Die Geier kreisen über Fuerteventura

Der Pleitegeier kreist über Spanien, und auch die Wirtschaftslage auf den Kanaren im Allgemeinen und auf Fuerteventura ist von einer massiven Krise geprägt. Doch gibt es zu den Geiern über Fuerteventura auch Positives zu berichten.

Fuerteventura ist Lebensraum einer endemischen Vogelart, also einer Art, die ausschließlich auf Fuerteventura (und auf Lanzarote) vorkommt. Die Rede ist vom Fuerteventura-Schmutzgeier (neophron percnopterus majorensis), von den Einheimischen auch „guirre“ oder „alimoche“ genannt.

Wie viele andere endemische Tier- und Pflanzenarten auf Fuerteventura, ist auch die Population des Schmutzgeiers massiv vom Aussterben bedroht und steht unter strengem Schutz. Zur Rettung der Art wurde von 14 Jahren das Projekt LIFE zur Beobachtung und Stärkung des Bestandes gestartet, das mit EU-Mitteln finanziert wird.

Die Bilanz nach 14 Jahren ist offenbar positiv. Im Jahr 2000 konnten nur 21 Brutpaare gezählt werden. In 2011 waren es mit 47 Brutpaaren mehr als doppelt so viele. Nach der Brutzeit 2011 dürfte der Gesamtbestand auf Fuerteventura in freier Wildbahn bei 230 bis 240 Individuen liegen, von denen 94 Exemplare Brutpaare bilden. Hinzu kommen der Brutpaare auf Lanzarote und eines auf dem Chinijo-Archipel nördlich von Lanzarote.

Erste Aufgabe des Projekts zur Erhaltung des Fuerteventura-Schmutzgeiers war es, herauszufinden, warum viele Exemplare verendeten und der Bestand schrumpfte. Man fand heraus, dass die größte Gefahr für die Schmutzgeier von den Hochspannungsleitungen ausging, mit denen sie entweder kollidierten oder einen tödlichen Stromschlag erlitten. Eine ebenfalls häufige Todesursache waren Vergiftungen durch den illegalen Einsatz toxischer Substanzen in der Landwirtschaft oder durch die Aufnahme von Bleischrot als Folge der Jagd. Weitere Bedrohungen gingen von menschlichen Störungen und von einer zunehmenden Futterknappheit aus.

Aus diesen Erkenntnissen folgten die Gegenmaßnahmen. An Hochspannungsleitungen wurden Vogelschutzelemente angebracht, die Brutgebiete wurden überwacht, und Aufklärungskampagnen sensibilisierten die Bevölkerung im Allgemeinen sowie die Landwirte und Jäger, auf den Einsatz von Giften zu verzichten und sich vor allem in der Brutzeit von den Nistplätzen fernzuhalten.

Außerdem wurden Futterplätze eingerichtet, um möglichen Nahrungsmangel entgegenzuwirken. Verletzte Tiere werden in Pflegestationen aufgepäppelt und wieder frei gelassen, sobald ihr Zustand es erlaubt. Falls die Tiere in freier Natur keine Überlebenschance haben, werden sie in das Forschungsprogramm zur Nachzucht in Gefangenschaft integriert und bilden somit einen Teil des Genpools.

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