Kanarische Regierung inspiziert 78 Tankstellen wegen zu langsamen Rückgangs der Kraftstoffpreise

Tankstelle-PetroPrix-Bezahlung

Jeder kennt den sogenannten „Raketen- und Federeffekt“. Wenn der Ölpreis steigt, steigen auch die Preise an den Zapfsäulen. Wenn der internationale Ölpreis fällt, schweben die Preise langsam wie eine Feder nach unten.

Die kanarische Regierung hat eine umfassende Inspektion von 78 Tankstellen des Archipels angekündigt, um die Preisbildung auf dem Kraftstoffmarkt genauer zu untersuchen.

Dies teilte der Vizepräsident der kanarischen Regierung und Regierungsrat für Wirtschaft, Industrie, Handel und Selbstständige, Manuel Domínguez, breits Mitte Juni 2026 mit. Ziel der Maßnahme ist es, die Ursachen für Auffälligkeiten zu ermitteln, die in mehreren von der Generaldirektion für Handel und Verbraucherschutz (Dirección General de Comercio y Consumo) der kanarischen Regierung in Auftrag gegebenen Berichten festgestellt wurden.

Untersuchung der Preisentwicklung

Die Analyse zeigt nach Angaben der kanarischen Regierung eine strukturelle Asymmetrie bei der Weitergabe internationaler Ölpreise an die Verbraucher. Steigen die Rohölpreise auf den Weltmärkten, werden die höheren Kosten innerhalb von lediglich 48 bis 72 Stunden an den Zapfsäulen weitergegeben. Sinken die Rohölpreise hingegen, dauert es deutlich länger, bis Verbraucher von niedrigeren Preisen profitieren.

Laut dem Bericht vergehen zwischen 10 und 13 Tage, bis überhaupt ein Teil der Preisrückgänge an den Tankstellen sichtbar wird. Dieses Phänomen ist in der Wirtschaftswissenschaft als „Raketeneffekt und Feder-Effekt“ bekannt. Dabei steigen die Preise schnell wie eine Rakete, fallen jedoch nur langsam wie eine Feder. Nach Einschätzung der Regierung belastet dieses Verhalten unmittelbar Familien, Selbstständige sowie die gesamte wirtschaftliche Aktivität auf den Kanaren.

Sorge um Auswirkungen auf Verbraucher

Manuel Domínguez erklärte, das Vorgehen der Regierung sei Ausdruck einer klaren Besorgnis über die Auswirkungen dieser Situation auf die Bevölkerung. Es habe überrascht, dass die Kraftstoffpreise auf den Kanaren nahezu unmittelbar gestiegen seien, sobald die internationalen Preise anzogen. Deshalb habe die Regierung eine gründliche Analyse veranlasst, um festzustellen, ob es sich um ein normales Marktverhalten oder um eine ungewöhnliche Situation handele.

Der Regierungsrat betonte, dass die Regierung Klarheit darüber gewinnen wolle, wie die Preisbildung tatsächlich erfolgt und ob die beobachteten Unterschiede sachlich gerechtfertigt sind.

Hohe Marktkonzentration festgestellt

Der Bericht kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass der Kraftstoffmarkt auf den Kanaren stark konzentriert ist. Vier Marken kontrollieren demnach 76,7 Prozent des gesamten Tankstellennetzes des Archipels. Unabhängige Anbieter sind dagegen nur in vergleichsweise geringem Umfang vertreten.

Vor diesem Hintergrund hält die kanarische Regierung zusätzliche Transparenzmaßnahmen für erforderlich. Nach Ansicht von Domínguez sind Instrumente notwendig, die eine detaillierte Analyse der Preisbildungsstrukturen der untersuchten Unternehmen ermöglichen.

Dokumente und Preisstrategien werden geprüft

Die Inspektionskampagne wird sich auf die Anforderung von Unterlagen bei den ausgewählten Betreibern konzentrieren. Die Unternehmen müssen Informationen über ihre Preisstrategien während des untersuchten Zeitraums vorlegen. Auf diese Weise soll geklärt werden, ob die festgestellten Preisunterschiede lediglich auf Marktmechanismen zurückzuführen sind oder ob weitere Maßnahmen erforderlich werden.

Durchgeführt wird die Kampagne im Auftrag der Generaldirektion für Handel und Verbraucherschutz durch deren Inspektionsdienst. Die Ergebnisse werden anschließend an den Dienst für Wettbewerbsaufsicht (Servicio de Defensa de la Competencia) weitergeleitet, der der Vizewirtschaftsbehörde (Viceconsejería de Economía) untersteht.

Nach Auswertung der vorgelegten Daten kann die Behörde die Ermittlungen einstellen oder gegebenenfalls ein Sanktionsverfahren einleiten.

Ein entsprechendes Verfahren würde nach Abschluss der Ermittlungen dem Kanarischen Rat für Wettbewerbsaufsicht (Consejo Canario de Defensa de la Competencia) oder gegebenenfalls der Nationalen Kommission für Wettbewerbsaufsicht (Comisión Nacional de Defensa de la Competencia) zur Entscheidung vorgelegt.

Regierung kündigt konsequentes Vorgehen an

Manuel Domínguez erklärte abschließend, dass die kanarische Regierung handeln werde, falls die Untersuchung Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder missbräuchliches Verhalten ergebe. Man werde keine Situation hinnehmen, die den Verbrauchern auf den Kanaren schade.

Zugleich unterstrich der Regierungsrat, dass der Schutz des Allgemeininteresses im Mittelpunkt der Maßnahme stehe. Die Kraftstoffpreise hätten unmittelbare Auswirkungen auf die Lebenshaltungskosten, die Mobilität der Bevölkerung und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Kanaren. Deshalb komme einer transparenten und nachvollziehbaren Preisbildung auf diesem Markt besondere Bedeutung zu.

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