Foto: Archiv
Wer auf Fuerteventura zu einem Verkehrsunfall kommt, möchte Verletzten meist so schnell wie möglich helfen. Doch gut gemeinte Maßnahmen können den Zustand eines Unfallopfers sogar verschlimmern. Der Kanarische Rettungsdienst Servicio de Urgencias Canario (SUC) erinnert deshalb daran, wie sich Ersthelfer an einer Unfallstelle richtig verhalten sollten und welche vermeintlichen Hilfsmaßnahmen unbedingt zu vermeiden sind.
Insbesondere mit dem Ende der Ferienzeit und dem damit verbundenen höheren Verkehrsaufkommen auf den Straßen steigt nach Angaben des SUC die Wahrscheinlichkeit, Zeuge eines Verkehrsunfalls zu werden. Entscheidend sei dann, besonnen und in der richtigen Reihenfolge zu handeln.
Schützen, alarmieren und helfen
Der SUC empfiehlt die sogenannte PAS-Regel, auf Spanisch „conducta PAS“. Die drei Buchstaben stehen für „proteger, alertar y socorrer“, also schützen, alarmieren und helfen.
An erster Stelle steht die Absicherung der Unfallstelle. Bevor sich ein Helfer einem verunglückten Fahrzeug nähert, sollte er prüfen, ob dies gefahrlos möglich ist. Dadurch soll verhindert werden, dass es zu weiteren Unfällen kommt oder der Helfer selbst gefährdet wird.
Anschließend muss der Notruf 112 verständigt werden. Dabei sollten möglichst genaue Angaben zum Unfallort gemacht werden. Auf Autobahnen oder Schnellstraßen sind außerdem die Fahrtrichtung und weitere Informationen zur Position wichtig. Die Rettungsleitstelle sollte darüber informiert werden, wie viele Menschen betroffen sind, ob Personen im Fahrzeug eingeklemmt sind und, soweit dies beurteilt werden kann, ob die Verletzten bei Bewusstsein sind, atmen und sich bewegen können.
Verletzte möglichst nicht bewegen
Zu den wichtigsten Hinweisen des SUC gehört, Unfallopfer grundsätzlich nicht zu bewegen. Eine Ausnahme besteht nur, wenn eine unmittelbare Gefahr für das Leben des Verletzten besteht, beispielsweise durch ein Feuer oder die Gefahr, von einem anderen Fahrzeug erfasst zu werden.
Nach einem Verkehrsunfall können Verletzungen oder Knochenbrüche vorliegen, die äußerlich nicht zu erkennen sind. Durch eine falsche Bewegung könnten diese Verletzungen verschlimmert werden. Sollte es dennoch unumgänglich sein, einen Verletzten zu bewegen, sollte dies nach Möglichkeit ausschließlich entsprechend den Anweisungen des medizinischen Personals erfolgen, das den Notruf über die 112 betreut.
Kein Wasser und keine Lebensmittel geben
Der Kanarische Rettungsdienst weist außerdem ausdrücklich darauf hin, einem Unfallopfer weder Wasser noch Lebensmittel zu geben. Auch wenn es zunächst hilfreich erscheinen mag, einem Verletzten etwas zu trinken anzubieten, kann dies nach Angaben der Rettungskräfte die spätere medizinische Versorgung erschweren.
Ist eine Person in einem Fahrzeug eingeklemmt, empfiehlt der SUC, wenn dies gefahrlos möglich ist, die Zündung des Fahrzeugs auszuschalten. Anschließend sollte ein Helfer bei dem Verletzten bleiben, ihn beruhigen und auf das Eintreffen der Rettungskräfte warten.
Anweisungen der Rettungsleitstelle befolgen
Während des gesamten Notrufs erhält der Anrufer über die telefonische Betreuung Anweisungen eines Arztes oder einer Pflegekraft. Diese Hinweise sollten möglichst genau befolgt werden.
Der SUC betont, dass Ruhe und das Befolgen der professionellen Anweisungen die beste Möglichkeit sind, einem Verletzten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu helfen. Eigenmächtige Maßnahmen aus dem Impuls heraus, möglichst schnell etwas tun zu wollen, können dagegen im schlimmsten Fall den Zustand eines Unfallopfers verschlechtern.
112 – DIE Notrufnummer für alle Fälle
Die Notrufnummer 112 ist auf Fuerteventura und den Kanaren die wichtigste Notrufnummer überhaupt. Hier werden alle Notfälle und letztlich auch alle Nothelfer koordiniert. Dabei ist es egal, ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt oder jemand z.B. Hilfe durch die Polizei oder die Feuerwehr benötigt.
Auch vor einer möglichen Sprachbarriere muss man sich nicht sorgen, bei der 112 spricht man neben spanisch auch englisch, deutsch, italienisch und französisch.
Wir alle hoffen, weder als Zeuge zu einem schweren Verkehrsunfall zu kommen noch selbst in einen Unfall verwickelt zu werden. Sollte es dennoch passieren, können einige einfache Grundregeln entscheidend sein. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich die PAS-Regel und die wichtigsten Hinweise des SUC schon vorher einzuprägen. Im Ernstfall gilt vor allem: Unfallstelle sichern, den Notruf 112 verständigen, Ruhe bewahren und den Anweisungen der Rettungsleitstelle folgen.
Wenn Du unsere Inhalte nützlich, unterhaltsam oder informativ findest, kannst Du den Lohn für unsere Arbeit selbst bestimmen. Das geht ganz einfach über diesen Link: