Oasis Park leistet bedeutenden Beitrag zur Erhaltung bedrohter Cuviergazelle

Am 18.10.2016 ist im Oasis Park in La Lajita der große Tag der Auswilderung gekommen, der den vorläufigen Höhepunkt eines seit mittlerweile elf Jahren andauernden Artenerhaltungsprogramms bedeutet. Vier Männchen und vier Weibchen der vom Aussterben bedrohten Cuviergazelle (Gazella cuvieri), die im Tierpark auf Fuerteventura geboren und aufgewachsen sind, wurden dabei auf die Reise in ihre Heimat Nordafrika geschickt, wo sich mit Marokko und Tunesien ihre größten noch verbleibenden Verbreitungsgebiete befinden. Die Freude über diesen bedeutenden Schritt der Auswilderung war für alle Mitarbeiter des Oasis Parks riesig, auch wenn sie sicherlich mit einem gewissen Trennungsschmerz verbunden war. Trotz der Entfernung von mehr als 2.400 Kilometern will man den Weg der Tiere weiterhin begleiten und an ihrer Entwicklung teilhaben.

Zusammen mit 35 weiteren Exemplaren aus den Züchtungsprogrammen der nationalen Forschungseinrichtung CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas; deutsch: Oberster Rat für wissenschaftliche Forschung) und der unterstellen Versuchsstation für Trockengebiete EEZA (Estación Experimental de Zonas Áridas) wurden Ende Oktober somit insgesamt 43 Cuviergazellen aus Spanien ausgewildert. Seit nun schon 45 Jahren arbeiten beide Einrichtungen an der Fortpflanzung und Erhaltung dieser bedrohten Spezies. Das neue Zuhause der Tiere ist der Jebel-Serj-Nationalpark in Tunesien, der in Zusammenarbeit mit modernen zoologischen Einrichtungen weltweit versucht, den Bestand bis 2019 um bis zu 30 Prozent zu erhöhen und gleichzeitig die genetische Vielfalt zu fördern.

Die Cuviergazelle wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht gelistet, obwohl sie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts über weite Teile Nordafrikas verbreitet war. Durch die Bejagung, fehlende Schutzmaßnahmen und die Einschränkung ihres Lebensraums durch Umwandlung in Viehweiden sind die Bestände seit Mitte des letzten Jahrhunderts drastisch zurückgegangen. Heute bewohnt die Art nur mehr ein verkleinertes und zerstückeltes Gebiet. Schätzungen aus dem Jahr 2015 beziffern den Gesamtbestand auf weltweit knapp 800 Tiere, von denen rund 100 in Tunesien leben.

Mit dem Artenerhaltungsprogramm zeigt der Oasis Park sein Engagement für die Erhaltung der biologischen Vielfalt mit besonderem Augenmerk auf die Arten, die dem illegalen Tierhandel zum Opfer fallen. Um einen weiteren Rückgang der Gazellen-Bestände zu verhindern, startete man in Zusammenarbeit mit dem CSIC im Jahr 2005 ein Zuchtprogramm. Die anfängliche Gruppe aus fünf Weibchen und zwei Männchen ist mittlerweile auf eine Herde von über 30 Tieren angewachsen, von denen nun acht in Tunesien ausgewildert werden konnten. Die erfolgreiche Aufzucht der Gazelle auf Fuerteventura ist sicherlich auch dem Lebensumfeld zu verdanken, der dem natürlichen Habitat in Afrika sehr ähnlich ist. Dadurch erhält man auch die besten Voraussetzungen für eine Gewöhnung an ihre ursprüngliche Heimat. Mit der Cuviergazelle nahm eine zoologische Einrichtung auf den Kanaren zum allerersten Mal an einer Auswilderung von Säugetieren teil. Die Bemühungen Tiere, die in Gefangenschaft gelebt haben, wieder langsam an ein Leben in der freien Natur zu gewöhnen, sind mit einer enormen Forschungsarbeit verbunden und verfolgen das Ziel einer dauerhaften Besiedlung und selbstständigen Fortpflanzung. Neben der Cuviergazelle betreibt der Oasis Park noch fünf weitere Auswilderungsprojekte, z. B. für den afrikanischen Elefanten oder den heimischen Schmutzgeier.

Bis Dezember 2019 findet im Jebel-Serj-Nationalpark eine überwachte Auswilderung der Gazellen statt. Bis dahin erhofft man sich, die Population insofern ausreichend erhöht zu haben, dass einige Exemplare auch in andere Gebiete Tunesiens ausgewildert werden können.

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