Eltern auf Fuerteventura fordern Maßnahmen gegen Gewalt auf und neben dem Fußballplatz

Foul Fußball Tetir

Nachrichten über Gewalt auf und neben dem Fußballplatz gehören leider auch auf Fuerteventura schon fast zum Alltag. Immer wieder gibt es Berichte über Prügeleien, Tätlichkeiten und Streitigkeiten, in die Spieler, deren Eltern oder Fans und die Schiedrichter verwickelt sind.

Die Eltern des Jugendfußballers José Luís B.P. vom C.F. Unión Tetir auf Fuerteventura haben nun schwere Vorwürfe nach einem gewalttätigen Zwischenfall während eines Fußballspiels erhoben. Nach Angaben der Familie wurde der Jugendliche von einem gegnerischen Spieler brutal gefoult. In einem Video ist zu erkennen, wie der Spieler dem Gefoulten im Sprung in den Bauch tritt, obwohl der Ball ganz woanders ist. Nach Spielende soll es außerdem zu Drohungen gekommen sein. Später sei ein Video auf TikTok veröffentlicht worden, in dem der gefoulte Spieler verspottet werde.

Wie das Nachrichtenportal Radio Insular am 03.11.2026 berichtet, fordert die Familie die zuständigen Sportorganisationen auf, die Vorfälle aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen.

Gewalt endet nicht mit dem Schlusspfiff

Nach Darstellung der Familie erlitt José Luis während des Spiels einen besonders heftigen Tritt durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft. Die Eltern betrachten die Aktion nicht als gewöhnlichen Zweikampf, sondern als einen Angriff, der mit den grundlegenden Prinzipien sportlicher Fairness unvereinbar sei.

Besonders beunruhigend seien jedoch die Ereignisse nach dem Spiel gewesen. Mehrere Spieler sollen José Luis am Ausgang der Sportanlage erwartet und bedroht haben. Die Familie beschreibt die Situation als Einschüchterung, die in einer Sportstätte nichts zu suchen habe.

Damit sei der Vorfall jedoch nicht beendet gewesen. In sozialen Netzwerken sei anschließend ein Video verbreitet worden, in dem der angegriffene Jugendliche nach Angaben seiner Eltern lächerlich gemacht werde.

Die Familie spricht von körperlicher Gewalt, Drohungen und öffentlicher Demütigung. Kein Spielergebnis und keine sportliche Rivalität könnten ein solches Verhalten rechtfertigen, erst recht nicht unter Minderjährigen, die sich sowohl sportlich als auch persönlich noch in der Entwicklung befänden.

Betroffener ist auch international im Bogenschießen aktiv

José Luis ist nicht nur Fußballer. Er nimmt auch auf internationaler Ebene an Wettkämpfen im Bogenschießen teil und wartet auf seine Anerkennung als Hochleistungssportler in dieser Disziplin.

Seine Familie befürchtet, dass die körperlichen Folgen des Angriffs und die psychische Belastung durch die anschließenden Einschüchterungen seine sportliche Entwicklung beeinträchtigen könnten.

Hinter seinen sportlichen Erfolgen stünden jahrelanges Training, Disziplin und persönlicher Einsatz. Die Eltern sehen diese Entwicklung durch die Ereignisse gefährdet.

Todesfall auf Teneriffa zeigt Gefahren schwerer Fouls

Die Vorwürfe auf Fuerteventura werden zu einem Zeitpunkt bekannt, an dem ein tragischer Todesfall im Profifußball die Kanarischen Inseln erschüttert.

Am 03.11.2026 starb der 30-jährige Stürmer Jesús de Miguel Alameda vom CD Tenerife an den Folgen einer schweren Verletzung, die er am 02.11.2026 während des Zweitligaspiels gegen den FC Andorra erlitten hatte.

Der gegnerische Torwart Jesús Owono hatte seinen Torrauf verlassen und streckte den heraneilenden Stürmer mit einem Treffer des Knies im Brustbereich nieder . Er brach anschließend bewusstlos auf dem Spielfeld zusammen und erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Trotz medizinischer Versorgung und Behandlung im Krankenhaus konnte sein Leben nicht gerettet werden.

Wie die Fuerteventura-Zeitung in ihrem Beitrag „Stürmer stirbt nach brutalem Foul bei Zweitligaspiel auf Teneriffa“ berichtet, starb der Spieler am 03.11.2026 um 8.00 Uhr im Krankenhaus.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen besteht nicht. Auch lässt sich der Zusammenstoß auf Teneriffa nicht mit den von der Familie auf Fuerteventura erhobenen Vorwürfen eines gezielten Angriffs gleichsetzen. Der Todesfall verdeutlicht jedoch, wie schwerwiegend die Folgen heftiger körperlicher Einwirkungen beim Fußball sein können.

