Warum Fuerteventura und die übrigen Kanaren bei der Nutzung erneuerbarer Energien versagen

Kraftwerk-KI-Kanaren

Sonne und Wind gibt es auf Fuerteventura und den übrigen Kanarischen Inseln im Überfluss. Doch mit ihrer Nutzung tun sich die die Kanaren immer noch schwer.

Gerade einmal 20,1% des auf den Inseln in die Stromnetze eingespeisten Stroms stammt aus erneuerbaren Energien. 79,9% stammen folglich noch immer aus Öl und Gas.

79,2% des erneuerbaren Stroms stammen dabei aus Windenergie, 18,2% aus Photovoltaik. Biogas und Wasserkraft machen zusammen gerade einmal 2% des kanarischen Strommix aus.

Fuerteventura liegt mit einem Anteil der Erneuerbaren von 21,1% genau im Durchschnitt aller Kanarischen Inseln.

Lediglich Gran Canaria liegt mit einem Anteil von 23,7% deutlich darüber, wenn man die kleinste Insel El Hierro (48,5%) außen vor lässt. Auf El Hierro werden gerade einmal 0,55% des gesamten Stroms der Kanaren eingespeist.

Im weltweiten Vergleich stehen die Kanaren bei der Nutzung der regenerativen Energien trotz ambitionierter Ziele nicht besonders gut da. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung bereits bei rund 30%.

CO2-Ziele auf den Kanaren

In der letzten Debatte zur Lage der Nation hat der Präsident der kanarischen Regierung, Fernando Clavijo, bestätigt, dass die Kanaren „unabdingbar auf die Erreichung der C02-Neutralität bis 2040 setzen“.

Als Etappenziel hat man sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2030 insgesamt 62% des Stroms aus regenerativen Quellen stammt. Dazu müsste es jedoch gelingen, den derzeitigen Anteil innerhalb von 6 Jahren zu verdreifachen. Der Nationale Integrale Plan für Energie und Klima (PNIEC) fordert für die Kanaren „nur“ einen Anteil von 58%.

Die Kanaren müssten also „richtig Gas geben“, nachdem sie um die Jahrtausendwende die Energiewende 15 Jahre lang „verpennt“ haben.

Wenn man die Ernergieziele nicht nur auf die Stromerzeugung, sondern auf den gesamten Energieverbrauch einschließlich fossiler Treibstoffe für Straßen-, Luft- und Schiffsverkehr bezieht, müssten man den heutigen Anteil der Erneuerbaren von 5% auf 29% sogar fast versechsfachen. Um das zu schaffen, liegt die Hoffnung auf der schnellen Entwicklung neuer Technologien wie z.B. dem grünen Wasserstoff und effizienter Speichermöglichkeiten.

Zusammenschluss der kanarischen Stromnetze

Zurzeit besteht das kanarische Stromsystem aus 6 einzelnen, unabhängigen Stromnetzen. Lediglich Fuerteventura und Lanzarote sind durch zwei Stromleitungen miteinander verbunden.

Hinzu kommt, dass das Stromnetz auf den einzelnen Inseln sehr grobmaschig geknüpft ist. Diese beiden Faktoren machen die kanarischen Stromnetze sehr anfällig für Störungen und unflexibel bei wechselnder Nachfrage und schwankender Produktion.

Bis 2030 sollen die drei östlichen Inseln Fuerteventura, Lanzarote und Gran Canaria zu einem einzigen Netz verbunden werden. Dies würde die Möglichkeiten zum Ausgleich von Angebot/ Produktion und Nachfrage/ Stromverbrauch deutlich flexibler machen.

Pumpkraftwerk auf Gran Canaria als Lösung des Speicherproblems

Einer der unbestrittenen Nachteile von Wind und Sonnenenergie ist die Tatsache, dass ihre Produktionsmengen nicht steuerbar sind. In der Nacht gibt es keinen Solarstrom und bei Flaute keinen Windstrom. Wird mehr erzeugt, als gerade benötigt wird, können die Anlagen nur abgeschaltet werden, solange es keine Möglichkeit zum Speichern des erzeugten Stroms gibt.

Auf Gran Canaria soll in Salto del Chira bis 2026 für knapp 400 Mio. Euro ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 200MW entstehen. Das entspricht in etwa 20% eines kleineren Atomkraftwerks. Das Wasserkraftwerk könnte 16 Stunden lang eine Leistung von 200MW abgeben und wäre damit wohl sehr gut in der Lage, kurzfristige Nachfragespitzen auszugleichen und Überschüsse aus Windkraft- und Solaranlagen zu speichern.

Das Kraftwerk nutzt Strom aus erneuerbaren Energien, um Süßwasser vom tiefer gelegenen Stausee in Soria in den höher gelegenen Stausee von Chira zu pumpen und so Energie zu speichern. Bei Bedarf kann das Wasser über Turbinen wieder in den tiefer gelegenen Stausee zurück fließen, wobei die potentielle Energie wieder in Strom umgewandelt wird.

In das System wird eine Meerwasserentsalzungsanlage integriert, sodass die Stauseen gleichzeitig zur Verbesserung der Bewässerungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft genutzt werden können.

Sobald die Stromnetze der drei östlichen Inseln miteinander verbunden sind, kann also auch überschüssiger erneuerbarer Strom von Fuerteventura und Lanzarote relativ effizient gespeichert werden und bei Bedarf auch wieder dahin zurück fließen.

Wenn nun noch die Inselregierung von Fuerteventura (Cabildo) den Energieplan als Bestandteil des Flächennutzungsplans zeitnah verabschiedet, könnten die erneuerbaren Energien auf Fuerteventura in den kommenden Jahren einen erheblichen Schub bekommen.

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