Mysteriöser Betonkoloss vor Fuerteventura ist Teil des neuen Hafendamms

Senkkasten-Hafen-Puerto-del-Rosario

Ein Schlepper mit einem „merkwürdigen Objekt“ im Schlepptau hat am 18. September 2026 für Aufmerksamkeit in den sozialen Medien auf Fuerteventura gesorgt. Das ungewöhnliche Gespann fuhr an der Küste von Jandía entlang und war dabei vom Land aus deutlich zu sehen. Schnell wurde in den sozialen Netzwerken darüber spekuliert, worum es sich bei dem riesigen, quaderförmigen Gebilde handeln könnte.

Die Erklärung ist weniger geheimnisvoll, dafür aber für die Infrastruktur der Insel von großer Bedeutung. Bei dem „merkwürdigen Objekt“ handelt es sich um den ersten von insgesamt acht riesigen Stahlbeton-Senkkästen, die für die Erweiterung des Hafens von Puerto del Rosario vorgesehen sind.

Nach zahlreichen Verzögerungen nimmt damit die Erweiterung des Handelshafens der Inselhauptstadt zunehmend Gestalt an. Der erste Senkkasten erreichte am 18. September 2026 Puerto del Rosario. Die Hafenbehörde von Las Palmas (Autoridad Portuaria de Las Palmas) hat ihm den Namen „Virgen de la Peña“ gegeben. Seine Ankunft wurde bewusst auf den Feiertag der Schutzpatronin von Fuerteventura gelegt.

Senkkästen entstehen auf schwimmender Fabrik in Las Palmas

Die riesigen Senkkästen für die Erweiterung des Hafens von Puerto del Rosario werden nicht auf Fuerteventura, sondern im Hafen von Las Palmas de Gran Canaria hergestellt. Dafür kommt die „Sato Levante“ zum Einsatz, eine schwimmende Plattform, die speziell für die Herstellung großer Senkkästen aus Stahlbeton für Hafenbauwerke konzipiert ist.

Nach Angaben der Hafenbehörde von Las Palmas fehlen auf Fuerteventura die Voraussetzungen, um die Senkkästen direkt vor Ort mit dieser Plattform herzustellen. Einer der Gründe ist die Verfügbarkeit des speziellen Betons, der für die Konstruktionen benötigt wird. Die Unternehmen auf Gran Canaria können Beton mit den für das Projekt erforderlichen Eigenschaften liefern. Hinzu kommt, dass im Hafen von Puerto del Rosario keine geeignete Anlegelinie für die Produktionsplattform zur Verfügung steht.

Deshalb wird ein erheblicher Teil der Baumaßnahme auf Gran Canaria ausgeführt. Nach Angaben der Hafenbehörde entfallen rund 60 Prozent der Arbeiten auf Gran Canaria und rund 40 Prozent auf Fuerteventura.

Zu den Arbeiten, die auf Fuerteventura ausgeführt werden, gehören unter anderem die Herstellung weiterer Betonblöcke, die Betonarbeiten für den Stahlbeton-Wellenbrecher, die Verfüllung der Zellen der Senkkästen sowie Arbeiten an Auflageflächen und Fundamenten.

Die eigentlichen Senkkästen entstehen dagegen auf der „Sato Levante“ in Las Palmas de Gran Canaria. Nach ihrer Fertigstellung werden die gewaltigen Stahlbetonkonstruktionen zu Wasser gelassen und schwimmend von Schleppern nach Fuerteventura gebracht. Genau ein solcher Transport war am 18. September 2026 vor der Küste von Jandía zu beobachten.

Erster Senkkasten mehr als 36 Meter lang

Der erste Senkkasten „Virgen de la Peña“ ist 36,05 Meter lang, 19,55 Meter breit und 15,90 Meter hoch. Er ist etwas kleiner als die sieben weiteren Senkkästen, da er im Bereich der künftigen RoRo-Rampe eingebaut wird.

Bei den Konstruktionen handelt es sich um große rechteckige Bauwerke aus Stahlbeton, deren Inneres aus zahlreichen Hohlkammern besteht. Dadurch können die Senkkästen trotz ihrer enormen Größe schwimmen und über das Meer zu ihrem Einsatzort geschleppt werden.

Nach dem Transport werden sie an der vorgesehenen Position ausgerichtet und abgesenkt. Anschließend werden die Hohlräume verfüllt und die Konstruktionen in den Hafendamm integriert.

Nach Fertigstellung des ersten Senkkastens wird die Schalung der „Sato Levante“ für die Herstellung der weiteren sieben Elemente angepasst.

Neuer Hafendamm soll Hafen besser schützen

Mit dem Ausbau soll der Hafen von Puerto del Rosario insbesondere besser gegen Wellengang aus nördlichen Richtungen geschützt werden. Dadurch soll sich die Betriebsfähigkeit des Hafens verbessern.

Gleichzeitig entsteht eine neue Anlegemöglichkeit für die Entladung von Erdölprodukten. Dadurch kann der bislang dafür genutzte Bereich des Handelshafens künftig für andere Zwecke zur Verfügung stehen. Davon soll unter anderem der Kreuzfahrtverkehr profitieren.

Der neue Hafendamm besteht aus mehreren Abschnitten. Der erste Abschnitt wird aus zwei Senkkästen gebildet und erreicht eine Gesamtlänge von 105,30 Metern. Der zweite Abschnitt besteht aus fünf Senkkästen und wird 269,90 Meter lang. Hinzu kommt ein 36,25 Meter langer Ansatz am zweiten Abschnitt.

Neben den Senkkästen kommen bei dem Projekt schwere Betonblöcke und sogenannte Cubípodos zum Einsatz. Diese speziell geformten Betonelemente werden zum Schutz der Außenseite des Hafendamms gegen den Wellengang verwendet. Ein Wellenbrecher aus Stahlbeton soll zusätzlich verhindern, dass Wellen über die neue Hafenanlage schlagen.

Mehr als 40 Millionen Euro für Hafenerweiterung

Das Projekt hat ein Budget von 40.662.697,66 Euro und wird zu 80 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, FEDER, kofinanziert. Mit der Ausführung wurde die Arbeitsgemeinschaft OHLA-SATO beauftragt.

Bis zum Beginn der Arbeiten hatte die Hafenerweiterung eine längere Vorgeschichte. Eine erste Ausschreibung erfolgte 2022 mit einem Volumen von rund 25,7 Millionen Euro. Die damals beauftragte Arbeitsgemeinschaft gab den Auftrag im Oktober 2022 aufgrund der stark gestiegenen Materialkosten infolge des Ukrainekriegs und wegen der zeitlichen Vorgaben für die europäischen Fördermittel zurück.

Im Jahr 2024 schrieb die Hafenbehörde das Projekt erneut aus. Zu diesem Zeitpunkt war das Investitionsvolumen bereits auf rund 40,6 Millionen Euro gestiegen.

Mit dem ersten riesigen Beton-Senkkasten, der am 18. September 2026 zunächst vor der Küste von Jandía für Rätselraten sorgte und anschließend Puerto del Rosario erreichte, wird nun einer der zentralen Bestandteile der Hafenerweiterung auch für die Bevölkerung auf Fuerteventura sichtbar.

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