Demütigungen in sozialen Netzwerken

Der Fall von José Luis macht außerdem auf ein Problem aufmerksam, das über die Gewalt auf dem Fußballplatz hinausgeht. Konflikte zwischen Jugendlichen können sich nach Spielende auf Parkplätzen, in Umkleidekabinen und insbesondere in sozialen Netzwerken fortsetzen.

Ein Video, das einen angegriffenen Spieler verspottet, kann die Folgen eines gewalttätigen Vorfalls erheblich verstärken. Was zunächst nur wenige Zuschauer gesehen haben, kann durch die Verbreitung im Internet Hunderte oder Tausende Menschen erreichen.

Für betroffene Jugendliche kann die öffentliche Demütigung eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Hinzu kommt, dass solche Veröffentlichungen Gewalt verharmlosen und den Betroffenen zusätzlich zum Gegenstand von Spott machen können.

Drohungen und die Verbreitung demütigender Aufnahmen Minderjähriger können disziplinarische und unter bestimmten Voraussetzungen auch strafrechtliche Konsequenzen haben. In Spanien beginnt die strafrechtliche Verantwortlichkeit nach dem Jugendstrafrecht grundsätzlich mit 14 Jahren.

Aggressionen beginnen häufig auf den Zuschauerrängen

Gewalt im Jugendfußball ist kein auf Fuerteventura beschränktes Problem. Auch auf anderen Kanarischen Inseln und im übrigen Spanien kommt es regelmäßig zu Zwischenfällen bei Spielen der Nachwuchsmannschaften.

Schiedsrichter, Trainer und Sportverbände weisen immer wieder auf die Rolle der Zuschauer hin. Beleidigungen gegen Schiedsrichter, aggressive Zurufe gegen gegnerische Spieler und Auseinandersetzungen zwischen Eltern können ein Klima schaffen, in dem sich gewalttätiges Verhalten entwickelt.

Wenn Erwachsene harte Fouls bejubeln oder gegnerische Mannschaften als Feinde darstellen, vermitteln sie Jugendlichen den Eindruck, dass Aggression ein akzeptierter Bestandteil des Sports sei.

Dazu kommen der Druck, Spiele unbedingt gewinnen zu müssen, und überhöhte Erwartungen an die sportliche Zukunft der Kinder.

Dabei sollte gerade der Jugendfußball dazu dienen, sportliche Fähigkeiten, Fairness und den respektvollen Umgang miteinander zu erlernen.

Sportvereine müssen Minderjährige schützen

In Spanien verpflichtet das Gesetz zum umfassenden Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt (Ley Orgánica 8/2021 de protección integral a la infancia y la adolescencia frente a la violencia) auch Sportorganisationen, die mit Minderjährigen arbeiten, zur Einführung entsprechender Schutzmaßnahmen.

Dazu gehören Handlungsprotokolle für den Umgang mit Gewaltvorfällen und die Benennung eines Schutzbeauftragten (delegado de protección).

Daneben sehen die staatlichen Vorschriften gegen Gewalt im Sport und die Disziplinarordnungen der Sportverbände Sanktionen gegen Spieler, Vereine und Zuschauer vor, die an gewalttätigen Vorfällen beteiligt sind.

Familie fordert Untersuchung und Konsequenzen

Die Eltern von José Luis Barrero Pérez verlangen eine umfassende Aufklärung der Geschehnisse.

Die Aktion während des Spiels müsse untersucht und die Verantwortlichkeiten müssten festgestellt werden. Ebenso fordern sie eine Untersuchung der mutmaßlichen Drohungen nach Spielende.

Auch die Veröffentlichung des Videos auf TikTok und eine mögliche gezielte Belästigung ihres Sohnes sollen geprüft werden.

Darüber hinaus erwarten die Eltern von den beteiligten Vereinen und den zuständigen Sportorganisationen, dass sie ihre Maßnahmen zur Gewaltprävention im Jugendfußball verstärken und für ein sicheres Umfeld sorgen.

Die Verantwortung liege nicht allein bei den Vereinen, sondern auch bei Schiedsrichtern und Familien.

In ihrer Erklärung warnen die Eltern, dass jeder Nachwuchssportler zum Opfer eines solchen Vorfalls werden könne.

Der Jugendfußball dürfe kein Ort der Angst werden. Die sportliche Rivalität müsse mit dem Abpfiff enden, der gegenseitige Respekt müsse dagegen jederzeit bestehen bleiben.

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