Oasis Wildlife Fuerteventura schafft Garten für Schmetterlinge und andere Bestäuber

Schmetterling-Garten-Oasis-Wildlife

Der Tier- und Naturpark Oasis Wildlife Fuerteventura in La Lajita plant für Februar 2027 die Eröffnung eines Schaugartens für den Schmetterling Postillon (Colias croceus) und andere wildlebende Bestäuber. Der Garten wird mit einheimischen Pflanzen angelegt, die im eigenen Betrieb gezüchtet werden. Die Initiative ist Teil des von der Europäischen Union kofinanzierten Projekts ZOO LIFE POLLINATORS, das dazu beitragen soll, den Rückgang von Bienen, Schmetterlingen und anderen bestäubenden Insekten aufzuhalten.

Einheimische Pflanzen als Lebensgrundlage für Schmetterlinge

Der neue Garten wird sowohl Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen als auch blühende Pflanzen umfassen, die den erwachsenen Insekten Nektar liefern. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei der auf den Kanarischen Inseln heimische Lotus lancerottensis, auf Spanisch als „corazoncillo de Lanzarote“ bezeichnet. Diese Pflanze dient den Raupen des Postillons auf den Kanaren als Nahrung.

Der Garten soll Besuchern und Bildungseinrichtungen offenstehen. Er soll aufzeigen, dass bereits die richtige Auswahl von Pflanzen in einem privaten Garten einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten kann.

„Schmetterlinge können ohne die spezifischen Pflanzen, von denen sich ihre Raupen ernähren, nicht überleben. Wenn diese Pflanzen verschwinden, verschwinden mit ihnen auch die Schmetterlinge. Mit diesem Garten möchten wir erreichen, dass jeder diesen Zusammenhang versteht und Anregungen mit nach Hause nimmt, die er im eigenen Garten umsetzen kann“, erklärt Angélica Hernández, Koordinatorin der Forschungsabteilung von Oasis Wildlife Fuerteventura.

Zehn einheimische Pflanzenarten zur Wiederherstellung von Lebensräumen

Neben dem Schaugarten hat Oasis Wildlife zehn Arten der kanarischen Flora für die Maßnahmen zur Wiederherstellung natürlicher Lebensräume im Rahmen des europäischen Projekts ausgewählt.

Dazu gehören der Kanarische Lavendel (Lavandula canariensis), der Natternkopf Echium decaisnei subsp. purpuriense, die Kanarische Kandelaberwolfsmilch (Euphorbia canariensis), die Süße Tabaiba (Euphorbia balsamifera) und der Verode (Kleinia neriifolia).

Bislang wurden insgesamt 800 Pflanzen der zehn ausgewählten Arten herangezogen. Davon wurden bereits 624 im Botanischen Garten von Oasis Wildlife gepflanzt. Weitere 150 Exemplare sollen im Valle de Goroy angesiedelt werden. Die verbleibenden Pflanzen sind für den neuen Bestäubergarten vorgesehen.

„Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Vermehrung und Erhaltung der einheimischen Pflanzenwelt von Fuerteventura. Diese Erfahrung bringen wir in das europäische Projekt ein. Ohne die richtigen Pflanzen kann kein Programm zum Schutz von Bestäubern erfolgreich sein“, betont Hernández.

Postillon Fuerteventura
Postillion auf einer Blüte

Europäisches Projekt gegen den Rückgang bestäubender Insekten

Das Projekt ZOO LIFE POLLINATORS vereint 16 Partner aus neun Ländern, um der zunehmende Gefährdung wildlebender Bestäuber in Europa entgegenzuwirken. Laut im Projekt genannten Zahlen sind zehn Prozent der europäischen Wildbienenarten und 15 Prozent der Schmetterlingsarten vom Aussterben bedroht.

Während Oasis Wildlife Fuerteventura an der Vermehrung einheimischer Pflanzen und der Wiederherstellung geeigneter Lebensräume arbeitet, beschäftigen sich andere Projektpartner mit der Zucht verschiedener Bestäuberarten.

In drei europäischen Zuchtzentren, zwei im Zoo von Kopenhagen in Dänemark und einem im schwedischen Nordens Ark, wurde die erste Zuchtsaison bereits abgeschlossen.

Neue Zuchtmethoden für bedrohte Bestäuberarten

Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf drei derzeit nicht bedrohte Modellarten: die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis), die Wander-Schwebfliege (Eupeodes corollae) und den Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia).

Ziel ist die Entwicklung von Zuchtverfahren, die künftig auch bei bedrohten Arten eingesetzt werden können.

Eine besondere Herausforderung stellt die Versorgung der Schwebfliegenlarven dar. Da diese sich von Blattläusen ernähren, arbeiten die Forscher an einer speziellen Blattlauszucht, die eine zuverlässige Nahrungsversorgung sicherstellen soll.

Die Zoologin Signe Ellegaard vom Zoo Kopenhagen verweist auf die Schwierigkeiten bei der Zucht von Insektenarten mit sehr unterschiedlichen Fortpflanzungs- und Ernährungsbedürfnissen.

Karin Amsten, Forschungskoordinatorin von Nordens Ark, betont dagegen insbesondere die Bedeutung einer durchgängigen Versorgung mit geeigneten Futterpflanzen während der gesamten Entwicklung der Schmetterlingsraupen.

Nach einem weiteren Zuchtzyklus im Frühjahr 2027 soll die Ausarbeitung europäischer Leitlinien für bewährte Zuchtverfahren (Directrices Europeas de Buenas Prácticas) beginnen. Diese sollen die gewonnenen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich machen und künftig als Grundlage für die Erhaltung gefährdeter Bestäuberarten dienen.

Beitrag von Fuerteventura zum europäischen Artenschutz

Oasis Wildlife Fuerteventura und die Stiftung Chekipa (Fundación Chekipa) beteiligen sich von den Kanarischen Inseln aus an dem europäischen Vorhaben, das wissenschaftliche Forschung, ökologische Wiederherstellung, Umweltbildung und Bürgerbeteiligung miteinander verbindet.

Oasis Wildlife Fuerteventura bezeichnet sich selbst Natur- und Artenschutzzentrum mit Auffangstation in La Lajita in der Gemeinde Pájara. Zu seinen Aufgaben gehören die Erforschung und Erhaltung von Pflanzen und Tieren, die Vermehrung einheimischer Pflanzenarten, die Landschaftsgestaltung sowie die nachhaltige Abfallbewirtschaftung.

Mit dem für Februar 2027 geplanten Schaugarten soll der Schutz wildlebender Bestäuber auch für Besucher unmittelbar erlebbar werden. Zugleich soll das Projekt verdeutlichen, welche Bedeutung einheimische Pflanzen für die Erhaltung der Artenvielfalt auf Fuerteventura und den übrigen Kanarischen Inseln haben.

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