Stratosphärenballon eines deutschen Unternehmens steigt von Fuerteventura auf 25.000 Meter Höhe

Stratosphärenflug-über-Fuerteventura

Auf Fuerteventura ist erstmals in Europa ein koordinierter, gleichzeitiger Flug eines Stratosphärenballons (HAB) und einer unbemannten Höhenplattform (HAPS) gelungen. Die deutsche Unternehmensgruppe TAO (Trans Atmospheric Operations) und das Raumfahrtunternehmen Space42 führten die Mission vom Canarias Stratoport for HAPS&UAS im Technologiepark von Fuerteventura aus.

Die Operation erfolgte in Zusammenarbeit mit Telespazio Ibérica und dem Zentrum für fortschrittliche Luft- und Raumfahrttechnologien (Centro Avanzado de Tecnologías Aeroespaciales, CATEC).

Mit dem erfolgreichen Versuch hat der Kanarische Straotsphärenflughafen auf Fuerteventura seine Fähigkeiten für zukünftige Einsätze in der Stratosphäre unter Beweis gestellt.

Deutsches Unternehmen TAO entwickelt Stratosphärenplattformen

Die TAO Group ist eine deutsche Unternehmensgruppe mit Sitz in Stuttgart, die sich auf die Entwicklung leichter Luftfahrtkonstruktionen, Stratosphärenballons und unbemannter Höhenplattformen spezialisiert hat.

Die Unternehmensgruppe geht auf Forschungsarbeiten an der Universität Stuttgart zurück. Ihr Gründer, Professor Bernd-Helmut Kröplin, erhielt bereits 1999 den Körber-Preis für seine Arbeiten zur Telekommunikation mithilfe von Höhenplattformen in der Stratosphäre.

Ein Schwerpunkt von TAO ist die Entwicklung sogenannter SkyDragon-Luftschiffe. Diese sollen in Höhen von bis zu 20 Kilometern fliegen und beispielsweise für Telekommunikation, Datenübertragung und Beobachtungsaufgaben eingesetzt werden können. Anders als frei fliegende Ballons verfügen die SkyDragon-Plattformen über eigene Antriebe und können gezielt gesteuert werden.

TAO entwickelt außerdem spezielle Materialien, Energiespeicher und Steuerungssysteme für den Einsatz in großen Höhen. Das Unternehmen hat bereits zahlreiche Prototypen seiner Höhenplattformen gebaut und getestet.

Space42 entwickelt solarbetriebene Höhenflugzeuge

Der zweite Partner der Flugmission, Space42, ist ein Raumfahrt- und Technologieunternehmen aus Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Unternehmen entstand 2024 durch den Zusammenschluss von Bayanat und Yahsat und ist unter anderem auf Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung und die Auswertung geografischer Daten mithilfe künstlicher Intelligenz spezialisiert.

Die an der Mission auf Fuerteventura beteiligte Höhenplattform APUSNEO 18 wurde von der Space42-Tochtergesellschaft Mira Aerospace entwickelt.

Es handelt sich um ein unbemanntes, solarbetriebenes Flugzeug mit einer Spannweite von 18 Metern, das für längere Einsätze in Höhen von bis zu 18.000 Metern konzipiert ist. Es kann Kameras und andere Sensoren transportieren und damit große Gebiete über längere Zeiträume beobachten.

Solche Plattformen sollen unter anderem zur frühzeitigen Erkennung von Waldbränden, zur Umweltüberwachung und im Katastrophenschutz eingesetzt werden.

Stratosphärenballon erreicht 25.000 Meter Höhe

Der erste Flug der deutschen TAO Group vom Canarias Stratoport auf Fuerteventura fand am 04.10.2026 in den frühen Morgenstunden statt.

Der Stratosphärenballon erreichte eine Höhe von 25.000 Metern. Die Mission dauerte etwa zweieinhalb Stunden. Während des Fluges kamen elektrooptische Kameras und Infrarotkameras zum Einsatz. Die aufgenommenen Bilder wurden direkt an das Geoinformationszentrum (Geo Information Center, GIC) des Technologieparks von Fuerteventura übertragen.

Erstmals zwei Plattformen gleichzeitig im Einsatz

Am 07.10.2026 folgte eine weitere, technisch anspruchsvollere Operation. Erstmals in Europa wurden ein Stratosphärenballon der TAO Group und die Höhenplattform APUSNEO 18 von Space42 gleichzeitig und koordiniert eingesetzt. Beide Systeme wurden vom Zentrum für fortschrittliche Luft- und Raumfahrttechnologien (Centro Avanzado de Tecnologías Aeroespaciales, CATEC) betrieben.

