Traditioneller Viehtrieb (apañadas) auf Fuerteventura als immaterielles Kulturgut anerkannt

apanada-Ziegen-Fuerteventura

In manchen Reiseführern und auf manchen Webseiten ist zu lesen, dass auf Fuerteventura mehr Ziegen als Menschen leben. Wir nehmen gleich vorweg: diese Behauptung ist falsch.

Doch wie viele Ziegen leben tatsächlich auf Fuerteventura und wem gehören die vielen frei herumlaufenden Ziegen, die man auf der Insel oft beobachten kann?

Diese Frage beschäftigt nicht nur heute die Landwirtschaftsbehörde der kanarische Regierung, sondern interessiert auch schon seit Jahrhunderten die Menschen, die auf Fuerteventura von und mit den Ziegen leben.

Nach offiziellen Angaben des kanarischen Statistikinstituts (ISTAC) gibt es auf Fuerteventura 73.572 Ziegen (Stand 2023). Das ist nur etwas mehr als die Hälfte der rund 126.000 Einwohner auf Fuerteventura.

Heutzutage müssen alle Ziegen auf den Kanarischen Inseln mit einer elektronischen Ohrmarke oder einem Transponder, der im Netzmagen verbleibt, versehen und in ein Register eingetragen werden. Bei Ziegen, die auf einer Farm geboren werden, ist diese Registrierung relativ einfach.

Bei Zicklein, die von „frei“ lebenden Ziegen außerhalb einer Farm entbunden werden, ist die Sache schon etwas komplizierter.

Die Tradition der „apañadas“ auf Fuerteventura

In vergangenen Jahrhunderten wurden die Ziegen über Ohrmarkierungen ihrem jeweiligen Eigentümer zugeordnet. Dazu wurden an den Ohren Schnitte vorgenommen. Jeder Viehbesitzer verwendete ein eigenes „Schnittmuster“. Da die Zicklein bei ihrer Mutter bleiben, solange sie von dieser gesäugt werden, ist deren Zuordnung problemlos möglich.

Daher wurden die frei laufenden Ziegen einmal im Jahr zusammengetrieben. Dazu liefen dutzende von Leuten durch die Landschaft, um die Tiere in sogenannten „gambuesas“, kreisrunden Tiergattern aus trockenen Natursteinmauern, zu versammeln. Dort erhielten die Zicklein dieselbe Ohrmarke wie ihre Mutter. Gleichzeitig wurden Ziegenböcke kastriert, die den Zuchtkriterien nicht entsprachen, um so eine unerwünschte Fortpflanzung zu vermeiden.

Solche traditionellen „apañadas“ werden auch heute noch zu demselben Zweck veranstaltet wie schon vor hunderten von Jahren.

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traditionelle „apañada“ in Jandía im Süden von Fuerteventura

Immaterielles Kulturgut

Die Inselregierung von Fuerteventura (Cabildo) hat am 24. April 2024 bekannt gegeben, dass die apañadas, das traditionelle Zusammentreiben der freilaufenden Ziegen, von der Behörde für Kulturelles Erbe der kanarischer Regierung als immaterielles Kulturgut in der Kategorie „Wissen und Praktiken im Zusammenhang mit der Natur, dem Himmel und dem Meer“ anerkannt wurde.

Die Präsidentin des Cabildo de Fuerteventura, Lola García, erklärte, dass es eine Priorität der Inselregierung sei, die Kultur der Insel zu bewahren. In diesem Kontext entwickele man „verschiedene strategische Ansätze zum Schutz sowohl des materiellen als auch des immateriellen Erbes, um die Traditionen zu erhalten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden“.

Der Rat für kulturelles Erbe des Cabildo, Rayco León, erklärte seinerseits, dass „die apañadas ein ethnografisches Element von großem Wert und eines der am stärksten identitätsstiftenden Merkmale der Kultur Fuerteventuras sind“.

Die apañadas sind eine uralte Tradition, die von den Ureinwohnern übernommen wurde. Im Zusammenhang mit den apañadas ist über die Jahrhunderte eine Reihe von Regeln, Bräuchen und Glaubensvorstellungen entstanden.

Neben den bereits erwähnten gambuesas gehören dazu auch die Figur des Küstenbeauftragten („comisionado de costa“), der die höchste Autorität der für das Küstenvieh vorgesehenen Gebiete darstellt, sowie die Ohrmarken, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

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