Prozess gegen 15 mutmaßliche Mitglieder einer Drogenbande auf Fuerteventura

Justizpalast-Gericht-Las-Palmas

Vor der Ersten Kammer des Provinzgerichts von Las Palmas) müssen sich ab dem 2. Juni 2026 insgesamt 15 Angeklagte wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an einer kriminellen Organisation verantworten, die zwischen 2018 und 2020 Drogen aus den Niederlanden auf die Kanarischen Inseln gebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Beschuldigten Freiheitsstrafen von bis zu elf Jahren.

Drogen aus Amsterdam für Gran Canaria und Fuerteventura

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die Organisation darauf spezialisiert, Drogen, vor allem aus Amsterdam, nach Gran Canaria und Fuerteventura zu importieren, um diese anschließend auf beiden Inseln weiterzuverkaufen.

Als eine der Schlüsselfiguren gilt der Angeklagte RGA, der unter dem Spitznamen „El Matutano“ bekannt sein soll. Ihm wird vorgeworfen, den Vertrieb der Drogen sowohl auf Gran Canaria als auch auf Fuerteventura organisiert zu haben. Auf Fuerteventura soll ein Teil der Aktivitäten durch seinen Neffen JGM koordiniert worden sein.

Die Ermittler gehen davon aus, dass RGA den Kontakt zu einem in den Niederlanden lebenden Lieferanten herstellte und den Transport der Betäubungsmittel auf die Kanarischen Inseln organisierte. Ein Teil der Ware soll anschließend auf Fuerteventura gelangt sein, wo mehrere Mitglieder der mutmaßlichen Organisation den Vertrieb übernommen hätten.

Puerto del Rosario als wichtiger Umschlagplatz

Im Verlauf der Ermittlungen rückte insbesondere Puerto del Rosario in den Fokus der Behörden. Dort sollen sich mehrere zentrale Lager- und Vertriebsorte der mutmaßlichen Organisation befunden haben.

Zu den Beschuldigten gehört MES, dem vorgeworfen wird, gemeinsam mit JGM Betäubungsmittel an Straßenhändler geliefert zu haben. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft versorgten beide den Angeklagten GSS mit Drogen, der diese anschließend direkt an Konsumenten verkauft haben soll.

Im Januar 2021 durchsuchte die Polizei zwei Immobilien in Puerto del Rosario, die mit MES in Verbindung gebracht werden. Dabei wurden Kokain, MDMA, Cannabis, mehr als 3.500 Euro Bargeld sowie ein Mobiltelefon sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Schwarzmarktwert der beschlagnahmten Drogen auf mehr als 4.200 Euro.

Am selben Tag erfolgte eine Durchsuchung der Wohnung von GSS in Puerto del Rosario. Dort fanden die Beamten nach Angaben der Ermittler mehr als 77 Gramm Kokain, Bargeld sowie mehrere Mobiltelefone.

Bei einer weiteren Durchsuchung in der Calle Gambuesa in Puerto del Rosario, einer Wohnung, die JGM zugeschrieben wird, wurden fast 20.000 Euro Bargeld, handschriftliche Aufzeichnungen über mutmaßliche Drogengeschäfte sowie Cannabisharz entdeckt.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war GSS ein bedeutender Unterstützer der Organisation auf Fuerteventura. Ihm wird vorgeworfen, Drogen gelagert, gestreckt und verkauft zu haben.

Kokaintransport nach Fuerteventura

Die Ermittlungsakte enthält außerdem den Fall einer Frau, die beschuldigt wird, Kokain von Gran Canaria nach Fuerteventura transportiert zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft wurde RCRN am 24. September 2020 festgenommen, als sie einen Binter-Flug nach Fuerteventura antreten wollte. Die Ermittler werfen ihr vor, knapp 100 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgrad von mehr als 77 Prozent in ihrem Körper versteckt zu haben. Der geschätzte Schwarzmarktwert dieser Drogen lag den Angaben zufolge bei mehr als 6.500 Euro.

Internationales Netzwerk und hohe Bargeldsummen

Die Ermittlungen beschreiben darüber hinaus eine internationale Versorgungsstruktur, die Drogenkuriere einsetzte, um Betäubungsmittel aus den Niederlanden auf die Kanarischen Inseln zu bringen.

Zu den schwerwiegendsten Vorwürfen gehört die Einfuhr von mehr als einem Kilogramm Heroin und nahezu 900 Gramm Kokain durch drei Personen, die von Amsterdam nach Gran Canaria gereist sein sollen und die Drogen in ihrem Körper transportierten.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Organisation erhebliche Einnahmen aus dem Drogenhandel erzielte. Im Zuge der Polizeioperation wurden bei verschiedenen Beschuldigten insgesamt rund 100.000 Euro Bargeld sichergestellt.

Freiheitsstrafen von bis zu elf Jahren gefordert

Die 15 Angeklagten müssen sich wegen Straftaten gegen die öffentliche Gesundheit sowie in mehreren Fällen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten.

Die von der Staatsanwaltschaft beantragten Freiheitsstrafen reichen von sieben bis elf Jahren. Zusätzlich werden gegen einige der Hauptbeschuldigten Geldstrafen von bis zu 350.000 Euro gefordert. Darüber hinaus beantragt die Anklage die Einziehung der sichergestellten Drogen, des Bargeldes sowie weiterer Vermögenswerte, die nach Auffassung der Ermittler mit den mutmaßlichen Straftaten in Zusammenhang stehen.

Der Prozess vor dem Provinzgericht von Las Palmas ist für den Zeitraum vom 2. Juni 2026 bis zum 15. Juni 2026 angesetzt.

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