Das Mysterium Kinder der Eingeborenen von Gran Canaria

Nachdem ein Vater mit seinem Sohn im August in einer Höhle bei Tauro, Mógan, Gran Canaria, die früher von Ureinwohnern der Insel bewohnt war, Knochen gefunden hatte, ist der Verbleib von Kindern der Ureinwohner verstärkt in das Interesse von Forschern gerückt.

Nachdem forensisch-anthropologische Spezialisten die Knochen untersucht hatten, stellte sich heraus, dass es sich um einen Erwachsenen und ein Kind handelte, die seit Zeiten der Ureinwohner in der Höhle bestattet gewesen sind.

Zu Zeiten der Ureinwohner erreichten 50% der Bevölkerung nicht das Erwachsenenalter. Dennoch fand man bisher auffällig wenige Überreste von Kindern in den Begräbnisstätten der Ureinwohner, besonders beachtlich ist das Fehlen von Kindern unter einem Lebensjahr. Wo die Überreste der Kinder sind, ist unklar.

„Es ist ungewöhnlich, dass die Überreste eines Kindes gemeinsam mit denen eines Erwachsenen auftauchen“, so Javier Velasco, Archäologe und Techniker der Consejería de Cultura y Patrimonio Histórico des Cabildo de Gran Canaria. „Bei den meisten bekannten Fundstellen auf Gran Canaria fällt besonders das Nicht-Vorhandensein von Kindern auf. In einer Epoche, in der die Kindersterblichkeit insbesondere im ersten Lebensjahr sehr hoch gewesen sein muss, ist es befremdlich, dass Kinder dieses Alters so unterrepräsentiert sind. Durch den Fund eines Kindes aus dieser Zeit bekommt der aktuelle Knochenfund eine hohe Bedeutung.“

Dass es Kinder in den Begräbnisstätten der Ureinwohner gibt, sogar mumifizierte Körper sind gefunden worden, ist unbestritten, jedoch eben deutlich weniger als erwartet. In vielen Gesellschaften zu jener Zeit mussten Kinder erst ein gewisses Alter erreicht haben, um in den Kreis der Familie oder Sippe vollends aufgenommen zu werden. Von einigen Kulturen weiß man, dass im 17. und 18. Jahrhundert Kinder, die ohne getauft zu sein starben nicht  auf dem Friedhof sondern im Inneren der Häuser beerdigt wurden. Vielleicht war das auch bei den Ureinwohnern Gran Canarias so.

„Wir wissen nicht, wo diese Kinder sind“, so Velasco weiter. „Vielleicht in Wohnbereichen, vielleicht gab es aber auch spezielle Kinderfriedhöfe, die wir nur noch nicht gefunden haben“, spekuliert der Archäologe weiter.

Die Fundstelle soll nun ausführlich untersucht werden, um weitere Aufschlüsse über das Leben und Sterben der prähispanischen Ureinwohner Gran Canarias zu geben.

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