Katar. Und hier gibt es weiter zu jedem Kleinkram die man kauft erst mal eine Plastiktüte. Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Und Insel Regierung, schlaf weiter.

  6. Auch hier könnte ich mir vorstellen, dass da von NGO’s etwas nachgeholfen wurde. Denn es gibt für diese Geierart keinen einzigen Grund in der Höhe der Rotorblätter zu fliegen. Ähnlich bei uns in Deutschland. Hier verhindert ein einziger Rotmilan ganze Windparks, obwohl es den Gabelweihen / Milanen in keinem Land der Welt so gut geht wie bei uns. Deshalb leben auch über 55% des Weltbestandes aller Milane in Deutschland.

  7. – Und unten warten schon die „Retter“.
    Das erinnert mich schwer an diese in Szenen gesetzte Aktion in Griechenland.
    https://www.youtube.com/watch?v=9srPoOU6_Z4

    Hier sieht man im unteren Video noch kurz den Gleitschirm, von dem aus das ebenfalls gefilmt wurde.
    https://www.wind-watch.org/video-vulture.php
    Der Geier wurde zuvor durch ein Aas am Sockel der Windmühle angefüttert.

    Sollte mich nicht wundern, wenn das hier auch so wäre, nachdem das Vergiften der Vögel ja nun doch mit einem gewissen Risiko verbunden ist.
    https://www.fuerteventurazeitung.de/2020/04/drei-vergiftete-schmutzgeier-in-cofete-im-sueden-fuerteventuras-gefunden/#:~:text=Cofete%20liegt%20im%20Naturschutzgebiet%20Parque,Nachwuchs%20ist%20folglich%20auch%20verloren.

    Gruss,
    p.

  8. Ich liebe sie, diese Geier. Helfen auch gegen die Windrad Seuche. Grosse Windräder gehören nicht an Land, sie belasten Anwohner in kilometerweit Umkreis!

    Etliche km auf See, da gehören die hin.

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