Die Höhenplattform von Space42 startete gegen 00.20 Uhr kanarischer Zeit. Nachdem sie ihre vorgesehene Position erreicht hatte und die Sicherheitsbedingungen überprüft worden waren, hob gegen 01.10 Uhr der frei fliegende Stratosphärenballon von TAO ab.

Dabei wurde der erforderliche Sicherheitsabstand zwischen beiden Fluggeräten eingehalten. Während der Starts und der anschließenden Flugphasen standen die Teams beider Unternehmen in ständigem Kontakt, um auf mögliche Zwischenfälle schnell reagieren zu können.

Technologie für Waldbrandüberwachung und Katastrophenschutz

Die Präsidentin des Cabildo von Fuerteventura, Lola García, betonte die Leistungsfähigkeit des ISSEC-Zentrums und des Canarias Stratoport for HAPS&UAS. Die Einrichtungen ermöglichten die Entwicklung von Einsätzen im öffentlichen Interesse mithilfe unbemannter Luftfahrtsysteme und Höhenplattformen.

Sergio Díaz, Geschäftsführer des Technologieparks von Fuerteventura, erklärte, dass die erfolgreichen Missionen die Bedeutung des Canarias Stratoport als strategische Infrastruktur für die Erprobung, Integration und Validierung fortschrittlicher Luft- und Raumfahrttechnologien stärkten.

Carlos Fernández de la Peña, Geschäftsführer von Telespazio Ibérica, hob insbesondere die Möglichkeiten für die Überwachung und den Schutz von Gebieten hervor.

Ziel sei es, über die reine technische Demonstration hinauszugehen und Informationen aus Stratosphärenplattformen, bodengestützten Systemen und Satelliten miteinander zu kombinieren. Dadurch sollen Waldbrände früher erkannt, überwacht und besser bewältigt werden können.

Langfristig sollen daraus einsatzfähige Dienste entstehen, die den Katastrophenschutz und die Reaktion auf Notfälle verbessern.

Zusammenarbeit zahlreicher Unternehmen und Behörden

Die Flugkampagne wurde durch die Zusammenarbeit des Technologieparks von Fuerteventura, der Unternehmensgemeinschaft Telespazio Ibérica und Pegasus Aero Group, TAO Group, Space42 sowie CATEC ermöglicht.

An der Koordination waren außerdem mehrere für den Luftverkehr zuständige Einrichtungen beteiligt, darunter die spanische Luftsicherheitsbehörde AESA, die Flugsicherungsorganisation ENAIRE, SAERCO und der Flughafenbetreiber AENA.

Teil des Innovationsprojekts Canarias Geo Innovation 2030

Die Missionen gehören zum Projekt ISSEC, das Bestandteil des Programms Canarias Geo Innovation 2030 ist.

Dieses Programm verfolgt das Ziel, innovative technische Lösungen mithilfe von Luftfahrt- und Raumfahrttechnologien zu entwickeln. Zu den vorgesehenen Anwendungsbereichen gehören Sicherheit, Katastrophenschutz, Biodiversität und weitere öffentliche Dienstleistungen.

Verantwortlich für das Projekt ist der Technologiepark von Fuerteventura, der dem Cabildo von Fuerteventura untersteht.

Die Aktivitäten finden hauptsächlich im ISSEC-Zentrum und im Canarias Stratoport for HAPS&UAS statt. Beide Einrichtungen wurden dafür konzipiert, fortschrittliche Technologien unter realen Einsatzbedingungen zu erproben und zu validieren.

Die Initiative ist Teil des Projekts Biodiversität (Biodiversidad). Finanziert wird sie durch Mittel der kanarischen Regierung sowie durch europäische Gelder aus dem Programm NextGenerationEU. Die europäischen Fördermittel stammen aus dem Aufbau- und Resilienzmechanismus (MRR) im Rahmen des spanischen Aufbau-, Transformations- und Resilienzplans (Plan de Recuperación, Transformación y Resiliencia, PRTR).

Mit den erfolgreichen Flugversuchen baut Fuerteventura seine Rolle als Standort für die Erprobung und Entwicklung fortschrittlicher Luft- und Raumfahrttechnologien weiter aus.

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