Die Guardia Civil der Kommandantur Las Palmas ermittelt gegen sechs Personen, die verdächtigt werden, Straftaten vorgetäuscht zu haben. Dabei handelt es sich laut Behördenangaben um angebliche Fälle von Raub mit Gewalt oder Einschüchterung, Diebstahl, Sachbeschädigung sowie ein angeblicher Autodiebstahl auf Fuerteventura.
Nachdem die vermeintlich Geschädigten die angeblichen Straftaten zur Anzeige gebracht hatten, nahmen die Beamten Ermittlungen auf und stützten sich unter anderem auf Zeugenaussagen, die Auswertung von Aufnahmen aus Überwachungskameras sowie auf die Nachverfolgung der Nutzung mobiler Geräte. Doch dabei passte offenbar vieles nicht zusammen.
Wie die Guardia Civil in einer Pressemitteilung erklärte, fanden die Ermittler deutliche Widersprüche zwischen den von den „Geschädigten“ geschilderten Ereignissen und den tatsächlichen Abläufen.
Nach den bisherigen Erkenntnissen sollen mehrere der angeblich Geschädigten bewusst falsche Angaben gemacht haben, um finanzielle Entschädigungen von ihren Versicherungsgesellschaften zu erhalten. Ziel sei es gewesen, verlorene Gegenstände ersetzt zu bekommen, Entschädigungen für angebliche Diebstähle zu erhalten, Schäden an Fahrzeugen zu bezahlen oder in manchen Fällen auch zivilrechtliche Verantwortlichkeiten nach Verkehrsunfällen zu umgehen.
Angeblicher Raubüberfall
Besonders hervorgehoben wird der Fall eines Mannes, der angegeben hatte, in den frühen Morgenstunden von zwei Personen überfallen worden zu sein. Dabei seien ihm mehrere Gegenstände entwendet worden, darunter auch ein hochwertiges Mobiltelefon. Der Vorfall wurde zunächst als Raub mit Gewalt oder Einschüchterung untersucht.
Die späteren Ermittlungen ergaben jedoch, dass der Mann das Telefon in einem bekannten Freizeitlokal verloren hatte. Da er eine Versicherung besaß, die im Fall eines Diebstahls, nicht aber bei Verlieren, Ersatz gewährte, erstattete er laut Ermittlungen eine falsche Anzeige, um die Versicherungsleistung zu erhalten.
Fahrzeug angeblich gestohlen, tatsächlich Unfall in Morro Jable
In einem weiteren Fall erklärte ein Anzeigeerstatter, sein Fahrzeug sei während der Nacht gestohlen worden. Bereits die Darstellung des Vorfalls wies nach Angaben der Ermittler deutliche Widersprüche auf. Die Auswertung mehrerer Videoaufnahmen von Überwachungskameras zeigte schließlich, dass das Fahrzeug in Morro Jable im Süden von Fuerteventura in einen Unfall verwickelt war, bei dem städtisches Mobiliar beschädigt wurde.
Die Bilder belegten, dass der Anzeigeerstatter selbst zusammen mit weiteren Insassen aus dem Fahrzeug ausstieg und es anschließend bewusst am Unfallort zurückließ.
Tourismus erhöht Zahl der Anzeigen wegen Eigentumsdelikten
Die Guardia Civil weist außerdem darauf hin, dass die hohe Zahl von Touristen, die im Gemeindegebiet von Pájara übernachten, die Wahrscheinlichkeit von Eigentumsdelikten erhöht. Viele Besucher schließen in ihrem Herkunftsland Versicherungen ab, die während ihres Urlaubs Schäden durch Diebstahl oder Verlust abdecken.
Wohl vor diesem Hintergrund meldete ein Tourist zwei angebliche Diebstähle größerer Geldsummen innerhalb seines Hotels. Die Ermittlungen ergaben jedoch, dass der Mann nachweislich die Unwahrheit gesagt hatte. Er hatte seine Zugangskarte zum Hotelzimmer nicht verloren, und es wurde auch kein Ersatzschlüssel ausgestellt.
Zudem stellten die Ermittler fest, dass auch keine Einbruchsspuren an Türen oder Fenstern vorhanden waren. Auch die elektronischen Protokolle des Hotelsafes passten nicht zu den Zeitpunkten, zu denen der Diebstahl angeblich stattgefunden haben sollte.
Strafbarkeit der Vortäuschung von Straftaten
Die Guardia Civil erinnert daran, dass es laut Artikel 456 des spanischen Strafgesetzbuches strafbar ist, wenn jemand wissentlich falsche Anschuldigungen erhebt oder leichtfertig die Wahrheit missachtet und damit anderen Personen Straftaten zuschreibt.
Auch die Vortäuschung einer Straftat gilt als Delikt. Sie kann mit Geldstrafen von sechs bis zwölf Monaten (ein Monat entspricht 30 Tagessätzen) geahndet werden. Falsche Zeugenaussagen können mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zwei Jahren sowie zusätzlichen Geldstrafen von drei bis sechs Monaten bestraft werden. Darüber kann zivilrechtlich haftbar gemacht werden und zur Zahlung der Verfahrenskosten verpflichtet werden, wer eine falsche Anzeige erstattet.
Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link: