Fuerteventuras Hallenbad-Desaster

Hallenbad Puerto del Rosario

Millionen von Urlaubern kommen jedes Jahr nach Fuerteventura, unter anderem um im Meer zu baden. Wozu braucht Fuerteventura dann also Hallenbäder?
Zumindest die Gemeinden Puerto del Rosario und Pájara sahen die Notwendigkeit und haben Millionen in den Bau von öffentlichen Hallenbädern investiert.
Die Bauarbeiten für das Hallenbad in Morro Jable hatten in 2010 begonnen.

Damals steckte Spanien mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, weshalb die Spanische Zentralregierung im Rahmen von diversen Konjunkturprogrammen einige sinnvolle und viele weniger sinnvolle Projekte finanziert hat. Aus einem solchen Konjunkturprogramm stammten auch die Gelder für das Hallenbad in Morro Jable, das bis heute, rund 8 Jahre nach Baubeginn, noch nie in Betrieb genommen wurde.

Auch das Hallenbad von Puerto del Rosario entwickelt sich immer mehr zum Investitionsdesaster. Zunächst blieben zwei Ausschreibungen in den Jahren 2016 und 2017 ohne Bieter. Es fand sich einfach keine neue private Betreibergesellschaft, die die Bewirtschaftung des Bades übernehmen wollte.

Nun in das Bad seit mittlerweile 3 Jahren geschlossen, obwohl inzwischen ein Betreiber gefunden wurde. Laut einer Pressemitteilung der PP, Partido Popular, Oppositionspartei im Gemeinderat von Puerto del Rosario, verliert das Becken des Hallenbades erneut Wasser, obwohl gerade erst Reparaturen am Rohrsystem und im Maschinenraum durchgeführt worden seien. Nun vermutet man ein Leck in der Verrohrung unter dem Becken. Geschätzte Reparaturkosten: 120.000€ plus Planungskosten.

Eine Wiedereröffnung scheint also erst einmal in weite Ferne zu rücken. Die ohnehin vorgesehen Arbeiten, die der neue Betreiber bis Juli 2018 hätte fertigstellen sollen, haben noch nicht einmal begonnen. Und nun kommt das Problem mit dem Leck noch dazu.

Bisher seien laut PP Kosten von rund 200.000€ für den ersten Reparaturversuch am Becken angefallen. Hinzu kamen rund 500.000 für die Sanierung des Maschinenraums. Die Kosten der beiden vergeblichen Ausschreibungen beliefen sich auf rund 40.000€. Für die Beseitigung von Feuchteschäden wurden 60.000€ aufgewendet. Die Betreibergesellschaft erhält 93.000€ pro Jahr, obwohl das Bad gar nicht in Betrieb ist.

Wenn man nun noch die Kapitalkosten für die Finanzierung des Baus und die Abschreibungen ansetzt, wird schnell klar, dass das Hallenbad in Puerto del Rosario ein Millionengrab ist.

Und nun zurück zu der Frage: braucht Fuerteventura öffentliche Hallenbäder?

Die Befürworter sehen einen Nutzen für medizinisch-therapeutische Zwecke, für das Erlernen des Schwimmens, sowie für den Schwimmsport.
Die Urlauber beweisen, dass man auf Fuerteventura ganzjährig im Meer schwimmen kann, wenngleich dies im Winter 2017/2018 aufgrund der eher schlechten Wetterverhältnisse durchaus eingeschränkt war.

Es gibt im Schwimmsport diverse Disziplinen, die im Meer, also außerhalb einer Schwimmhalle durchgeführt werden können, so z.B. das Langstreckenschwimmen. Mit entsprechender Ausrüstung (Neoprenanzug) ist das selbst in „extremem“ Fuerteventura-Wintern den Sportlern durchaus zuzumuten. Eine Schwimmhalle erscheint Anbetracht dessen als Luxus. Muss man auf Fuerteventura um jeden Preis alle Disziplinen des Schwimmsports ausüben können?

Das Erlernen des Schwimmens ist sicher in den kontrollierten Bedingungen eines Schwimmbades leichter als im Meer. Allerdings beschränkt sich das Lernen bei den meisten Kindern auf einen eher kurzen Zeitraum, solange bis sie es eben können. Rechtfertigt dies den ganzjährigen Betrieb eines Hallenbades? Wohl eher nicht. Der Hauptstadtstrand von Puerto del Rosario liegt so geschützt, dass er im Sommer absolut ruhiges Wasser bietet. Dort könnte man einen Bereich speziell sichern, sodass Kinder im stehtiefen Wasser problemlos und sicher Schwimmen lernen könnten.

Und so bleibt nur der medizinisch-therapeutische Aspekt. Uns ist nicht bekannt, wie viele Menschen in Puerto del Rosario bzw. auf Fuerteventura auf ein Schwimmbad für therapeutische Zwecke angewiesen sind. Allerdings dürfte die Zahl durchaus überschaubar sein.

Private Spas und Hotelpools als Alternative?

Es gibt auf Fuerteventura diverse private Spas, beheizte Hotelpools sowie Hallenbäder in Hotels. Rein technisch wäre es sicher möglich, ein therapeutisches oder medizinisches Schwimmprogramm dort durchzuführen. Und da all diese privaten Unternehmen gewinnorientiert arbeiten, wäre eine Nutzung gegen Bezahlung sicher verhandelbar.

Wahrscheinlich wäre für die öffentliche Hand billiger, allen Menschen, die eine Schwimmtherapie benötigen, eine Jahreskarte eines privaten Luxus-Spas zu spendieren, als für Millionen von Euro Hallenbäder zu bauen und zu betreiben.

Und selbst wenn man zusätzlich noch allen Vereinsschwimmern alle drei Jahre einen neuen Neoprenanzug schenken und allen Schwimmschülern einen Kurs in einer gewerblichen Schwimmschule bezahlen würde, könnte der Steuerzahler ohne Hallenbäder sicher eine Menge Geld sparen.

Besonders wenig Nutzen, sowohl in therapeutischer als auch in sportlicher Hinsicht, spendet natürlich ein Hallenbad, das seit 8 Jahren ungenutzt vor sich hin gammelt, wie das in Morro Jable.

2 Kommentare

  1. Genau: teilen heißt das Zauberwort!
    Wir sprechen ganz bestimmt nicht die Notwendigkeit von Hallenbädern zu therapeutischen Zwecken ab, auch nicht auf Fuerteventura.
    Aber dürfen unter dem Deckmantel der Notwendigkeit deshalb Millionen an Steuergeldern versenkt werden?
    Und dann steht die ganze Infrastruktur rum, gammelt vor sich hin und wird letztlich doch nicht genutzt?

  2. Guten Tag, wir fahren seit Jahren nach Fuerteventura und haben in unserem Hotel gemerkt wie wichtig es für die Einheimischen wäre ein Hallenbad zu therapeutischen Zwecke zu haben. Wir teilen mittlerweile unser Sparbereich mit Schwangerschaftsgymnastik und Babyschwimmen….

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