Weiße Blümchen auf türkisfarbigem Grund

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Wer Ende Juli mit dem Auto nach Jandia gefahren ist, konnte am Ende der Autobahn bei der Zufahrt zum „Aldianakreisel“ beobachten, wie ein Mitarbeiter der Inselverwaltung (Cabildo) mühsam den Betonfußboden der Verkehrsinsel anmalte, die die beiden Fahrspuren der Autobahn voneinander trennt. Zuerst wurde die ca. 125m² Fläche in dem typischen Cabildo-Türkis grundiert. Anschließend war der Arbeiter damit beschäftigt, große weiße Blümchen auf den Boden zu malen. Diese wurden zuerst vorgezeichnet, und dann mit dem Pinsel ausgemalt.

Der Mann war mit dieser Arbeit mindestens zwei Tage beschäftig, wie wir selbst beobachten konnten. Wahrscheinlich haben diese Malerarbeiten aber noch länger gedauert. Während der gesamten Zeit stand dem Arbeiter ein Fahrzeug der Inselverwaltung im wahrsten Sinne des Wortes zur Seite.

Kaufmännisch kalkuliert dürfte ein Quadratmeter Fußbodenanstrich incl. Billig-Material und Lohn ca. 5 Euro kosten, aufwändige Blümchenmalerei nicht mitgerechnet. Die „Verschönerung“ der 125m² großen Fläche hätte also in der Größenordnung von geschätzten 750€ gekostet, wenn man den Auftrag an ein Unternehmen vergeben hätte.

Natürlich könnte das Cabildo nun so argumentieren: „Das Personal ist ja eh da und muss bezahlt werden, das Auto ist auch vorhanden und das bisschen Material, das macht den Kohl auch nicht fett….“

Dennoch stellt sich die Frage: Muss in Zeiten der Krise, in denen an allen Ecken und Enden für wichtige Dinge wie Bildungs- und Gesundheits- und Sozialwesen die Mittel fehlen, Geld für den Bodenanstrich einer nicht begehbaren, kaum sichtbaren Verkehrsinsel ausgegeben werden? Kann ein Mitarbeiter, der „eh schon da ist“, nicht in derselben Zeit an anderer Stelle eingesetzt werden, wo ein echter Mehrwert erarbeitet werden kann?

Selbst in guten wirtschaftlichen Zeiten wäre die „Bodenverschönerung“ mehr als fragwürdig, denn gerade „in der Zeit sollte man für die Not sparen“: Warum soll man horizontale Flächen aufwändig dekorieren, die ohnehin kaum jemand jemals betrachten werden?

Wie lange werden das Türkis und das Weiß ihre Leuchtkraft behalten? Wer den Zustand von blauen Autolacken auf Fuerteventura beobachtet, weiß dass diese Farben auf der Insel nicht lange halten. Gerade auf horizontalen Flächen sorgen Sonne und Staub dafür, dass aus leuchtendem Türkis sehr bald ein stumpfes unansehnliches Beige-Grau wird. Aber wer weiß, vielleicht schickt das Cabildo regelmäßig einen Arbeiter mit einem Besen vorbei, der den Staub wegkehrt, und dann noch einen, der die angegrauten Blümchen nachmalt? So könnte man sinnvolle Mittelverwendung vermeiden und trotzdem zwei Arbeitsplätze erhalten.

1 Kommentar

  1. Vielleicht ist die Sichtweise „kaufmännisch“ ja richtig, jedoch: ich finde die Idee ganz nett, es gefällt mir. Ich freue mich schon auf den nächsten Urlaub, damit ich es „live“ sehen kann!

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